Punktuelle Erfahrungen mit dem Regionalverkehr

Dieses Informationsportal beschäftigt sich zwar im Wesentlichen mit der S-Bahn in der Region Stuttgart, aber auch andere Themen zum ÖPNV sollen kein Tabu sein, wie Sie an unseren Beiträgen zur polygoCard bzw. der Stuttgarter Stadtbahn oder zu den Aufzügen erkennen konnten.

Am Freitag, den 08.07.2016 war ich mit dem Regionalexpress von Stuttgart Bad Cannstatt nach Amstetten und zurück von Geislingen unterwegs.

Bereits der Kauf der Anschlussfahrkarte zur Weiterfahrt vom Endpunkt Geislingen meiner VVS-Netzkarte nach Amstetten am DB-Fahrkartenautomat (im Zug geht das bekanntlich schon lange nicht mehr!) ist für Ungeübte mangels entsprechender Bedienerführung praktisch unmöglich. Es ist erst erträglich, wenn man von der Startseite aus über 2 Stufen den wirklich nicht selbsterklärenden Einstiegspunkt gefunden hat.

In Bad Cannstatt fiel mir zunächst der kaputte Aufzug an Gleis 8 auf, der bereits seit Anfang Juni (so die SSB-Aufzugseite) kaputt ist.

Aufzug defekt

Aufzug defekt

Auf der von DB Station & Service gepflegten VVS-Aufzugsseite steht als Termin noch heute ‚bis auf weiteres‘.

Für die Hinfahrt habe ich den RE 19215 nach Ulm, Abfahrt Stuttgart Bad Cannstatt 10:35 ausgesucht, der auch so auf der Fahrgastinformationsanzeige auf dem Bahnsteig angezeigt wurde.

RE 'kurz' vor der Ankunft

RE ‚kurz‘ vor der Ankunft

Die Zeit verging, dann wurden ca. 5 min Verspätung eingeblendet, auch diese Zeit verging und die Zusatzangabe wurde auf  ca. 10 min geändert. Eine junge Dame erzählte mir, dass dies häufig so sei und die Verspätung auch schon einmal  in mehreren Schritten auf 30 min erhöht werde und u.U. zu guter Letzt auf ‚Zug fällt heute aus‘ geändert wird. Man beachte, dass der Zug in Stuttgart Hbf eingestellt wird und nur ca. 4 min bis Bad Cannstatt benötigt. Selbstverständlich muss der Regionalverkehr gegenüber dem Fernverkehr zurückstehen, aber die Verspätungen der Fernverkehrszüge sind im Allgemeinen bekannt und könnten so gleich in die Fahrgastinformation einfließen, aber man scheint bei der DB von der Hand in den Mund zu leben.

Die Fahrt nach Amstetten im Doppelstockwagen verlief dann ohne besondere Vorkommnisse, wenn man davon absieht, dass zumindest in meinem Abteil die Klimaanlage nicht funktionierte.

Für die Rückfahrt nach Stuttgart habe ich den RE 19240 Ulm – Stuttgart, Abfahrt Geislingen/Steige um 18:32, Gleis 3 ausgesucht. Als ich am Bahnhof Geislingen ankam fiel mir zunächst die fürchterliche Bahnhof-Infrastruktur auf. Beide Durchgangsgleise (2 und 3) können nur durch eine Unterführung erreicht werden. Ich kam von oben (ehemal. Burg Helfenstein) über eine die Bahnhofsgleise überspannende Brücke, die nach einer Treppe auf dem Bahnhofsvorplatz endete. Es gab keine Treppe von der Brücke direkt hinab auf den Bahnsteig der Gleise 2 und 3. Am Gleis 3 stand um ca. 18:00 ein Regionalzug vom Typ Silberling – also ca. 40 Jahre alt – abfahrbereit mit offenen Türen. Auf der Fahrgastinformation stand: 18:06 Geislingen Steige. 18:06 sollte bereits die nächste RB in Geislingen ankommen. Der bereitstehende Zug sollte aber nach meinen Recherchen als RB 19285 bereits um 18:49 nach Ulm fahren, musste aber wegen verspäteter höherrangigen Züge warten. Erst ganz kurz vor der Abfahrt wurde die Fahrgastinformationsanzeige auf Ulm Hbf geändert.

