S-Bahn Stuttgart im Jahr 2025 – Schlimmer geht immer

Vor einem Jahr haben wir über die historisch schlechte Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart im Jahr 2024 berichtet und dabei die Hoffnung geäußert, dass jetzt vielleicht wirklich der Tiefpunkt erreicht wurde und es mit der Pünktlichkeit wieder bergauf geht. Diese Hoffnung wurde im letzten Jahr leider bitter enttäuscht. Fast in jedem Monat gab es Negativrekorde und die Pünktlichkeitswerte stürzten weiter ab. So unpünktlich wie 2025 war die S-Bahn Stuttgart noch nie zuvor.

Verlauf der Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2013-2025

Verlauf der Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2013-2025 – Gleitender 12-Monate-Mittelwert

Die Zielwerte für die Pünktlichkeit wurden 2025 krachend verfehlt:
3-Minuten-Pünktlichkeit: 66,8 % (-27,7 % ggü. dem Zielwert 94,5 %)
6-Minuten-Pünktlichkeit: 84,8 % (-13,2 % ggü. dem Zielwert 98,0 %)

Im Jahr 2025 stechen besonders die Monate März, April, Mai und der Oktober mit historisch schlechter Pünktlichkeit hervor.

3-Minuten-Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2012-2025 als Heatmap

3-Minuten-Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2012-2025 als Heatmap

6-Minuten-Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2012-2025 als Heatmap

6-Minuten-Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2012-2025 als Heatmap

Uns liegen noch keine Zahlen zu Zugausfällen im vergangenen Jahr vor, es ist aber damit zu rechnen, dass diese ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau lagen. Wir werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass sich ausgefallene Züge nicht negativ auf die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn auswirken. Frei nach dem Motto: Ein Zug, der nicht fuhr, kann auch nicht unpünktlich gewesen sein.

Natürlich gab es im Jahr 2025 viele Baustellen und dadurch bedingt Fahrplanänderungen, aber bei einer realistischen Planung und guten Durchführung sollten sich solche Baustellen nicht so negativ auf die Pünktlichkeit auswirken. Jedoch wurden die Planer solcher Baustellen viel zu oft von sehr kurzfristig geforderten Baumaßnahmen im Zuge des Projekts Stuttgart 21 überrascht und hatten für eine vernünftige Planung und Umsetzung zu wenig Zeit.

Für 2026 sind noch mehr Baustellen im Bahnnetz geplant. Da Stuttgart 21 später als geplant eröffnet wird, könnte man auf die Idee kommen, dass die bis dahin geplanten Baustellen nun gestreckt werden können. Die Bahn macht diesbezüglich aber wenig Hoffnung. Sie hält nach eigenen Angaben an ihrer Baustellenplanung fest – zumindest bis zum Sommer.

Gleichzeitig pfeift die Bahninfrastruktur trotz häufiger Fahrplanänderungen wegen Instandhaltungsmaßnahmen weiter aus dem letzten Loch. Signal-, Stellwerk und Weichenstörungen treten praktisch täglich auf, auch wenn sie von der S-Bahn Stuttgart seit einigen Monaten kaum noch über den VVS Benachrichtigungsservice per E-Mail kommuniziert werden.

Es ist sehr bitter, aber ich kann derzeit niemandem mehr mit gutem Gewissen dazu raten, mit der Bahn zu fahren. Es ist jedes Mal ein potenzielles Abenteuer mit offenem, oft schlechten Ausgang. Bei wichtigen Terminen großzügig Puffer einzubauen ist nicht nur ratsam, sondern mittlerweile zwingend notwendig.

Von Jahr zu Jahr verschlechtern sich Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Bahn, aber gleichzeitig wird das Deutschlandticket jedes Jahr immer teurer. Will man tatsächlich so mehr Fahrgäste auf die Schiene locken? Das Gegenteil ist der Fall. Im Jahr 2025 wurden 1,4 Prozent mehr Neufahrzeugen zugelassen als im Jahr zuvor und die Verkehrsminister denken laut darüber nach, den teuren Führerschein zu subventionieren.
Eine Mobilitätswende für mehr Klimaschutz sieht anders aus.

5 Gedanken zu „S-Bahn Stuttgart im Jahr 2025 – Schlimmer geht immer

  1. Ulli Fetzer

    Ja, nicht nur die S-Bahn sondern das ganze System Eisenbahn krankt.

    In Stuttgart und der Region ist es besonders schlimm, weil gleichzeitig 2 Großprojekte realisiert werden sollen, nämlich das nachwievor nicht voll durchgeplante Stuttgart 21 (weitere km-Lange Tunnel, die noch in Planung sind, als ob es nicht schon genug wären), ein neuer unterirdischer Hbf mit viel zu wenig Gleisen und dann noch das ‚Leuchtturmprojekt‘ DKS (ETCS), das anders in der Schweiz gleich im Level2 mit Automatisierung realisiert werden soll. Die Politik will uns immer noch weismachen, dass alles kein Problem sei und nur so der Bahnverkehr der Zukunft (mehr Züge, mehr Fahrgäste) eine Chance habe.

    Die S-Bahn leidet ebenfalls unter der nur 2-gleisigen störungsanfälligen Stammstrecke und unter den unterdimesionierten Zuläufen im Umland mit Mischverkehr (warten auf Überholungen von Fern-, Regional und Güterverkehr).

