„Euer Titel S-Bahn-Chaos passt also perfekt“

Gestern erhielten wir eine E-Mail die mit diesem Satze endete. Sie stammte von einem ehemaligen S-Bahnnutzer, der mittlerweile wieder aufs Auto (Diesel!) umgestiegen ist, weil er das ständige S-Bahn Chaos leid war. Auslöser der E-Mail war folgende Information des VVS vom Nachmittag:

Auf Grund der anhaltenden Witterungslage mit hohen Minusgraden verschiebt die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH kurzfristig im Bahnhof Stuttgart-Feuerbach die Verschwenkung des Gleises 1 nach Gleis 2. Damit verbleibt das stadteinwärts führende Gleis der S-Bahn zunächst bis zu einem neuen Termin weiterhin in der Lage am Hausbahnsteig des Bahnhofsgebäudes. Die bereits vor 14 Tagen mit Tätigkeiten an der Oberleitung und im Bereich Erdbau begonnenen Vorarbeiten müssen jedoch qualifiziert abgeschlossen werden und enden vor Betriebsbeginn am morgigen Freitag, 27. Januar. Die Gleisverlegung steht im Zusammenhang mit Stuttgart 21 und war vom 26. bis 29. Januar geplant.

Auf Grund der Kurzfristigkeit der abgesagten Gleisbauarbeiten lassen sich für das kommende Wochenende die Umlaufpläne für Züge und S-Bahnen sowie die Dienstpläne für das Zugpersonal nicht mehr an die geänderten Gegebenheiten anpassen. Es wird daher von Freitag, 27. Januar, bis Sonntag, 29. Januar, weiterhin Beeinträchtigungen im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr geben.

Die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH (DB PSU) ist eine Projektgesellschaft der Deutschen Bahn und wurde zur Realisierung des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm bestehend aus Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm gegründet. Eine ihrer Baustellen auf dem Stuttgarter Stadtgebiet befindet sich beim Bahnhof Feuerbach, da dort die Gleise des Regional- und Fernverkehrs abtauchen und über einen Tunnel zum zukünftigen Tiefbahnhof geführt werden sollen.

Die DB Regio als Betreiber der S-Bahn Stuttgart hatte für die Zeit von Donnerstag 26. bis Sonntag 29. Januar zwar Einschränkungen im S-Bahnverkehr angekündigt, aber trotzdem wurden viele (einschließlich ich selbst) am Donnerstag davon überrascht, dass zur HVZ bei den Linien S4 und S5 weniger Züge als sonst fuhren (30- statt 15-Minutentakt) und die S6/S60 stadteinwärts bereits in Zuffenhausen endete. Außerdem entfiel der Halt in Feuerbach komplett, was viele zum Umstieg auf Bus bzw. Stadtbahn zwang.

Nachmittags verbreitete sich dann die Nachricht, dass die am Feuerbacher Bahnhof geplanten Bauarbeiten „auf Grund der anhaltenden Witterungslage mit hohen Minusgraden“ kurzfristig abgesagt werden müssen, die geplanten Einschränkungen aber fast vollständig bis Sonntag bestehen bleiben. Nur der Haltausfall in Feuerbach wurde zurückgenommen und in den Fahrplänen als zusätzlicher Halt in Feuerbach vermerkt.

Zusätzlicher Halt in Feuerbach

Zusätzlicher Halt in Feuerbach

Falls jemand in diesem Januar kurzfristig von Minustemperaturen überrascht wurde, dann kann ich mir das nur so erklären, dass sich derjenige in den letzten Wochen nicht in Deutschland aufgehalten hat. Wenn etwas absehbar war, dann der Frost. Die Tiefsttemperaturen waren im Januar bis auf sehr wenige Tage unter 0°C, oft sogar zweistellig. Natürlich ist eine Baustellenplanung im Januar schwierig, aber eine Absage der Bauarbeiten hätte früher erfolgen können und müssen. Dann hätte man eventuell auch die Einschränkungen weiter minimieren oder sogar verhindern können.

Wann die geplanten Bauarbeiten zur Verschwenkung des stadteinwärts führenden S-Bahngleises 1 nach Gleis 2 zum Mittelbahnsteig nachgeholt wird ist noch nicht bekannt. Auch darf man gespannt sein, ob die bereits vom Bahnsteig 1 zum Mittelbahnsteig umgebaute Zugzielanzeige für stadteinwärts fahrende S-Bahnzüge für die Übergangzeit wieder zurückgebaut wird. Nach dem Umbau wird sich das morgendliche Gedränge im Feuerbacher Bahnhof auf jeden Fall noch weiter verschlimmern, da sich dann alle ein- und aussteigenden Fahrgäste über die zwei schmalen Treppen des Mittelbahnsteigs und durch den Tunnel zwängen müssen.