‚Mein‘ Zug hatte nur 2 Minuten Verspätung, bei der an diesem Tag prognostizierten Verspätung anderer Züge, fast ein Wunder. Bei der Fahrt fiel auf, dass die implementierte Fahrgastinformationsanzeige mit ‚Nächster Halt‘ immer erst nach der akustischen Ansage auf den richtigen Halt aktualisiert wurde. Davor wurde noch der bereits verlassene letzte Halt angezeigt. Die Krönung kam bei der Einfahrt in den Bahnhof Reichenbach / Fils: Statt der Ansage ‚Nächster Halt: Reichenbach/Fils war zu hören: Herzlich willkommen in Ihrem Zug. Die Fahrgastinformationsanzeige zeigte ‚Nächster Halt: Amstetten /Württ‘. Darauf hat der Lokführer offensichtlich einen Systemreset gemacht.

Die weitere Fahrt über Plochingen und Esslingen nach Bad Cannstatt verlief dann wie sie eigentlich sein soll.

Ich kann nur hoffen, dass meine Erlebnisse ein Einzelfall waren, allerdings lassen meine Gespräche mit der Dame in Bad Cannstatt und einem Herrn in Geislingen, der mit dem nicht angezeigten Zug Richtung Ulm fahren wollte, ziemliche Zweifel aufkommen. Der Herr war guter Hoffnung, dass die Situation mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke besser wird. Nun, die Fernzüge werden dann zumindest zum großen Teil über die Neubaustrecke geführt, wodurch Fahrplantrassen für zusätzliche Güterzüge durch das Filstal und über die Geislinger Steige frei werden. Das ist sicher nicht im Interesse der Filstalgemeinden, die sich wegen der vielen Güterzüge mehrheitlich für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke ausgesprochen haben, aber Güterzüge werden nicht über die für sie ungeeignete Neubaustrecke fahren.

6 Gedanken zu „Punktuelle Erfahrungen mit dem Regionalverkehr

  1. Fahrgast

    Ich bin Pendler und fahre regelmäßig mit dem Regionalverkehr und dann mit der S-Bahn. Dabei sei gesagt, dass die S-Bahnen deutlich zuverlässiger und pünktlicher sind als die RE Züge. Gerade in den letzten Wochen kommt es nach meinem Gefühl wieder deutlich öfter zu Zugausfällen.

    Auch das Wagenmaterial bei der S-Bahn ist deutlich besser (nicht nur neuer sondern auch sauberer und funktionsfähiger, insbesondere die Klimaanlagen). Auch wenn das mit den Klimaanlagen natürlich oftmals auch Wunschdenken ist, da viele Züge keine Klimaanlage haben.

    Verspätungen werden oftmals erst angezeigt, wenn ein Zug am Startbahnhof abfährt, auch wenn die Verspätung schon seit längerem zu erwarten ist (es gibt auch seltene Ausnahmen). Es sollte dabei auch angemerkt werden, dass die Bahnhöfe außerhalb des S-Bahn Netzes bei weitem nicht so gut ausgestattet sind. Es gibt oftmals nur diese kleine Schriftanzeiger (die dann schonmal hinter dem Aufzug stehen und verdeckt werden) und Durchsagen gibt es auch nicht überall (selbst bei Bahnhöfen der Kategorie 3 nicht). Es ist also gar nicht so einfach überhaupt mitzubekommen, ob es eine Verspätung gibt, wenn man nicht ständig auf sein Handy schaut.

    Zumindest beim Betrieb ist jedoch etwas Besserung in Sicht. So verliert DB Regio die meisten Strecken in der Region ab etwa 2019 und die anderen Anbieter machen es dann hoffentlich besser (da die meisten Züge in Deutschland deutlich zuverlässiger unterwegs sind als bei uns, bin ich da mal hoffnungsvoll). Auch werden die neuen Züge dann natürlich auch die erwarteten Komfortmerkmale mitbringen. Schade ist in dem Zusammenhang, dass die bestellten Züge voraussichtlich zu klein sein werden. Optimal ist das ganze also auch langfristig nicht.