    Man sagt zwar, die Hofffnung stirbt zuletzt, aber allmählich ist meine Hoffnung, dass in wenigen Jahren alles viel besser sein wird dahin.

    Nicht wie im Sport ’schneller, höher, weiter‘ sondern pünktlich soll die Devise sein.

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  2. Gero T.

    Zum VVS-Benachrichtigungsservice per E-Mail, der seit deutlich länger als einigen Monaten praktisch keine Störungsmeldungen mehr verbreitet:
    Der Newsletter der DB funktioniert bestens, publiziert auf den Seiten der S-Bahn Stuttgart unter https://www.s-bahn-stuttgart.de/s-stuttgart/Betriebslage
    Es vergeht kaum ein Tag ohne Meldungen über die erwähnten Infrastrukturstörungen.

    Beim VVS-Benachrichtigungsservice handelt es sich dem Vernehmen nach um ein technisches Problem, um das man sich langsam einmal kümmern könnte. Die Notifizierungen in der VVS-App funktionieren wohl, für mich allerdings eine zu störende Art der Kommunikation.

    Es ist leider wahr: Ohne Puffer und laufende Verfolgung des Geschehens beginnend eine Stunde vor Fahrt kann auch ich die S-Bahn nicht mehr nutzen. Bei zuggebundenen Fernreisen nutze ich den City-Zuschlag trotz Deutschlandticket als Versicherung, um bei Pannen andere FV-Züge nutzen zu können (ab 20 Min. zu erwartender Verspätung am Ziel nach Fahrgastrechten, so durchgehendes Ticket; wenn nicht direkt angeboten Verbindung ab passender S-Bahn-Station buchen).

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  3. Klaus Wößner

    Die Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart ist 2025 auf einem unfassbar niedrigen Niveau angekommen. Im Moment deutet auch nichts darauf hin, dass und wann es besser werden könnte, im Gegenteil, die Entwicklung der letzten vier Jahre und die weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen (ETCS, DKS, Stuttgart 21) lassen Stagnation auf derzeitigem Niveau oder gar weitere Verschlechterung befürchten. Diese weitere Verschlechterung wäre sicherlich bereits heute zu konstatieren, würde man die Zugausfälle angemessen berücksichtigen. Denn aus der Sicht des Fahrgastes ist ein Zugausfall mit einer Verspätung um einen Zugtakt, während des 15-Minutentakts also 15 Minuten Verspätung gleichzusetzen.
    Angesichts der Pünktlichkeitskurven über die Jahre 2013 – 2025 muss man ohnehin fragen, ob die Zielwerte, so z. B. für die 6-Minuten-Pünktlichkeit von 98% überhaupt als erreichbar gelten können oder ob man hier einem Phantom nachjagt. Dass es den Nachfrage- und Verkehrseinschränkungen während der Corona-Pandemie bedurfte, um wenigstens knapp ein Jahr lang in die Nähe des Zielwerts zu gelangen – so belegen es die Zahlen von 2020 und 2021 –, wirkt heute wie eine zynische Randnotiz der Geschichte.
    Im Ernst: Die Realität deutet darauf hin, dass die derzeitigen S-Bahnfahrpläne nicht verlässlich fahrbar sind, sie müssten also „gestreckt“ werden. Nein, bitte nicht lamentieren, wie schlecht alles und wer verantwortlich ist, sondern tatsächlich Hand an die Fahrpläne legen, weil wir es, übergreifend gesehen, derzeit anscheinend nicht besser hinbekommen!

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  4. Earl Y. Bird Beitragsautor

    Das im Beitrag bemängelte Ausbleiben von Störungsmeldungen hinsichtlich der S-Bahn Stuttgart über den VVS Benachrichtigungsservice (E-Mail) scheint behoben zu sein. Es vergeht aktuell praktisch kein Tag, an dem nicht mindestens eine S-Bahn Störung über diesen Kanal gemeldet wird.
    Man könnte fast meinen, dass jemand bei der S-Bahn Stuttgart und/oder beim VVS diesen Beitrag gelesen hat und aktiv geworden ist …

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  5. Earl Y. Bird Beitragsautor

    Auf ihrer Pünktlichkeitsseite hat die S-Bahn Stuttgart nun offiziell auch die Jahresdurchschnittswerte für das Jahr 2025 veröffentlicht:
    https://www.s-bahn-stuttgart.de/s-stuttgart/aktuelles/Puenktlichkeit-9969776

    Da sich diese erheblich von meinen errechneten Werten unterscheiden, habe ich mir die Monatswerte 2025 noch einmal im Detail angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Bahn mehrere Monatswerte der 3- und 6-Minuten-Pünktlichkeit des Jahres 2025 geändert hat. Ich habe die geänderten Werte nun in die Diagramme übernommen und die Zahlen und Diagramme im Beitrag ausgetauscht. Die Jahresdurchschnittswerte für das Jahr 2025 haben sich dadurch ggü. dem ursprünglichen Beitrag wie folgt geändert:

    3-Minuten-Pünktlichkeit: 66,8 % statt 68,0 % → -1,2 %
    6-Minuten-Pünktlichkeit: 84,8 % statt 85,5 % → -0,7 %

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