Der S-Bahn-Check des SWR4

Der SWR4 ist ja nicht gerade für fachlich tiefschürfende Sendungen bekannt. Aber alle Achtung, das haben sie ganz gut gemacht, auch wenn das Format des SWR4 für längere Berichte wegen der laufenden Unterbrechungen für Musikeinblendungen nicht besonders geeignet ist.

Bereits am Samstag, den 19.11. hat sich ein Redakteur des SWR4 mit 2 Vertretern von S-Bahn-Chaos.de getroffen und ein Interview gemacht, das Sie →hier – hoffentlich auch noch nach längerer Zeit – nachhören können.

Im Rahmen der Themenwoche folgte am Donnerstag, den 24.11. eine größere Sendung aus dem S-Bahn-Betriebswerk in Plochingen, bei dem Vertreter der DB Regio (Sven Hantel und Dr. Dirk Rothenstein), des Verband Region Stuttgart (Verkehrsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler), und des Landes Baden-Württemberg (Gerd Hickmann vom MVI), auf Seiten der Kritiker der Fahrgastverband ProBahn sowie ein genervter Pendler des Regionalverkehrs zu Wort kamen. Aus nachvollziehbaren  Gründen hat die DB Regio als Gastgeber der Veranstaltung weitere kritische Teilnehmer verhindern wollen. Die einzelnen Beiträge können Sie →hier anhören.

Es fällt auf, dass die Bahn- und politischen Vertreter zwar mit dem derzeitigen Zustand nicht zufrieden sind, aber so schlimm finden sie ihn nun auch wieder nicht. Die vielen Störungen und die daraus resultierenden Verspätungen und Ausfälle seien halt den vielen Baustellen geschuldet, so dass die bereits eingeleiteten Verbesserungsmaßnahmen in der Pünktlichkeit noch nicht sichtbar seien. Konkrete Pläne, wie die unbefriedigende Situation bereits jetzt verbessert werden könnte, blieben sie schuldig. Stattdessen kündigte Sven Hantel, der Konzernbevollmächtigte der DB für Baden Württemberg an, den notgeplagten Fahrgästen eine wie auch immer geartete Entschädigung zukommen zu lassen. Da die Bahn ihre Stuttgarter S-Bahnkunden gar nicht kennt, dürfte das sehr schwierig bis unmöglich werden.

Über die S-Bahn hinaus zur ebenfalls für unseren Raum sehr wichtigen Regionalbahn geht der Blick des Pendlers aus Besigheim, der eine Taktverdichtung auf der Frankenbahn zwischen Stuttgart und Heilbronn auf einen 15-Minutentakt fordert. Den gibt aber das nur eine Gleis pro Richtung zwischen Stuttgart und Zuffenhausen bei weitem nicht her, denn dieses müssen sich die vielen Regionalzüge mit Fernzügen, insbesondere den Zügen der Schnellfahrstrecke von/nach Mannheim teilen. Für die Beseitigung dieses zentralen Engpasses, der schon seit Jahrzehnten bekannt ist und der sich durch Stuttgart 21 noch zu verstärken droht, ist noch keinerlei Planung absehbar, sondern sie ist fast etwas schamhaft in einer Ausbauoption für S21, der sogenannten P-Option versteckt.

Die Verantwortlichen sprechen immer wieder darüber, dass die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 das S-Bahnsystem deutlich entlasten würde und z. B. die Fahrgastzahlen an der S-Bahnstation Hauptbahnhof um 20% zurückgingen. Wir teilen diese Hoffnung nicht, weil uns diese Prognose weder plausibel noch deren rechnerische Grundlage transparent erscheinen. Sicherlich werden einige Umsteiger vom Hauptbahnhof an die zukünftige Station Mittnachtstraße abwandern. Auch die Modernisierung des Signalsystems mag irgendwann eine etwas kürzere Zugfolge zulassen. Aber wir rechnen mit einer weiteren, deutlichen Zunahme der Zahl der S-Bahn-Fahrgäste, nicht zuletzt weil wir schon aus Gründen der Luftqualität im Stuttgarter Raum die Leute aus dem Auto in die Bahnen drängen müssen. So besteht doch die durchaus begründete Vermutung, dass die Reduzierung der Fahrgastzahl am Hauptbahnhof um 20% gegenüber heute durch die gesamthafte Zunahme der S-Bahn-Fahrgastzahlen bis zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 kompensiert sein könnte. Für eine substanzielle Verbesserung und Stabilisierung unseres S-Bahnsystems kann es also bestimmt nicht helfen, wenn heutige Planungen allenfalls dazu reichen, in 5 – 7 Jahren erneut beim jetzigen, wenig befriedigenden Zustand anzukommen.

Die von ProBahn artikulierte Forderung nach voller Transparenz der Betriebs-, Verspätungs- und Ausfalldaten unterstützen wir nachdrücklich. Der Vertreter von ProBahn wurde leider deutlich gebremst, so dass die „Waffengleichheit“ zwischen den Kritikern und den eher etwas schönfärbenden Vertretern von Bahn und Politik nicht wirklich gegeben war.

Weitere Beiträge  aus dieser Themenwoche über die Stuttgarter S-Bahn können Sie →hier nachlesen und anhören. Unter anderem  kommen dort der Verkehrswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Monheim („Chaos wird noch schlimmer“) und der Filderstädter Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (GRÜNE) zu Wort, die die Zukunft der Stuttgarter S-Bahn ziemlich kritisch sehen.

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