„Baustelleninformations-Chaos“ bei der S-Bahn Stuttgart

Nachdem die Fahrgäste durch die diversen „Dauerbaustellen“ bei der S-Bahn, wie die Instandhaltungsfenster im Stammstreckentunnel oder die Bauarbeiten in Obertürkheim und Feuerbach wegen Stuttgart 21, die mehrmals im Jahr zu Behinderungen führen, schwer geplagt sind, kamen in den letzten Monaten zusätzlich weitere Baustellen, wie die Streckensperrung zwischen Schorndorf und Waiblingen oder die Weichenerneuerung in Ditzingen, die den S-Bahn-Verkehr massiv einschränkten, hinzu.

Baustelle Bahnhof Feuerbach

Baustelle Bahnhof Feuerbach (28.2.2019)

Viele dieser Baustellen wird man nun einfach ertragen müssen, da jahrelang nur wenig Geld in das Schienennetz der DB investiert wurde, was sich nun rächt. Manche Modernisierungen, waren sicherlich längst überfällig, andere wegen Stuttgart 21, von dem die Fahrgäste ja laut früherer Aussagen der DB vor der Volksabstimmung überhaupt nichts mitbekommen sollten, nötig.

Bei diesen Baustellen wurde meist lange im Vorfeld informiert. Die Einschränkungen hielten sich vergleichsweise in Grenzen. Schienenersatzverkehr war meist nur nachts oder an Wochenenden nötig.

Im Sommer soll es jedoch eine weitaus größere Baumaßnahme geben, über die noch fast überhaupt nichts bekannt ist!

Wahrscheinlich ist derzeit, dass zwischen Schwabstraße und Vaihingen, sowie zwischen Rohr und Böblingen gebaut werden wird, was teilweise zu Vollsperrungen und teilweise zu einseitigen Gleissperrungen führen wird. Dies bedeutet, dass die Bahnen nur ein Gleis für beide Richtungen zur Verfügung steht. Beides würde bei den Linien S1, S2 und S3 zu erheblichen Ausfällen führen.

Aufmerksam auf diese Baustelle wurden wir durch dieses offiziell zugängliche Dokument der DB Netz aus dem Jahr 2018, in dem ab Seite 386 Baumaßnahmen im Stammtunnel beschrieben werden. Laut diesem Dokument käme es vom 27.07.2019 bis zum 26.08.2019 zu einem ganztägigen Ausfall der Zwischentakte der Linien S1-S3, einer Umleitung der Linie S1 über die sogenannte Panoramabahn, sowie einem Ausfall der S3 zwischen Bad Cannstatt und Flughafen/Messe. Dies hätte zur Folge gehabt, dass die Fahrgäste an den Stationen Universität bis Stadtmitte nur eine halbstündliche Verbindung Richtung Vaihingen oder Cannstatt gehabt hätten.

Außerdem sollte die S1 an zwei Wochenenden nicht zwischen Böblingen und Vaihingen verkehren.

Nachdem seit dem im Februar 2018 erschienenen Dokument keine Information mehr an die Öffentlichkeit drang, suchten wir im Internet weiter nach Auswirkungen der Baustelle und schrieben schließlich die Verantwortlichen an.

Vom Auftraggeber VRS heißt es schlicht, es hätte Planungsänderungen gegeben, die dazu geführt hätten, dass ihnen bis heute kein Ersatzfahrplan vorläge.

In der DB-Verbindungsauskunft sind derzeit noch keine Änderungen im Sommer erkennbar.

In der VVS-Verbindungsauskunft hingegen sind weitreichende Fahrplanänderungen eingetragen, die sich jedoch mit denen des DB-Dokumentes widersprechen.

Laut dieser Auskunft werden vom 27.07 bis zum 04.08. die Linien S1-S3 von Stuttgart-Vaihingen in Richtung Hauptbahnhof über die Panoramabahn umgeleitet und verkehren nur alle 30 Minuten. Außerdem kommt es zu Fahrzeitverlängerungen von 10 Minuten, was in dieser Richtung zu veränderten Linienführungen führen soll. So soll eine Linie S12 von Herrenberg nach Schorndorf, eine Linie S23 von Filderstadt nach Backnang und eine S31 von Flughafen/Messe nach Kirchheim (T) verkehren. In der Gegenrichtung würden die Linien regulär im 30-Minuten-Takt durch den Stammstreckentunnel verkehren.

