Pressespiegel KW 4 / 2015

Nach dem Schwarzen Montag am 19.1., der den geplagten S-Bahn-Kunden sage und schreibe fast 60 Teil- und Komplettausfälle beschert hat und nach der Veröffentlichung der offiziellen Pünktlichkeitsstatistik für Dezember 2014 (wir berichteten hier und hier) hat die Lokalpresse mit zum Teil sehr drastischen Worten über den Zustand der S-Bahn und deren Verantwortliche berichtet.

Hier ein Auszug aus den Presseartikeln der letzten Tage:

Der Zeitungsverlag Waiblingen hat in seiner Rubrik Rundschlag zwei sehr treffende Beiträge veröffentlicht:

In Klare Durchsage an die Bahn lässt sich Jörg Nolle über die marode Infrastruktur der Bahn aus und wie sie mit ihren Kunden umgeht.

So schreibt er:

Und fordern einen TÜV – fürs Eisenbahnwesen. Als Autobesitzer muss ich jedes zweite Jahr zur Hauptuntersuchung..

Hauptuntersuchungen macht die Bahn zwar auch, aber selbst. Und der Bahn-TÜV, das EBA hat Angst, des behördlichen Schwergangs bezichtigt zu werden.

in Bahnbrechende Initiativen kommentiert Martin Winterling die geradezu revolutionierenden Forderungen des Bundesverkehrsministers an die DB.

In den Stuttgarter Nachrichten schrieb Konstantin Schwarz in dieser Woche gleich 3 Artikel zum Thema:

Situation bei S-Bahn verschärft sich

Er schreibt u.a.:

Die Situation sei unbefriedigend, sagt der beim Verband Region Stuttgart (VRS) zuständige Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler. Der VRS bestellt und bezahlt den S-Bahn-Betrieb, der von der DB Regio AG geleistet wird. Die Bahn hat einen Vertrag bis 2028 und wird bis dahin rund 2,5 Milliarden Euro einnehmen. Die Sanktionsmöglichkeiten des Verbands beschränken sich auf maximal 62 000 Euro Strafzahlung.

Abgesehen davon, dass der DB das ‚Nasenwasser’ von jährlich gerade einmal 62.000 € für die gesamte Bauzeit von Stuttgart 21 erlassen wurde, sieht der VRS keine Möglichkeit, Druck auf die DB auszuüben. Das ist geradezu ein Witz, denn wer zahlt macht die Musik und bei einem Volumen von 2,5 Mrd. €, die übrigens nicht der VRS sondern der Kunde und/oder Steuerzahler bezahlt, gibt es ganz bestimmt Verhandlungsspielräume. Oder glaubt der VRS etwa im Ernst, dass sich die DB diese Summe bei entsprechendem Druck entgehen lassen würde?

Neuer Tiefpunkt bei Pünktlichkeit

Die seit 2010 wachsenden Probleme mit der Pünktlichkeit haben sich aber trotz aller Beteuerungen und Bemühungen der Deutschen Bahn AG und zweier „S-Bahn-Gipfel“ mit dem für das System zuständigen Verband Region Stuttgart (VRS) nicht gebessert. Sie haben sich erneut verschärft: Noch nie war die S-Bahn so unpünktlich wie im Jahr 2014.

Die Pünktlichkeitswerte für die HVZ will die DB erst beim nächsten S-Bahn-Gipfel im April 2015 bekanntgeben, solange bleibt das geheime Kommandosache. Warum das so lange dauert ist absolut unverständlich, denn die Daten liegen schließlich vor, was fehlt ist möglicherweise nur ein neuer Berechnungsalgorithmus, der die Werte ganz offiziell noch mehr als bisher schönen kann.

Wie heißt es so schön? Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel! Letztlich will man doch wieder nur Zeit gewinnen um nicht schon heute, sondern erst in 4 Monaten feststellen zu müssen, dass die im Rahmen der Pünktlichkeits- und Qualitätsoffensive bereits eingeleiteten und teilweise vollzogenen Maßnahmen leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Ein Tweet eines frustrierten S-Bahn-Nutzers hat es auf den Punkt gebracht: Die Pünktlichkeits- und Qualitätsoffensive wird weiterhin konsequent fortgesetzt.

