Über die Pünktlichkeits- und Verspätungsdiagramme: Allgemeines

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Allgemeines zur Pünktlichkeit des S-Bahn-Systems

Update 7. März 2014 mit den offiziellen Daten des Jahres 2013

Die DB-Regio Baden-Württemberg ist als Betreiber der S-Bahn Stuttgart vertraglich verpflichtet, einen pünktlichen S-Bahn-Verkehr anzubieten. Für die 3- bzw. 6- Minuten Pünktlichkeit wurden Zielwerte festgelegt. Die DB veröffentlicht die erreichten IST-Werte jeweils monatlich und jährlich (siehe nachfolgende Tabelle).

Zielwert IST 2011 IST 2012 IST 2013
Pünktlichkeit
< 3 Min. verspätet 94,5% 90,6% 87,0% 86,2%
< 6 Min. verspätet 98,0% 97,9% 96,5% 95,8%
Pünktlichkeit Hauptverkehrszeit
< 3 Min. verspätet 91,5% 80,7% 75,3% 74,2%
< 6 Min. verspätet 98,0% 95,8% 93,7% 92,5%

Die Zielwerte wurden von der DB bislang noch nie erreicht und im Jahre 2013 sind die Istwerte wie erwartet noch schlechter geworden.

Wer in der werktäglichen Hauptverkehrszeit regelmäßig zu einer bestimmten Zeit mit den besonders verspätungsanfälligen Linien (S1 oder S2) unterwegs ist, kann es kaum glauben, dass die 6-Minuten-Pünktlichkeit (in 2012) immerhin 93,7% betragen hat, d.h. nur einer von 16 S-Bahn-Zügen durfte gemäß der offiziellen Statistik mehr als 6 Minuten Verspätung in der Hauptverkehrszeit aufweisen.

Übrigens wird die 6-Minuten-Pünktlichkeit scherzhaft auch Mehdorn-Pünktlichkeit genannt, da Hartmut Mehdorn als Vorstandsvorsitzender der DB AG verordnete, dass Züge mit Verspätungen < 6 min. ab sofort als pünktlich gelten, mit der Folge, dass die kritisierten schlechten Pünktlichkeitswerte schlagartig deutlich verbessert wurden.

Die kommunizierten Prozentzahlen sind statistische Durchschnittswerte über alle S-Bahnen über einen längeren Zeitraum. Wie sie ermittelt werden, ist nicht bekannt. Ganz nebenbei, ausgefallene Züge gehen nicht in die offizielle Pünktlichkeitsstatistik ein, da ein ausgefallener Zug schließlich nicht unpünktlich sein kann. Das führt dazu, dass die kommunizierten Ist-Werte von vorn herein besser aussehen als  sie in der Realität sind.

Was die DB nicht öffentlich anbietet, ist eine mittelfristige Statistik über die Pünktlichkeit einzelner S-Bahnlinien (Update 6.3.2014: für 2013 erstmalig veröffentlicht) und/oder einzelner Wochentage. Mit diesen Angaben könnte man beispielsweise prüfen, ob es sich lohnt, eine halbe Stunde früher oder später zur Arbeit bzw. nach Hause zu fahren. Außerdem könnte man untersuchen, inwieweit sich Störungen bei einer bestimmten S-Bahnlinie auch auf andere Linien auswirken.

Wie realtitätsnah die von der DB Regio monatlich veröffentlichten Verspätungswerte sind, lässt sich anhand der  Auswertung des öffentlich zugänglichen Live-Fahrplans der DB Regio analysieren.

Live-Fahrplan (Ausschnitt) mit prognostizierten Verspätungen

Live-Fahrplan (Ausschnitt) mit prognostizierten Verspätungen

Aus dem Live-Fahrplan lassen sich u.a. für jede einzelne S-Bahn-Linie die Anzahl der Fahrten, die aktuelle Linienpünktlichkeit  in Prozent und die Echtzeitinformation (aktuelle Verspätung in Minuten) für alle momentan auf der Strecke befindlichen S-Bahnen ermitteln. Die Position der einzelnen S-Bahnen im Live-Fahrplan wird kontinuierlich anhand des Fahrplans und der aktuell bekannten Verspätungsinformation hochgerechnet. Bei der Vorbeifahrt an bestimmten Messtellen werden Position und Verspätungsinformation aktualisiert. Deswegen sind die angegebenen Werte für Position und Verspätung nicht ganz exakt und springen auch gelegentlich, aber sie sind letztlich aussagekräftig genug.

Die Linienpünktlichkeit und die Echtzeitdaten aus dem Live-Fahrplan stellen im Gegensatz zu den doch sehr langfristigen, monatlichen oder gar jährlichen Durchschnittswerten zwar nur eine Momentaufnahme der augenblicklichen Situation dar, beide sind aber bei kontinuierlicher Speicherung der jeweiligen Werte für Statistikzwecke bestens geeignet.

Die Auswertung veröffentlichen wir seit einiger Zeit sporadisch auf Twitter und neuerdings auch auf diesem Blog in Form von täglichen Pünktlichkeits- und Verspätungsdiagrammen für jede einzelne S-Bahn-Linie und für alle S-Bahn-Linien zusammen.

Aus welchen Daten diese Diagramme erzeugt werden und wie sie zu interpretieren sind, können Sie in den Folgebeiträgen lesen.
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