Dies hätte zu Folge, dass es von den Stationen Universität und Österfeld keine Verbindung in die Innenstadt geben würde. Die Fahrgäste müssten dann erst nach Vaihingen fahren und von dort über die Panoramabahn zum Hauptbahnhof. Im ungünstigen Fall, der Fahrt von der Station Universität zur Schwabstraße würde die Fahrt mit der S-Bahn statt 6 Minuten 48 (!) Minuten dauern. Da ist es dann schneller, mit dem nicht so regelmäßig verkehrenden Bus 82 nach Waldeck zu fahren, um von dort die Stadtbahn zu nehmen und dann am Erwin-Schöttle-Platz wiederum in den Bus umzusteigen.

Diese Einschränkung ist so eigentlich nicht hinzunehmen, zumal sie nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche stattfindet.

Eine weitere Information seitens des VVS gibt es nicht. Einzig dieses auf der Website versteckte Dokument weist in der linken unteren Ecke ohne weitere Hinweise auf Bauarbeiten hin.

Angesichts der massiven Einschränkungen für Fahrgäste aus Österfeld und Universität wäre die Lösung, die die Bahn 2018 geplant hat und die der des VVS widerspricht, die zumindest einen 30-Minuten-Takt in beide Richtungen durch den Stammstreckentunnel vorsieht, wohl besser, auch wenn der Bauzeitraum größer wäre.

Bei einer Baustelle, die so gravierende Auswirkungen auf Fahrgäste haben wird, finden wir es unverantwortlich, diese bis heute nicht zu informieren und widersprüchliche Fahrplanauskünfte im Internet anzubieten. Auch der Verband-Region-Stuttgart, der laut eigener Aussage „unzufrieden mit der Information“ der Bahn ist, sollte mehr Druck ausüben, dass die Fahrgäste endlich wissen, wie stark sie von der Baustelle betroffen sein werden.

Ganz davon abgesehen fällt es auf, dass jegliche Bauarbeiten an der Stammstrecke in den letzten Jahren verstärkt durchgeführt werden. Vielleicht hat man auch bei der DB erkannt, dass die Panoramabahn, deren Zukunft völlig ungewiss ist und die ohne einen Linientausch wohl nicht mehr für die S-Bahn nutzbar ist, im Baustellen- und Störungsfall doch gar nicht so unwichtig ist, wie immer behauptet.

7 Gedanken zu „„Baustelleninformations-Chaos“ bei der S-Bahn Stuttgart

  1. Klaus Wößner

    Natürlich rächt es sich jetzt, dass speziell am Bahnknoten Stuttgart in den letzten 30 Jahren nur die allernotwendigsten Erneuerungen und Instandsetzungen vorgenommen wurden. Aber hier rächt sich auch noch etwas anderes. Man scheint — wie auch an vielen anderen Stellen — beim Planen und Bauen der Stuttgarter S-Bahn übersehen zu haben, dass die Schienenstrecken samt Schotterbett und Unterbau im Laufe ihrer Lebensdauer irgendwann komplett erneuert werden müssen. Solche Erneuerungen verursachen zwangsläufig für eine gewisse Zeit eingleisigen Betrieb.
    Gerade bei der S-Bahn war abzusehen, dass durch die hohe Nachfrage eine relativ dichte Zugfolge entstehen würde, die jede umfangreiche Instandhaltungsmaßnahme zu einer riesigen Herausforderung werden lässt. Es hätte also nahe gelegen, die stark befahrene Strecke in möglichst kurze Abschnitte zu gliedern, die eingleisig betrieben werden können und dabei einen noch akzeptablen Verkehr zulassen. Dazu bedarf es am Anfang und am Ende dieser Abschnitte Gleisüberleitungen und darauf abgestimmte Signalpositionen.
    Nach den mir vorliegenden Informationen sind auf der S-Bahnstrecke zwischen der Stadtmitte und Stuttgart-Vaihingen östlich des Vaihinger Bahnhofs und östlich der Station Schwabstraße Gleisüberleitungen vorhanden. Für die dazwischenliegende Strecke benötigt ein fahrplanmäßiger S-Bahnzug eine Fahrzeit von 10 Minuten, was einer technischen Belegungszeit des Streckenabschnitts von 12 – 13 Minuten entspricht. Damit war von vorne herein klar, dass auf diesem Streckenabschnitt ein eingleisiger Betrieb in beiden Richtungen allenfalls im 30-Minutentakt möglich sein würde.
    Nun scheint man darauf gekommen zu sein, eingleisig zu fahren, aber eben nur in eine Richtung. Vordergründig und bahntechnisch mag dies eine bestechende Idee sein, denn so kann man in der einen Richtung den gewohnten Takt beibehalten. Für die Reisenden in der gesperrten Richtung würde es zum Teil allerdings abenteuerlich: Auf der Strecke Universität – Schwabstraße würde sich die Reisezeit auf dem dann notwendigen Zickzackkurs von 6 auf 40 – 50 Minuten steigern. Ob die Züge zwischen Universität und Vaihingen die Fahrgäste der Gegenrichtung überhaupt noch fassen würden, ist sehr fraglich.

