Das 10er-Tagesticket – eine gute Alternative zum Abo?

Seit April 2021 hat der VVS ein neues Ticket in seinem Angebot: das 10er-Tagesticket, das nur über die Ticket-Apps VVS Mobil, DB Navigator oder SSB Move gekauft werden kann (Details zum DB Navigator, den wir für die Buchung empfehlen würden, unten).

Der Grund für die Einführung ist klar. Als Reaktion auf flexiblere Arbeitsmodelle durch die Corona-Pandemie und der damit verbundenen Zunahme des Homeoffice mussten und müssen die Verkehrsunternehmen damit rechnen, dass sich für viele Arbeitnehmer ein starres und monatlich zu zahlendes Abonnement nicht mehr lohnt, wenn sie beispielsweise nur an einzelnen Tagen zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten fahren müssen.

Innerhalb eines Monats kann mit diesem Ticket an zehn frei wählbaren Tagen in den gelösten Zonen gefahren werden. Die Ersparnis gegenüber den regulären Tagestickets beträgt dabei über 20 %, so kostet ein Tagesticket für eine Zone anteilig nur 3,99 €, während man für ein normales Tagesticket 5,10 € (online) bzw. 5,40 € (am Automaten / im Bus) bezahlt.

Im Folgenden eine Tabelle mit aktuellen Preisen (Stand 07/2021) für verschiedene Angebote des VVS für einen Monat:

ZonenPreis 10er-Tagesticket pro MonatPreis 10 normale Tagestickets pro Monat (online)Preis MonatsticketPreis Abo/Jahresticket "jedermann" pro MonatPreis Jobticket mit 10€ Zuschuss durch Arbeitgeber
139,90 €51 €70,60 €58,83 €42,95 €
245,90 €60,40 €90,60 €75,50 €57,95 €
362,90 €83,40 €121 €100,83 €80,75 €
479,90 €104,40 €149,70 €124,75 €102,28 €
599,90 €127 €175,40 €146,10 €121,55 €
699,90 €127 €206 €171,67 €144,50 €
Netz99,90 €127 €232 €193,33 €164 €

Wie in der Tabelle zu sehen ist, liegen die Preise für das 10er-Tagesticket deutlich unter denen eines Monatstickets, was allerdings auch daran liegt, dass dieses in Stuttgart unverhältnismäßig teuer ist. Im Vergleich zum Jahresticket oder Jobticket (das haben wir hier vorgestellt) fällt der Unterschied kleiner aus. So ist das Jobticket mit 10 €-Arbeitgeberzuschuss bei einer Zone nur rund 3 € teurer als das 10er-Tagesticket, obwohl damit an dreimal so vielen Tagen in der gewählten Zone flexibel gefahren werden kann. Auffallend ist, dass bei mehr als 4 Zonen der Preis der Tagestickets gleich bleibt, während die Abo-Preise deutlich steigen, was bedeutet, dass Fahrgäste, die sowieso weit vom Zentrum Stuttgarts entfernt wohnen und oft lange pendeln müssen im Vergleich zu Gelegenheitsfahrern „doppelt“ draufzahlen.


Das 10er-Tagesticket hat aber noch einen Vorteil, der nicht sofort erkennbar ist, aber einen großen Vorteil für Gelegenheitsfahrer bietet.

Obwohl auf der VVS-Website der Hinweis auf die fehlende Übertragungsmöglichkeit genannt wird und in der VVS-App keine Möglichkeit dazu besteht, lassen sich im DB-Navigator die einzelnen Tagestickets für verschiedene Personen buchen. Das bedeutet, dass z.B. verschiedene Familienmitglieder „Abschnitte“ des 10er-Tagestickets nutzen können. Das eingelöste Tagesticket, also ein Abschnitt des Tickets, ist nicht übertragbar.

