Gefährdung der Fahrgastsicherheit in Zuffenhausen

Von Sa. 27.8. bis Sa. 3.9.2016, also rund eine Woche lang, konnten wegen Bauarbeiten für Stuttgart 21 keine S-Bahnen im Bahnhof Feuerbach halten. Diese wurden dort stattdessen über die bahnsteiglosen Ferngleise umgeleitet. Leider gibt es zwischen Feuerbach und Zuffenhausen keine Weiche zwischen den Fern- und S-Bahn-Gleisen (zumindest nicht mehr), so dass die S6 erst ab bzw. nur bis Zuffenhausen fuhr und die Linie S4 und S5 in Zuffenhausen an den Ferngleisen halten mussten. Die Bahnsteige sind dort recht schmal und neben den Abgängen zur Unterführung sogar so schmal, dass der Aufenthalt dort aus diesem Grund untersagt ist.

Dazu erreichte uns folgende Zuschrift eines besorgten Pendlers, den er an den Kundendialog der DB-Baden Württemberg (kundendialog.baden-wuerttemberg@deutschebahn.com) und in Kopie an das Eisenbahnbundesamt, die Stuttgarter Zeitung und an uns geschickt hat:

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestern, am Montag den 30.08.2016, fuhr ich wie jeden Morgen von Stuttgart nach Ditzingen. Da die S6 wegen der Bauarbeiten zu Stuttgart 21 nur ab Zuffenhausen fuhr war ich gezwungen bis dorthin mit der S5 zu fahren.

Die S5 kam ca. 8h30 in Zuffenhausen an. Dort hielt sie auf dem Außengleis (Gleis 6), vermutlich wegen der Bauarbeiten und der dadurch erzwungenen Streckenführung.

Der Bahnsteig dieses Gleises ist jedoch sehr schmal. Neben dem Treppenabgang gibt es sogar ein Hinweisschild dass man sich dort nicht aufhalten dürfe wenn Züge fahren. Da jedoch eine sehr grosse Zahl von Fahrgästen dort aussteigen müssen um in die S6 zu gelangen war der Bahnsteig über die gesamte Länge der S6 minutenlang verstopft, so dass es insbesondere im Bereich des Treppenabgangs keinerlei Bewegungsfreiheit für die Fahrgäste gab.

Obwohl also viele Fahrgäste gezwungen waren unmittelbar neben der S-Bahn auf dem Bahnsteig zu stehen, fuhr die S-Bahn ungeachtet dessen wie gewohnt mit voller Beschleunigung an. Die S-Bahn gefährdete durch das schnelle Vorbeifahren insbesondere der letzten Wagen dabei eine große Zahl von Fahrgästen.

Ein Personenunfall mit Todesfolge ist hierdurch wahrscheinlich!

Ich bitte Sie diesen Zustand schnellstens abzustellen, sei es durch den Halt an einem geeigneten Bahnsteig, oder durch eine Verlängerung des Halts der S-Bahn bis die Fahrgäste den Bahnsteig verlassen konnten.

Wegen der Sicherheitsrelevanz dieses Vorfalls geht diese Nachricht in Kopie auch an das EBA, die Stuttgarter Zeitung und die Betreiber der Webseite „S-Bahn-Chaos“.

mit freundlichen Grüßen

Name der Redaktion bekannt

Die Stuttgarter Zeitung hat in Pendler befürchten Unfälle bereits darüber berichtet. In diesem Bericht war auch bereits eine entsprechende Antwort der DB enthalten.

„Das ist ein rein subjektives Empfinden“, sagt ein Sprecher des Unternehmens über die Beschwerde des Fahrgastes. Dessen Befürchtungen weist die Bahn zurück. Dennoch sind mehrere Warnschilder am betroffenen Bahnsteig angebracht, die auf die Engstellen hinweisen.

Das ist ja wirklich das Letzte, sich in solchen Fällen auf die Existenz von Warnschildern zu berufen. Sollen sich die vielen Fahrgäste, die nach dem Ausstieg aus dem Zug den verstopften Bahnsteig bevölkern und diesen nicht schnell genug räumen können, etwa in Luft auflösen? Nein, die S-Bahn darf erst dann losfahren, wenn die Sicherheitszone geräumt ist. Jegliche Diskussionen darüber sind fehl am Platze.

Eine weitere Nachricht erhielten wir von einer Leserin, die beanstandete, dass in einer S5 von Ludwigsburg in Richtung Stuttgart vor dem Halt in Zuffenhausen keine Durchsage im Zug gemacht wurde, dass diese S-Bahn nicht in Feuerbach hält. Eine solche Durchsage erfolgte erst in Zuffenhausen, allerdings erst nachdem die Türen bereits geschlossen waren.  Somit war es zu spät für einen Ausstieg in Zuffenhausen und für die Nutzung eines SEV-Busses nach Feuerbach. Wieso bei lange im voraus geplanten Fahrplanänderungen eine solche Durchsage nicht in jeder Bahn und bereits kurz vor dem Halt erfolgt, ist vollkommen unverständlich und nicht zu entschuldigen.

