Öffentl. Sitzung des VRS Verkehrsausschusses am 22.6.2016

In dieser Sitzung des VRS Verkehrsausschusses waren zwei Themen aus Sicht der S-Bahn besonders interessant:

  1. Einsatzplanung für die 10 neuen S-Bahnfahrzeuge
  2. Fahrplanänderungen wegen Instandhaltungsarbeiten auf der Stammstrecke

Zu den kompletten Sitzungsunterlagen mit allen Detailinformationen kommen Sie über folgenden Link. Im Folgenden wollen wir die anstehenden Änderungen vorstellen und bewerten.

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Zwischen Stuttgart und Böblingen wird es eng …

… so textet die bahninterne Zeitung mit Blick auf die umfangreichen Bauarbeiten auf der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart-Rohr und Böblingen in diesem Sommer. Gleise samt Untergrund müssen erneuert werden und mehrere Weichen sind auszutauschen. Von 13.07. bis 15.08.2016 steht zwischen Rohr und Böblingen nur eines der beiden Gleise zur Verfügung. Daher wird es zwangsläufig Einschränkungen und Fahrplanveränderungen geben.

Auf der Distanz S-Rohr ↔ Böblingen, für die man regulär eine Fahrzeit von 7-8 Minuten benötigt, ist bei eingleisigem Betrieb ein 15-Minutentakt generell nicht möglich. Auch kann es bei den bisherigen Fahrlagen der S1 nicht bleiben, weil den Zügen während der Bauarbeiten offenbar eine längere Fahrzeit (11 statt 7-8 Minuten) gewährt werden muss. Daher muss man während des nur eingleisigen Betriebs zwischen Rohr und Böblingen sowohl die Zugfolge reduzieren, als auch die Fahrlagen verändern. Eine Verschiebung der Fahrlagen der S1 um wenige Minuten war ausgeschlossen, weil auf der Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße die hierfür nötigen Trassen durch andere S-Bahnlinien belegt sind. Und überdies gibt es noch Regionalzüge und alle zwei Stunden einen Fernzug, die auch noch einen Weg durch das Nadelöhr finden müssen.

Eine vernünftige Lösung war also ziemlich knifflig. Zwischen Rohr und Böblingen mussten für die S-Bahn neue Trassen gefunden werden, das Trassengefüge der S-Bahn auf der Stammstrecke durfte nicht verändert werden und auch die Regional- und Fernzüge mussten fahrbar bleiben. Die Bahn hat sich dafür entschieden, die Südäste der Linien S1 und S3 im Grundtakt zu tauschen. Die Lösung mag zunächst etwas verwirrend anmuten, wenn zwischen Kirchheim/Teck und Flughafen Züge mit der Liniennummer S13, zwischen Backnang und Herrenberg mit der Liniennummer S31 fahren. Aber diese abweichenden Liniennummern sind für die Unterscheidbarkeit der Züge vor allem für diejenigen hilfreich, die bei einfahrenden S-Bahnen nur auf die Liniennummer schauen und die Fahrtzielanzeige am Zug und auch die Anzeigen am Bahnsteig aus Gewohnheit nicht mehr beachten.

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Defekte Aufzüge sind ein Dauerärgernis

Technik kann immer mal kaputtgehen, selbstverständlich auch die Aufzüge und Rolltreppen. Wenn man darauf angewiesen ist, ist das natürlich immer ärgerlich und wenn dann auch noch die S-Bahn verspätet ist oder ausfällt, ist verständlicherweise bei den Betroffenen das Maß voll.

Aufzugschild

Warum es aber dann oft wochen-, ja sogar monatelang dauert, bis ein defekter Aufzug repariert wird, ist allerdings schwer zu verstehen. Wir wollen hier nicht von den Totalschäden reden, die es sicher auch gibt, aber relativ selten vorkommen, sondern z.B. von einer klemmenden Türe, einem defekten Sensor oder einer verschlissenen Umlenkrolle, bzw. einem Umlenkseil. Selbst im Falle von Vandalismus, bei dem z.B. die Türscheiben eingeschlagen werden, kann es schlichtweg nicht sein, dass der Austausch mehrere Wochen dauert, auch wenn das Türmaß individuell ist. Für die Aufzugsfirma ist so etwas das tägliche Brot.

