Zwei Dankeschöns für treue VVS Stammkunden

Seit Beginn der Corona-Krise wird diskutiert, wie Verkehrsverbünde ihre Stammkundschaft – die Inhaber von Abos und Zeittickets – bei der Stange halten können. Nicht wenige davon spielen nämlich mit dem Gedanken ihr Abo zu kündigen, weil sie wegen Homeoffice keine (regelmäßigen) Fahrten mehr zur Arbeitsstelle unternehmen. Außerdem wurde das Fahrtangebot zeitweise deutlich reduziert, der Preis für das Zeitticket bzw. das Abo aber nicht. Monatelang hat der VVS seine Stammkunden mit der Aussicht vertröstet, dass man an einer Lösung arbeite, dies aber einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Kürzlich wurden nun zwei Aktionen präsentiert, der bwAboSommer während den Sommerferien, sowie ein Treuebonus für die Abonnenten, die wir im Folgenden näher vorstellen und beleuchten wollen.

Der bwAboSommer wurde am 10. Juli vom Landesverkehrsministerium verkündet. Vom 30. Juli bis zum 13. September sind alle Jahres-Zeitkarten über alle Verbundgrenzen hinweg in Baden-Württemberg gültig. Das heißt, dass man mit einer Jahres-Zeitkarte eines beliebigen Verkehrsverbunds während den gesamten Sommerferien zusätzlich auf allen Strecken im Land kostenfrei unterwegs sein kann. Die Aktion gilt für alle Jahresabonnements und Jahrestickets aller Tarifgattungen (Schüler, Auszubildende, Erwachsene, Senioren) inklusive Jobtickets und Semestertickets. Gefahren werden kann mit allen Nahverkehrszügen, also IRE, RE, RB, S-Bahn und allen regionalen Privatbahnen (HzL, WEG, SWE etc.), mit Stadt- und Straßenbahnen sowie Bussen. Sogar Züge des Fernverkehrs dürfen genutzt werden, insofern diese für Fahrausweise des Nahverkehrs freigegeben sind. Somit dürfen sogar IC-Züge auf der Relation Stuttgart–Horb–
Rottweil-Singen (Hohentwiel) (–Konstanz) (sogenannte Gäubahn) genutzt werden. Mehr Details zum bwAboSommer finden sich in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums, in der FAQ dazu, sowie hier beim VVS.

Der VVS-Aufsichtsrat hat beschlossen, die Absenkung der Mehrwertsteuer an die Kunden weiterzugeben. Dabei will man aber nicht jeden einzelnen Tarif um wenige Cents reduzieren, sondern den Gesamtbetrag gezielt für einen Treuebonus an die Abonnenten verwenden. Die Höhe des Treuebonus hängt vom Umsatz des VVS in den nächsten Monaten ab. Er dürfte aber laut VVS mindestens 15 Euro pro Abo betragen. Infos zu dieser Aktion sind in einem Absatz auf dieser Seite zu finden, sind aber recht vage.

Der bwAboSommer ist ein interessantes Angebot für Kunden, die es nutzen können, also Leute die während den Sommerferien wegen Ferien oder Urlaub viel Zeit zum Reisen haben und dies allein oder zusammen mit anderen Besitzern von Jahres-Zeitkarten tun wollen. Sie kommt also insbesondere Schülern und Auszubildenden zugute. Der normale Berufspendler, der während dieser Zeit möglicherweise keinen Urlaub hat oder ungern ohne seine Familie durchs Ländle fahren will, ist dieser bwAboSommer eher ein Flop. Immerhin können übertragbare VVS-Tickets an beliebige Personen ausgeliehen werden. So kann man vielleicht jemand eine Freude machen, der zwar Zeit aber selbst kein Ticket hat.

Der Treuebonus des VVS hingegen fällt aus meiner Sicht sehr niedrig aus. 15 Euro wären z.B. bei meinem VVS Abo (übertragbares Firmenticket für 5 Zonen) gerade einmal ca. 10 % der monatlichen Abo-Rate und entspricht noch nicht einmal der 3-prozentigen Mehrwertsteuersenkung für die 6 Monate bis Ende des Jahres. Ich frage mich, wo da das Geschenk sein soll.

Klar, auch der ÖPNV leidet unter der Corona-Krise und hat nichts zu verschenken. Das Dankeschön ist somit keine Rückerstattung, sondern eher mehr Leistung für das gezahlte Geld, zumindest für diejenigen, die diese Mehrleistung nutzen können.

Wer jetzt vielleicht an die Kündigung seines Abos denkt, sollte hierbei vorsichtig sein. Bei einer Kündigung zu einem unpassenden Zeitpunkt kommt es nämlich zu einer Nacherhebungen der Differenz zwischen dem Normalticket und dem vergünstigten Ticket für bis zu 11 Monate, plus eine Bearbeitungsgebühr von 5 Euro. So kommt schnell ein dreistelliger Betrag zustande, den einen die Kündigung kostet.

Ganz abgesehen davon sollten die öffentlichen Verkehrsmittel auch in diesen Zeiten unterstützt und genutzt werden. Der jetzt schon zu beobachtende Umstieg auf das eigene Auto verschärft die Verkehrs- und Umweltprobleme noch weiter, insofern appellieren wir an an alle Kunden, auch weiterhin den ÖPNV zu nutzen, auch wenn das eigene Auto manchmal bequemer und sicherer erscheint. Die Ansteckungsgefahr im öffentlichen Verkehr ist übrigens minimal – in ganz Österreich konnte bis heute keine einzige Coronavirus-Übertragung in Zügen und Bussen nachverfolgt werden.

2 Gedanken zu „Zwei Dankeschöns für treue VVS Stammkunden

  1. Hans Jörg Knapp

    bwAboSommer

    Wunderbar!
    man liest: „Die Sonderaktion gilt in den Verkehrsverbünden innerhalb von Baden-Württemberg sowie in allen verbundgrenzenüberschreitenden Relationen des Baden-Württemberg-Tarifs“.
    Welche Relationen das sind, erfährt man nicht.
    So schaut man also in die Streckenkarte zum BW-Ticket und sieht erfreut:
    Lindau, Würzburg, Basel SBB, Nördlingen, Speyer, und noch einiges mehr, alles geht.
    – denkste –
    Dass es nicht zu massenweisen Schwarzfahrer-Betrafungen kommt,
    ist wohl nur der gängigen Faulheit der Schaffner an den Strecken-Enden geschuldet.

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    1. Ulli Fetzer

      Es stimmt, dass Endpunkte des BW-Tickets, die außerhalb BW liegen, nicht im bwAboSommer inkludiert sind. Das heißt, dass z.B. Lindau, Würzburg, Neu-Ulm, Nördlingen, Ludwigshafen(Rh.), Speyer, Weinheim usw. z.B. mit einem VVS-Abonnement nicht kostenlos angefahren werden dürfen. Die Strecke Singen-Schaffhausen, Basel (Bad.Bf) darf aber befahren werden, obwohl sie über Schaffhausen (CH) führt. Nach BaselSBB muss man allerdings einen Obolus errichten.

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