Auf diese Weise können sogar mehrere Personen gleichzeitig verschiedene Abschnitte des Tagestickets nutzen. So könnte man statt 10 Tagestickets für sich alleine auch 5 Tagestickets zu zweit nutzen. Dies funktioniert allerdings nur mit der App DB-Navigator, die übrigens ebenfalls alle VVS-Tickets verkauft und auch für andere Verkehrsverbünde und überregionale Fahrkarten genutzt werden kann, und nicht mit der VVS-App. Ob diese schöne Funktion beabsichtigt ist, wissen wir nicht. Die DB-App bietet im Gegensatz zur VVS-App das Buchen eines Tickets für andere Personen auch im Regional- und Fernverkehr standardmäßig an.

Um im DB-Navigator ein 10er-Tagesticket zu buchen oder eine Fahrt eines schon gebuchten 10er-Tagestickets einzulösen, kann man z.B. wie folgt vorgehen:

  1. Im DB-Navigator über das Aufklappmenü (links oben) „Verbundtickets“ und dann „VVS – Stuttgart und Umgebung“ auswählen.
  2. Unter „zur Ticketauswahl“ das Ticket „10er-Tages-Ticket“ auswählen.
  3. Geltungsbereich und Zonen auswählen.
  4. Nun wird angezeigt, ob schon ein 10er-Tagesticket vorhanden ist und nur ein weiterer Abschnitt entwertet werden soll, oder ein neues Ticket gebucht werden muss.
  5. Dann den Reisenden auswählen, der mit dem Abschnitt fahren soll, auswählen (das kann für jeden Abschnitt ein anderer sein) und Zahlungsdaten angeben (wenn kein Bahn-Login vorhanden) und das Ticket kaufen.

Es gibt noch andere, teils schnellere individuelle Wege, um zum Ticket zu kommen, beispielsweise das Ablegen in den Favoriten oder das Buchen über die Fahrplanauskunft im DB-Navigator.

Das Buchen einzelner Abschnitte muss immer vom selben Smartphone geschehen. Reisende können die einzelnen Abschnitte dann aber auf andere Smartphones übertragen. Dadurch muss nicht immer das gleiche Handy mitgenommen werden (sinnvoll bei Nutzung des Abschnitts durch verschiedene Personen) oder mehrere Personen können gleichzeitig mit verschiedenen Abschnitten fahren. Das Ticketübertragen auf ein anderes Gerät funktioniert wie folgt:

  1. Im DB-Navigator über das Aufklappmenü (links oben) „Meine Tickets“ auswählen und das „+“-Symbol rechts oben drücken.
  2. Auftragsnummer (steht auf dem Ticket, das mit dem anderen Handy gebucht wurde oben links) und Nachname des Reisenden eingeben. Fertig, das Ticket kann sofort genutzt werden 🙂

Hier eine Bildergalerie vom Buchungs- und Übertragungsvorgang (zum Vergrößern und vollständig darstellen bitte klicken):


Gerade wenn das Ticket von verschiedenen Personen genutzt werden kann, ist das Angebot wirklich sehr attraktiv. Auch für Paare, die nur gelegentlich unterwegs sind, oder Pendler, die nur noch 2 Mal in der Woche unterwegs sein müssen, kann die Ersparnis zu Einzeltickets oder Monatskarten sehr groß sein.

Wir begrüßen sehr, dass der VVS auf die veränderten Bedürfnisse der Fahrgäste, die wohl auch durch die Pandemie ausgelöst wurden, eingeht.

Einzig der Übertragungsvorgang eines Tickets auf ein anderes Handy ist etwas versteckt und  wohl ohne Anleitung nur von Kennern des DB-Navigators zu nutzen.


Viel besser als dieses Ticket wäre aber, die Preise für Jahresabonnements massiv zu reduzieren. Nach Wiener Vorbild könnte auch hier ein 365 €-Jahresticket für die Stadt eingeführt werden. Man könnte dann, wie es in Salzburg kürzlich eingeführt wurde, für einzelne Regionen und ganz Baden-Württemberg attraktive Tickets um 1 €, 2 € bzw. 3 € pro Tag anbieten. Dann würde sich ein Abonnement wohl für wesentlich mehr Menschen lohnen und auch einige Gelegenheitsfahrer zum Jahresticket-Kauf animieren.

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