Informationen über defekte Aufzüge und Rolltreppen im Bereich des VVS sind sowohl beim → VVS als auch bei der → SSB im Internet abrufbar. Derzeit sind auf beiden Portalen jedoch keine Rolltreppen-, sondern nur Aufzugsstörungen vermeldet. Wie aktuell diese Informationen jeweils sind, ist uns nicht bekannt, allerdings erscheint uns die Aufzugsinformation der SSB ehrlicher, weil bei identischer Störung das Datum des Störungsbeginns auf der SSB-Seite oft weiter in der Vergangenheit liegt, als bei der VVS-Seite. Auf der VVS-Seite wird bei einer Aktualisierung einer Störungsmeldung schon mal auch das Start-Datum der Störung „korrigiert“ und so dem unbedarften Leser der Eindruck vermittelt, es handele sich um eine neue Störung. Die Angaben auf der VVS-Seite werden von der DB Station & Service AG selbst eingetragen und gepflegt. Woher und auf welchem Weg die Informationen über die DB-Aufzüge an die SSB gelangen oder ob es hierfür einen festgelegten Prozess gibt, ist uns nicht bekannt.

Informationen zu Aufzugstörungen sind inkonsistent, widersprüchlich, mangelhaft

Wie unterschiedlich und teilweise widersprüchlich die auf den beiden Seiten veröffentlichten Aufzugstörungen sind, wollen wir im folgenden anhand einiger Beispiele aus den drei Wochen vom 20. Mai bis zum 10 Juni 2016 bzw. bis heute verdeutlichen:

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PolygoCard pay und polygoCard Presseschau

In diesem Beitrag meiner Beitragsreihe zur polygoCard werde ich die polcgoCard pay, eine Karte mit zusätzlicher Kreditkartenfunktion auf Guthabenbasis näher beleuchten. Sie wird derzeit nur optional von der SSB angeboten, d.h. der SSB-Kunde muss sich bei der Bestellung der polygoCard entscheiden, ob er sie mit oder ohne kontaktloser Bezahlfunktion haben möchte.

Außerdem möchte ich die diversen, in den letzten Wochen erschienenen Artikel der Stuttgarter Zeitung zum Thema polygoCard unter die Lupe nehmen und einzelne Aussagen daraus kommentieren.

Wir wurden übrigens gefragt, was die polygoCard mit der S-Bahn zu tun hat und warum sich S-Bahn-Chaos.de damit beschäftigt. Nun, direkt hat die polygoCard nichts mit der S-Bahn zu tun, aber indirekt natürlich schon. Wir untersuchen und berichten über die polygoCard weil wir es können und weil es sonst niemand macht. Wir wollen auch in Zukunft immer wieder Randthemen im Dunstkreis der S-Bahn Stuttgart aufgreifen und hoffen, dass dies auch im Sinne unserer Leserschaft ist.

Was ist die „polygoCard pay“?

Auf dieser derzeit nur von der SSB in Kooperation mit der BW Bank angebotenen speziellen Form der polygoCard befindet sich eine zusätzliche Electronic Purse Anwendung, die aus der Karte eine kontaktlose Bezahlkarte auf Guthabenbasis macht.

polygoCard - Elecronic purse

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Pünktlichkeit und Ausfälle im Mai 2016

Wie an jedem Monatsbeginn, veröffentlichen wir auch am heutigen 1.6.2016, die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte sowie seit einiger Zeit auch die von unserem Ausfallzähler ermittelten Ausfälle der Stuttgarter S-Bahn-Linien für den gerade zu Ende gegangenen Monat Mai 2016.

Sie finden den ↓Pünktlichkeits- und Ausfälleverlauf der letzten 12+1 Monate weiter unten und die ↓Pünktlichkeitsentwicklung der letzten 25 Monate sowie einen lediglich ↓prozentualen Vergleich zwischen den letzten 13 Monaten und den vorherigen 13 Monaten am Ende dieses Beitrags.

Hier die Pünktlichkeit im Mai 2016 als Balkendiagramm:

Pünktlichkeit Mai 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit Mai 2016 als Balkendiagramm

Und hier die Pünktlichkeit im Mai 2016 in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 88,0 % 96,6 % 80,6 % 94,3 %
Einzelne Linien
S1 83,3 % 95,0 % 75,8 % 92,1 %
S2 87,3 % 96,4 % 78,0 % 93,4 %
S3 86,8 % 96,2 % 76,7 % 93,3 %
S4 92,6 % 97,9 % 86,6 % 96,1 %
S5 90,1 % 97,9 % 83,1 % 96,1 %
S6 91,3 % 97,8 % 84,7 % 96,2 %
S60 93,2 % 98,0 % 88,7 % 95,9 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

Die Pünktlichkeit im Mai 2016 hat sich gegenüber dem Vormonat auf allen Linien verbessert. Lediglich die S1 ist praktisch unverändert geblieben und bei allen Werten Schlusslicht von allen Linien geworden. Allerdings ist die Schere zwischen S1-S3 und S4-S6(0) kleiner geworden.