Spalt und Höhenunterschied erschweren den Ein- und Ausstieg am Bahnsteig 1 in Feuerbach

Spalt und Höhenunterschied erschweren den Ein- und Ausstieg am Bahnsteig 1 in Feuerbach

Hierzu passt, dass am Mittwoch in einer öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses des Verband Region Stuttgart (VRS) bekannt wurde, dass die DB Station & Service kurz vor Weihnachten die bereits zugesagte Erhöhung des Bahnsteigs 1 in Feuerbach nun doch nicht wie geplant durchführen wird. Bislang war vereinbart, dass die Bahn während der Verlegung der S-Bahnverkehre auf die Gleise 2 und 3 sukzessive die fahrgastfreien Zeiträume für die Bahnsteigerhöhung nutzt. Stattdessen will die Bahn die dringend erforderliche Bahnsteigerhöhung nun erst nach der Fertigstellung von S21 in Angriff nehmen. Was das bedeutet kann sich jeder ausmalen.

2 Gedanken zu „„Euer Titel S-Bahn-Chaos passt also perfekt“

  1. S-Bahnnutzer

    Hoffentlich ist bezüglich der Bahnsteigerhöhung an Gleis 1 das letzte Wort noch nicht gesprochen! Es kann doch nicht sein, dass ein solch wichtiger und frequentierter Bahnhof nun noch länger auf den barrierefreien Ausbau (zumindest Gl. 1) warten muss. Ewig wurde die Bahnsteigerhöhung herausgezögert, um sie dann „gemeinsam mit den Arbeiten für S21“ durchzuführen – und jetzt? Nix, wieder herausgezögert. Ich fasse es nicht. Bleibt zu hoffen dass sich der Feuerbacher Ortsvorsteher bzw. der Gemeinderat nochmals der Sache annimmt und auf eine zügigere Umsetzung der Erhöhung besteht und die finanzielle Seite klärt. Aber allzuviel verspreche ich mir davon nicht. 🙁
    Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt…

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  2. Markus O. Robold

    Wie Sie es in der Vergangenheit auch schon beschrieben haben, liegt der Grund allen Übels in den beiden Infrastrukturbetreibern DB Netz AG und DB Station&Service AG. Deren Infrastruktur, ganz gleich ob Bahnsteige, Weichen, Gleise, Oberleitungen oder Zugzielanzeiger, muss das betriebsführende EVU (DB Regio AG) der S-Bahn Stuttgart nutzen.

    Und wenn diese Infrastruktur-Betreiber nicht in der Lage sind deren ureigene Aufgaben zu erledigen oder Wetterberichte richtig zu deuten, ist das extrem ärgerlich und in höchstem Maße unprofessionell.

    Es sei nur allen davon Betroffenen und auch den politischen Gremien anzuraten, diese Mängel klar und offen zu kommunizieren und beispielsweise auch beim geplanten S-Bahn Gipfel 2017 Ross und Reiter bei DB Netz AG und DB Station&Service AG zu benennen und Konsequenzen einzufordern: deutlich, messbar und mit Sanktionen belegt.

    Ich erinnere z.B. nur an die geplanten Zughaltemarkierungen in orange und grün bzgl. der Halteposition in der Stammstrecke. St&S wollte diese bis Ende 2016 auch in Stadtmitte, Feuersee und Schwabstraße anbringen. Geschehen ist bisher nichts, außer dass man diese teilweise wieder zurück gebaut hat um die gewinnbringenden Beamer/Leinwände von Ströer aufzubauen, dessen Ertrag teilweise bei St&S landet.

    An Fahrgastinformation bzw. einer Verbesserung scheint seitens St&S kein Interesse zu bestehen, insbesondere dann nicht, wenn dies mit Aufwand und Kosten verbunden ist.

    Ich werde mir mal die Mühe machen auszurechnen, welches Stationsentgelt in den vergangenen Jahren in den St&S Topf alleine aus Halten in der Stammstrecke gelangt ist und welche spürbare Mehrleistung hier an den Tunnelstationen durch St&S erbracht wurde: vermutlich keine. Insbesondere Taktverlängerungen und Nachtverkehre führen zu deutlichen Mehreinnahmen bei St&S, ohne dass ein erkennbarer Mehrwert vor Ort für den Fahrgast geboten wird… Stattdessen wechselt man lieber den Automaten-Betreiber mit einem teureren Getränkeangebot…

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