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    1. Harald Frank

      Mit dem umständlichen Lösen einer Anschlussfahrkarte hatte ich auch schon meine Erfahrung.
      Mittlerweile habe ich das aber ganz gut im Griff und gebe meine Erfahrungen anderen Fahrgästen weiter.
      Beim Lösen eines Baden-Württembergtickets benötigt man übrigens ZEHN Schritte, bis man das Ticket in Händen hält. Besonders der letzte Schritt ist nervig, wenn man zum Bezahlen noch mal extra tippen muss.
      Die Silberlinge wurden ab 1959 beschafft, unsere (nunmehr) Rotlinge dürften somit älter als 40 Jahre sein, wenn es auch die Exemplare mit Scheibenbremsen sind.
      Ob es mit den neuen Fahrzeugen und Betreibern im Jahr 2019 wirklich besser wird, mag ich zu bezweifeln. Unabhängig von den „Kinderkrankheiten“ dieser technischen Wunderwerke, die dann sicherlich mal wieder am Kunden getestet werden, bleibt der Betreiber der Schienen- Signal-, Stellwerksinfrastruktur usw. weiterhin DB-Netze. Jedoch ist dieser DB-Geschäftszweig mit der Unterhaltung seiner Infrastruktur wohl „etwas“ überfordert, wie die fast täglichen Störungen bei der S-Bahn Stuttgart zeigen.

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  2. Peter

    Es gibt Anschlussfahrscheine? Das wusste ich noch gar nicht, hab immer von Geislingen aus normale Einzeltickets gelöst. Wie bucht man denn die Anschlusstickets am Automaten? Per Handy geht das nicht, oder?

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    1. Ulli Fetzer Beitragsautor

      Meines Wissens geht das Buchen von Fahrscheinen zur Weiterfahrt DB nicht über das Handy und auch nicht an den Automaten am Übergangsbahnhof von einem Verbund in den anderen (z.B.) Geislingen/Steige, weil dort bei Fahrten in den anderen Verbund hinein nur Verbundfahrscheine gelöst werden können. Den Fahrschein kann man aber vor Fahrtantritt bereits am Startbahnhof oder unterwegs an einem Umsteigebahnhof kaufen. Hat man eine Bahncard wird diese beim Kauf berücksichtigt. Die Fahrt von Geislingen/Steige nach Amstetten/Württ. kostet mit BC25 1,95€.
      Ich werde heute oder in den nächsten Tagen ein paar aktuelle Screenshots von den Bedienschritten am DB-Automaten machen und sie hier auf S-Bahn-Chaos.de veröffentlichen.

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      1. Daniel Stubbacher

        Zur Fahrt über den Gültigkeitsbereich des Tickets hinaus empfehle ich die App „Touch & Travel“ der Deutschen Bahn.

        Am letzten Bahnhof des Gültigkeitsbereichs meldet man sich zur Fahrt an und beim Aussteigen wieder ab. Die App berechnet automatisch den günstigsten Tarif, inkl. BahnCard, wenn man diese hinterlegt hat.

        Auf diese Weise kommt man – ohne Aussteigen zu müssen – an Verbundfahrscheine des örtlichen Tarifs und muss nicht den teuren DB-Tarif oder den teuren Anschluss-Tarif bezahlen.

        Zum Vergleich: Die Strecke Fornsbach – SHA-Hessental mit BC 25 und
        – DB-Tarif: 4,65 Euro
        – Anschlussfahrkarte: 4,xx Euro
        – Touch & Travel: 2,45 Euro (Tarif des Kreisverkehr SHA)

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      2. Fahrgast

        Es gibt auf der Webseite des VVS auch eine Anleitung, wie man die Fahrkarte zur Weiterfahrt kaufen kann:

        http://www.vvs.de/tickets/sondertickets/db-anschlussticket-2016/

        Wenn man es einmal gemacht hat, geht es eigentlich ganz einfach das Ticket zu kaufen. Das Hauptproblem sehe ich jedoch darin, dass viele Fahrgäste gar nicht über dieses Angebot informiert sind. Auch nervig ist, dass es diese Tickets nicht als Online Ticket gibt.

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