Sehen Sie in der folgenden Animation selbst wie sich die Pünktlichkeit im Mai 2016 gegenüber dem Vormonat April 2016 entwickelt hat:

Animation Mai 2016 vs. April 2016

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Aussagen des VVS zum Datenschutz bei der polygoCard

Wahrscheinlich losgetreten durch unsere Beiträge und dadurch ausgelöste Rückfragen einiger Leser, hat der VVS mittlerweile seine Informationsseite zur polygoCard überarbeitet. Die im folgenden Screenshot abgebildeten früheren Aussagen, dass keine Fahrten, Bewegungsprofile und personenbezogene Daten gespeichert werden, sind verschwunden.

PolygoCard Information beim VVS

PolygoCard Information beim VVS

Stattdessen wurde die Seite unter der Überschrift „Welche Daten sind auf der Karte gespeichert und wie werden diese geschützt?“ um detailliertere Informationen zu den auf den Karten gespeicherten Kundendaten, deren Schutz und den gespeicherten Transaktionen ergänzt.

Wer die aktuelle Version der polygoCard Seite des VVS selbst mit der früheren Version vergleichen möchte, findet die alte Version unter folgender Adresse im Internet-Archiv:
http://web.archive.org/web/20160428131657/http://www.vvs.de/polygocard/

Außerdem hat der VVS unsere im ersten polygoCard Beitrag gestellten Fragen nun in einer Stellungnahme (PDF) auf einen Antrag der Fraktion DIE LINKE (PDF) im Verkehrsausschuss des VRS beantwortet. Alle diese Informationen bestätigen weitgehend unsere Beobachtungen und sollen im folgenden genauer durchleuchtet werden.

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Stadtbahnnetz 2016 – Fährt die Stadtbahn ins Chaos?

Am Dienstag 17. Mai 2016 tritt ein neuer Fahrplan für die SSB-Linien in Kraft. Dieser neue Fahrplan betrifft primär die Stadtbahnen in Stuttgart, zieht aber auch Änderungen bei manchen Buslinien nach sich.

Der Grund für diesen neuen Fahrplan ist ein gravierender Umbau des Stuttgarter Stadtbahnnetzes, welcher allein durch das Bahnprojekt Stuttgart 21 erzwungen wird und keinesfalls wie von der SSB schönfärberisch offiziell behauptet wird:

«Immer wieder sorgen Arbeiten zur Instandhaltung der Gleise oder Erweiterung des Nahverkehrsangebots mit neuen Stadtbahnstrecken dafür, dass Busse oder Stadtbahnlinien umgeleitet, gekürzt oder unterbrochen werden müssen. Sicherlich ist der Neubau der Haltestelle Staatsgalerie in dem Zusammenhang eine Baumaßnahme, die hier herausragt.»

Um Platz für den neuen, unterirdischen Bahnhof und dessen ebenfalls unterirdischen Zulaufstrecken zu schaffen, muss nämlich die bisherige Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie höhergelegt und in Richtung Planetarium verlegt werden. Dies hat massive Auswirkungen auf die Innenstadtlinien U1, U2, U4, U9, U11 und U14, weil dadurch auch die Stadtbahnstrecken aus Richtung der Haltestellen Neckartor, Charlottenplatz und Hauptbahnhof neu gebaut werden müssen.

In einem 1. Bauabschnitt ab 17.5.2016 wird die Strecke zwischen Staatsgalerie und Charlottenplatz für voraussichtlich ca. 15 Monate in beiden Richtungen unterbrochen. Die Stadtbahnlinien U1, U2, U4 und U11 können dann nicht mehr wie bisher direkt zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Charlottenplatz verkehren. Manche Stadtbahnen werden nördlich über Hauptbahnhof und Berliner Platz umgeleitet, andere enden früher oder werden mit den neuen, temporär fahrenden Stadtbahnlinien U21 und U24 kombiniert bzw. verstärkt. Die Details der Änderungen bei der Stadtbahn entnehmen Sie bitte den offiziellen Informationen der SSB.