Ich selbst wollte mir heute selbst ein Bild von den Verhältnissen in Zuffenhausen machen und dazu mit einer S5 von Hbf (tief) nach Zuffenhausen gefahren. Die S5 war mit einem Fahrgastinformationsmonitor ausgestattet, das einen Halt in Feuerbach anzeigte.

S5-Monitor

S5-Monitor

In der Station Nordbahnhof hat der Triebwagenführer während des Halts durchgesagt, dass dieser Zug nicht in Feuerbach hält und die Fahrgäste mit dem Ziel Feuerbach bitte die Stadtbahn U6 benutzen sollen. Sportliche Fahrgäste, die die Fahrplanänderung nicht mitbekommen haben, haben es vielleicht noch geschafft, die S-Bahn noch vor der Türschließung zu verlassen. Danach wurde kurzzeitig ‚Nächster Halt Feuerbach‘ und danach ‚Nächster Halt Zuffenhausen‘ angezeigt.

Angekommen in Zuffenhausen – ich war im vorderen Zugteil – wollte ich mit vielen anderen ebenfalls aussteigenden Fahrgästen zum Treppenabgang, der einzigen legalen Möglichkeit, den Bahnsteig zu verlassen.

Aber dazu hätte ich mich ja ordnungswidrig im ‚Verengten Bahnsteigbereich‘ aufhalten müssen:

Aufenthalt verboten

Aufenthalt verboten

Nun ja, ich wollte mich dort ja eigentlich gar nicht aufhalten, allerdings bin ich durch die vielen anderen Fahrgäste, die zum Ausgang wollten, zwangsweise minutenlang aufgehalten worden.

Die S-Bahn beschleunigte voll

Die S-Bahn beschleunigte voll

Die Gefährdung soll aber laut DB nur ein ’subjektiver Eindruck‘ sein.

und schon war sie weg

und schon war sie weg

Noch immer wälzte sich die Menge auf dem verengten Bahnsteig um zum Treppenabgang zu kommen

Noch immer wälzte sich die Menge auf dem verengten Bahnsteig um zum Treppenabgang zu kommen

Was hätten denn die vielen Fahrgäste (und ich) machen sollen? Warten, bis die S-Bahn weg ist und erst dann den verengten Bereich betreten? Aber wenn gerade jetzt ein Fern- oder Regionalzug gekommen und durchgebraust wäre? Schließlich gibt es seit einiger Zeit keine warnende Durchsage ‚Durchfahrender Zug‘ mehr.

Übrigens, das grausame Spiel mit dem Haltausfall in Feuerbach wiederholt sich demnächst und zwar laut S-Bahn Stuttgart am Wochenende Sa. 10. Sept. von 1.20 Uhr bis 12. Sept. 2016, 4.50 Uhr. Nun, am Wochenende sind wenigstens nicht so viele Pendler betroffen. Hoffentlich werden die geplanten Gleisbauarbeiten wenigstens rechtzeitig fertig, denn an diesem Wochenende enden die Ferien.

2 Gedanken zu „Gefährdung der Fahrgastsicherheit in Zuffenhausen

  1. Benjamin Walter

    Ist es eigentlich allen egal, dass dieses Gleis 6 keinen Aufzug hat? Ok, es wäre für Leute mit Kinderwägen, Rollstuhl, Gebrechliche usw. nur teilweise eine Hilfe gewesen, denn während der ganzen Woche war der Aufzug zu den anderen Gleisen sowieso defekt. Aber, warum sollten solche Leute S-Bahn fahren, auch noch Richtung Ditzingen…. Gut, dass mein Sohn aus dem Kita alter raus ist und das nicht mehr jeden tag mitmachen muss…

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  2. jochim schweikart

    am haupteingang zuffenhausen BH unterführung. werden jedes jahr unmengen an fahrräder gestohlen.
    kamera überwachung wer da angebracht.
    jeden tag steht die rolltreppe . der aufzug ist städig defekt. rohlstuhlfahrer.-rolator- kommen nicht zur bahn.

    der obere bahnsteig steht die s-bahn 30 grad in der kurfe beim hallt. der austieg ist 30 cm vom boden entfernt. das ist eine bodenlose frechheit so ein haufen geld zu verlanegn und alles verkommen zu lasen.
    1.30 euro für kurzstrecke. das sind 3 haltestellen im normal fall ssb. db 1m station. frecher geht es wircklich nicht mehr.

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