    Hätte man damals bei der Planung auf etwa halber Strecke beim Haltepunkt Universität weitere Gleisüberleitungen vorgesehen, sähe es ernstlich günstiger aus. Eine Nachrüstung dieser Gleisüberleitungen kann man aber wohl vergessen. Wenn sie überhaupt möglich wäre, käme sie sehr teuer und würde die im Sommer bevorstehende Streckensperrung noch markant verlängern. Dennoch müsste man sie jetzt vehement fordern, denn wenn die Planungen des Verbands Region Stuttgart umgesetzt werden und weitere S-Bahnlinien von der Schwabstraße nach Vaihingen fahren, droht ohne die Nachrüstung bei der nächsten fälligen Erneuerung in vielleicht 30 Jahren ein Desaster.

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  2. Klaudia

    Passend zum Bauinfo-Chaos:

    Am Bahnsteig wird angezeigt, daß am 1. und 2. Juni Feuerbach mal wieder nicht von der S-Bahn angefahren werden kann, das heißt, S 4 und S 5 fahren dran vorbei, S 6/60 beginnt und endet in Zuffenhausen.

    Das Übliche, wer an der Strecke wohnt, kennt das ja schon, nur… auf der VVS-Seite steht kein Wort dazu:

    http://www.vvs.de/aktuelles/verkehrsmeldungen/fahrplanaenderungen/

    Wehe dem, der am Wochenende einen wichtigen Termin hat und sich auf die VVS-Info verlässt…

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    1. Hosea Winter Beitragsautor

      Dass der VVS nicht oder/und falsch über S-Bahn Baustellen berichtet, ist mir auch schon aufgefallen. Das war auch vor zwei Jahren so, als die Linien S13 und S31 im Einsatz waren.

      Dass es in Feuerbach schon wieder Bauarbeiten gibt, ist vor allem für S60/S6-Fahrgäste ärgerlich.
      So wird es zusätzlich zu kommendem Wochenende (1./2. 6.) auch an zwei weiteren Samstagen (29.6. und 6.7.) zu diesen Einschränkungen kommen.
      Auch im Juli wird es in einer Woche von Donnerstag bis Samstag Fahrplanänderungen geben.

      Ehrlich gesagt glaube ich leider nicht, dass es mit diesen Terminen erledigt sein wird. Wenn der Tunnel dann fertiggestellt und mit der Hauptstrecke verbunden wird, könnte es zu weiteren Sperrungen kommen.

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      1. Klaudia

        Danke für die Infos!

        Ich habe jetzt lange nach einem Artikel aus der Stuttgarter Zeitung gesucht, in dem Stand, daß jetzt endlich Schluss sei, mit den ewigen S21-Baustellensperrungen in Feuerbach, nur noch ein einziges mal sei das nötig und zwar am 2.Juliwochende.

        Und da steht es:

        „Ein letztes Mal müssen in Feuerbach für Stuttgart 21 die Gleise gesperrt werden.“

        Und:

        „Noch ein letztes Mal wird das am zweiten Juliwochenende nötig, dann befinden sich die Gleise in Feuerbach in ihrer endgültigen Lage.“

        Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-zeit-der-provisorien-fuer-s-21-im-norden-geht-zu-ende.f0751021-22ab-4c3d-a991-5973e9c37572.html

        Und hier erfahre ich jetzt, daß es an mindestens VIER Wochenenden, wenn nicht noch länger in Feuerbach wieder das gewohnte Chaos geben wird.

        Wie nennt man so was? Lügen? Fake News? Kundenverarsche? Wählertäuschung vor der Wahl?

        Der Artikel ist erst zwei Wochen alt. Wollen die ernsthaft behaupten, daß die damals noch nicht wussten, daß es mit einer Sperrung nicht getan ist?

        Wenn etwas noch schlimmer ist als die Unzuverlässigkeit der Bahn, dann ist es ihre Informations- oder besser Desinformationspolitik.

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    2. Harald Frank

      Hallo
      es ist tatsächlich so, dass nicht mal in der VVS-App (Meldungen) ein Hinweis über den Haltausfall in Feuerbach am Wochenende vorhanden ist.

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      1. Hosea Winter Beitragsautor

        Richtig!
        Erst heute (Freitag) früh wurde ein Hinweis veröffentlicht. In der Fahrplanauskunft des VVS waren die Bauarbeiten jedoch schon länger hinterlegt.

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        1. Harald Frank

          Genau,
          ich habe dem VVS gestern (30.Mai) in Facebook diesen Mangel gemeldet.
          Heute Früh (31.Mai) dann die Nachricht, dass der Hinweis nun drin ist.

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