In einem 2. Bauabschnitt, der sich unmittelbar an den 1. Bauabschnitt anschließen soll, wird dann die Stadtbahnstrecke zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Hauptbahnhof unterbrochen. Die prognostizierte Dauer für den Bau dieses Abschnitt beträgt ca. 2 Jahre ab Herbst 2017, abhängig vom Baufortschritt bei S21. Auch dann wird die SSB laut eigenen Aussagen versuchen die Auswirkungen auf die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Ob ihr das gelingen wird und ob die verbleibenden Auswirkungen in einem erträglichen Rahmen bleiben werden, muss die Zukunft zeigen. Aus heutiger Sicht sind davon die Stadtbahnlinien U9, U11 und U14 betroffen, die dann nicht mehr direkt zum Hauptbahnhof fahren können, sondern den Umweg über Charlottenplatz nehmen müssen.

Eine weitere Baustelle, die ebenfalls eine Folge des Projekts Stuttgart 21 ist, liegt im Bereich der Heilbronner Straße. Dort werden die Tunnelröhren der Stadtbahnlinien U5, U6, U7, U12 und der U15 unter die B27 verlegt. Für die Stadtbahnlinie U12 (derzeit zum Hallschlag, später nach Remseck) wird außerdem derzeit zusätzlich in einem Bogen ein neuer Tunnel unter dem Kriegsberg gebaut um die zukünftige Stadtbahnhaltestelle ‚Budapester Platz‘ neben dem Milaneo erreichen zu können. Das hat zwar nicht direkt etwas mit Stuttgart 21 zu tun, ist aber zusammen mit der neuen Stadtbahnbrücke über die Wolframstraße wegen des mehr als fragwürdigen Nutzens eine absolute Geldverschwendung und eine weitere Subventionierung von Stuttgart 21 durch die Stadt Stuttgart, weil diese Maßnahme nicht durch das Eisenbahnkreuzungsgesetz abgedeckt ist und so nicht ausschließlich von der DB als Verursacher der Baumaßnahme getragen werden muss.

Bei diesen großen Veränderungen bei der Stadtbahn bleibt es natürlich nicht aus, dass diese auch Auswirkungen auf die Busse haben. Bei einem Dutzend Buslinien kommt es zu Änderungen, die auf dieser Seite im Detail erklärt werden.

Wer nun meint, dieser neue Fahrplan und die Einschränkungen würden maximal bis Ende 2016 dauern, den muss ich leider enttäuschen. Noch 2005 sahen die Pläne der Bahn eine nur zweiwöchige Sperrung der Stadtbahnstrecke zwischen Staatsgalerie und Charlottenplatz vor. Inzwischen ist klar: Aus zwei Wochen werden mindestens zwei Jahre, genaue Angaben will die SSB nicht machen. Dies wiegt schwer, weil rund 10 % der Fahrgäste durch diese Einschränkungen künftig länger unterwegs sein werden. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die VVS-Tariferhöhung im Jahr 2017 mit 1,9 % etwas niedriger ausfallen wird als in den Jahren davor.

Weitere kritische Informationen, die bei der SSB und dem Bahnprojekt Stuttgart-Ulm (aka Stuttgart 21) nicht an die große Glocke gehängt werden, finden Sie bei der Initiative „Für unsere Stadtbahn“.

Gibt es 2016 Änderungen bei der S-Bahn-Linienführung?

Bei S-Bahn-Chaos.de sind schon vermehrt Anfragen angekommen, ob und was für Änderungen es in der Linienführung der Stuttgarter S-Bahn 2016 geben wird bzw. geben könnte. Wir stellen daher nachfolgend beispielhaft die Frage eines Lesers und unsere Antwort dazu dar:

Anfrage Bernd S. vom 10.05.2016:

Sehr geehrte Damen und Herren,

haben Sie Informationen zu einem Wechsel der Endhaltestellen der
S-Bahn-Linien im Laufe des Jahres?
S1-S3 nur noch bis Schwabstraße,
S4-S6 dann bis Flughafen, Filderstadt bzw. Herrenberg?
Welche Vorteile soll das haben?
Gruß Bernd S.