Kommentar zur S-Bahn-Offenbarung

Die S-Bahn zeigt im Kleinen, was republikweit im Großen passiert: Ein steuerfinanziertes, aber auf Rendite getrimmtes System wird in Richtung Kollaps gefahren. Substanz wird verbraucht. Wer Wartung, Instandhaltung und Erneuerung auf ganz kleiner Flamme betreibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es nur noch abwärts geht.

und

Trösten wir uns mit einer Ankündigung des Bundesverkehrsministers. Alexander Dobrindt, CSU, will freies WLAN in Nahverkehrs- und S-Bahn-Zügen. Ja, Herr Minister, Pünktlichkeit wird wirklich überschätzt. Kostenloses Daddeln ist viel wichtiger. Thank you!

Falls Sie es noch nicht wussten, der Bundesverkehrsminister ist quasi der Chef der Bahn, er darf aber der Bahn als demokratisch legitimierter Repräsentant der Fahrgäste keine Vorschriften machen, da sie privatwirtschaftlich geführt wird, was im Endeffekt heißt, sie kann anders als normale Aktiengesellschaften, die von ihren Aktionären getrieben werden, machen was sie will.

Nicht unerwähnt sollte in diesem Zusammenhang auch der aufschlussreiche Artikel Rolltreppen werden Chefsache von Thomas Durchdenwald in der Stuttgarter Zeitung bleiben.

André Zeug, Vorsitzender des Vorstands der Bahntochter DB Station & Service, die deutschlandweit für die Bahnhöfe und ihre Einrichtungen zuständig ist, hat nach einer Intervention des grünen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel aus Filderstadt (Kreis Esslingen) angekündigt, die Aufzüge und Treppen in den stark frequentierten Stationen Hauptbahnhof und Stadtmitte öfter warten und zügig modernisieren zu lassen.
[..]
Bei den 100 Aufzügen und 70 Rolltreppen der Bahn im VVS-Gebiet stehen durchschnittlich mindestens zehn still. Sie sind nicht an eine Zentrale angeschlossen.

Ist es nicht eine gute Nachricht, das Rolltreppen und Aufzüge ab sofort gewartet werden, bevor sie ausfallen? Oder habe ich jetzt etwas missverstanden? Ich wundere mich allerdings, wie es sein kann, dass manche Aufzüge und Rolltreppen und auch Anzeigetafeln wochen-, wenn gar nicht monatelang stillstehen. Fehlende, seltene Ersatzteile werden fast immer als Entschuldigung herangezogen. Nein, meine Damen und Herren, es ist alles eine Frage der Organisation und der Lieferverträge mit den Herstellerfirmen, die Ersatzteile während der gesamten beabsichtigten Lebensdauer für ihr Equipment vorhalten müssen. Klar, ein Aufzug oder einer Rolltreppe mit einer Reparaturgarantie innerhalb einer bestimmten Zeit (je nach Schaden), kostet dann etwas mehr, das macht sich aber auf jeden Fall bezahlt.

und

Zu den Problemen der S-Bahn gehörten auch defekte Anzeigetafeln, nicht funktionierende Aufzüge und Rolltreppen und unzureichend gereinigte Bahnsteige – für all dies sei aber die Tochter DB Station&Service zuständig, mit denen der Verband als Aufgabenträger der S-Bahn keinen Vertrag habe. „Die Region zahlt zwar für die Nutzung der Bahnhöfe durch die S-Bahnen, bei Mängeln hat sie aber keine Sanktionsmöglichkeiten“, sagt Gastel.

Das trifft des Pudels Kern. Es ist mehr als unverständlich, dass der Verband Region Stuttgart als Aufgabenträger der S-Bahn einen Vertrag mit der DB-Regio abschließt und es dabei unterlässt, die DB-Regio zu verpflichten, auch für die Probleme gerade zu stehen, die von anderen Unternehmensteilen der staatseigenen DB zu verantworten sind. Wenn ich einen Kaufvertrag für ein neues Auto abschließe, wird mich das Werk bei einem Defekt nicht abwimmeln können, wenn das Teil von einem Zulieferer stammt.

Und außerdem: Es kann wirklich nicht sein, dass auch dann die vollen Stationsentgelte zu entrichten sind, wenn eine Station nicht vollständig ist, d.h. es muss einen Abzug bei einem defekten Aufzug, Rolltreppe, Anzeigetafel usw. geben. Das gleiche gilt auch für die Trassenentgelte.

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