Unsere Antwort dazu vom 10.05.2016:

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich kann Ihnen dazu Folgendes antworten:
Ich vermute, Ihre Frage bezieht sich eigentlich auf eine im Sommer anstehende Baumaßnahme auf der Gäubahnstrecke Rohr – Herrenberg, die den Fahrplan beeinträchtigt:
Vom 13.07. – 15.08.2016 werden die S1 und die S3 auf deren Südast ausgetauscht, weil in diesem Zeitraum zwischen Rohr und Böblingen eingleisig gefahren werden muss und sich die planmäßigen Fahrlagen der S1 mit dem Gegenverkehr kreuzen würden. Dies kann man zusammengefasst aus einer Erklärung der Deutschen Bahn im Rahmen der Fahrplankonferenz 2016 im vergangenen Monat ableiten. Unter folgendem Link sind nähere Angaben zu finden: https://www.s-bahn-stuttgart.de/s-stuttgart/baustellen/s1_Vorankuendigung_Buendel_Gaeubahn.html

Die Änderung der S-Bahnlinien, so wie Sie sie ansprechen, ist allerdings schon seit geraumer Zeit auch im Gespräch und zwar unter dem Begriff „Linientausch“ . Er sieht in der Tat vor, dass die S1 – S3 nur noch bis Schwabstraße fahren und die S4 – S6 die südlichen Außenäste von der S1 – S3 übernehmen bzw. befahren würden. Eine konkrete Planung hierfür gibt es aber nicht, im Gegenteil, der Verband Region Stuttgart lehnt diesen Linientausch bisher deutlich ab. Mit der Stuttgart 21-Planung gewann der Linientausch aber stark an Aufmerksamkeit, insbesondere im Zusammenhang mit dem sogenannten S-Bahn-Notfallkonzept für den Fall, dass die innerstädtische Stuttgarter S-Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße („Stammstrecke“) bzw. Universität gesperrt ist. Leider kommt das viel öfter vor als uns allen lieb ist. Und die Verbindung der S-Bahn auf die Fildern und ins Gäu ist mittlerweile so eminent wichtig, dass man sich zwangsläufig Notfallkonzepte zurecht legen muss.

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Wer speichert was auf der PolygoCard?

In unserem 1. Beitrag über die polygoCard haben wir beschrieben, welche Daten wir auf den uns zur Verfügung stehenden polygoCards gefunden haben und wie einfach diese auszulesen sind.

polygoCard (Name/Bild ausgegraut)

polygoCard (Name/Bild ausgegraut)

Wir haben aufgezeigt, dass diese aufgezeichneten Daten im Widerspruch zu den Aussagen des VVS stehen und haben Fragen gestellt, die aus unserer Sicht vom VVS beantwortet werden sollten. Dieser Beitrag soll unsere bisherigen Erkenntnisse zusammenfassen.

Die polygoCard wird derzeit in zwei Fällen gelesen und kann bei diesen Lesevorgängen prinzipiell auch beschrieben werden:

  1. Beim Einstieg in einen Bus vorne beim Busfahrer
  2. Bei der Fahrkartenkontrolle durch einen Kontrolleur

Beim Einstieg in einen Bus vorne beim Busfahrer

Seit dem 27. Februar 2011 gilt auf allen Buslinien im gesamten VVS-Gebiet die klare Regel: Vorne einsteigen, hinten aussteigen. Die Tickets werden beim Einsteigen vom Busfahrer kontrolliert. Hierbei muss man hierbei entweder einen gültigen Fahrschein vorweisen oder einen kaufen. Inhaber einer polygoCard sollen diese nicht vorzeigen, sondern an das hierfür vorgesehene Kontrollgerät halten.

Innerhalb des VVS fahren Busse diverser Busunternehmen. Einen guten Überblick gibt die Liste der VVS Verkehrsunternehmen. Neben vielen kleinere Busunternehmen dominieren die DB Bahn Regiobus Stuttgart (RBS), sowie die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Aufgrund dieser Vielfalt ist auch davon auszugehen, dass es zwischen den einzelnen Busunternehmen Unterschiede bei der Hardware, Software und Konfiguration der Kontrollgeräte gibt:

  • Laut unseren Beobachtungen und den erhaltenen Rückmeldungen wird in RBS Bussen bei den Einstiegskontrollen zumindest teilweise auf die polygoCards geschrieben, ohne dass wegen der Zeitkarten hierfür beim VVS eine Notwendigkeit gäbe. Der VVS ist sich dessen wohl bewusst und möchte aus diesem Grund das Schreiben auf die polygoCards deaktiviert lassen.
    Der Grund für das Schreiben von Fahrtransaktionen dürfte sein, dass die RBS-Busse auch in den Verkehrsverbünden „KreisVerkehr Schwäbisch Hall“ und HNV verkehren. Dort kommt die KOLIBRICARD zum Einsatz, die mittels CICO funktioniert. Die Check-Ins und Check-Outs werden dort für Abrechnungszwecke benötigt, zentral gespeichert und zu Kontrollzwecken auch auf die Karten geschrieben. Mit der mytraQ App können Kunden dann selbst Ihre Fahrten auslesen und kontrollieren (siehe Seite 6 links im PDF des HNV). Aber auch dort gilt: Jeder der eine solche Karte in die Finger bekommt kann sie auch auslesen.
    Da die Karten nur maximal 10 Transaktionen, also 5 Fahrten speichern können, hat die Speicherung auf der Karte wahrscheinlich primär den Zweck, dass ein Kontrolleur im Bus auch offline überprüfen kann, ob ein Fahrgast beim Einstieg in den Bus ordnungsgemäß einen Check-In durchgeführt hat und somit im Besitz eines Fahrscheins ist.
  • Die SSB bestreitet jemals auf die polygoCards geschrieben zu haben. Das deckt sich bislang mit unseren Beobachtungen und einer Aussage des VVS.
  • In Bussen der Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR) wurde zumindest bis Januar 2016 auf Karte geschrieben, seither nach unseren Erkenntnissen nicht mehr.
  • Schreibzugriffe konnten wir bei der „Omnibus Dannenmann Linien- und Reiseverkehr GmbH“ zumindest aktuell nicht feststellen.

Bei der Fahrkartenkontrolle durch einen Kontrolleur

Bislang ist uns kein Fall bekannt, bei dem bei einer Fahrkartenkontrolle durch einen Kontrolleur etwas auf die polygoCard geschrieben wurde. Eine Notwendigkeit für eine solche Schreiboperation gäbe es auch nicht. Es fällt allerdings auf, dass die eingesetzten Kontrollgeräte zuweilen nicht funktionieren oder zu lange zum Erreichen der Betriebsbereitschaft benötigen, falls das Gerät zuerst hochgefahren werden muss.

Fazit und Aufruf

So unterschiedlich wie in manch anderen Verkehrsverbünden scheint die Situation beim VVS nicht zu sein. Wenn der VVS die Schreibzugriffe beim RBS deaktivieren lässt, sollte die Problematik entschäft sein. Hierzu fehlt aber bislang eine offizielle Aussage des VVS.

Ungelöst ist bisher, wie die bereits auf die polygoCard geschriebenen Daten gelöscht werden können. Andere Verkehrsverbünde bieten hierfür einen Service an. Der VVS schweigt offiziell zur gesamten Problematik, Transparenz sieht anders aus.

Wie Sie diesem Beitrag entnehmen konnten, fehlen uns noch Erfahrungen bzw. Rückmeldungen bezüglich diverser Busunternehmen. Falls Sie auf Ihrer polygoCard Transaktionen entdecken, die entweder im Widerspruch zu den gemachten Aussagen stehen oder diese ergänzen, bitte wir Sie um Rückmeldung per Kommentarfunktion in diesem Blog oder per Twitter an @earlybird445.

Bericht/Kommentar zur VRS-Verkehrsausschuss-Sitzung am 27.4.2016

Entgegen der Ankündigung war die gegenüber dem eigentlichen Hauptthema vorgezogene Besprechung zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) doch öffentlich, wodurch wir Gelegenheit hatten, einem Teil der Besprechung beizuwohnen.

BVWP

Der VRS moniert zu Recht, dass die Region Stuttgart mit ihrer Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung (25% bzw. 28% bezogen auf ganz Baden-Württemberg) im BVWP benachteiligt wird: die für die Region vorgesehenen Mittel belaufen sich nur auf 13 – 16% . Die Verteilung der Mittel zu 50% auf Straßenprojekte und nur zu 41% auf Schienenprojekte wären eigentlich auch deutlich zu kritisieren. Das tut der VRS allerdings nicht, sondern schaut weiterhin vorrangig auf die Straßen.

Straßenprojekte im BVWP

Mit Blick auf die Feinstaubbelastung in Stuttgart will die Region die Filderauffahrt zur Entlastung von B14/B27 durch die Stadt und den Nord-Ost-Ring zur Entlastung von B27/B10/B14 in den vordringlichen Bedarf aufnehmen lassen. Diese Projekte, die auf Grund des großen Widerstands der Anliegergemeinden schon totgeglaubt waren, erscheinen genau aus diesem Grund auch in Zukunft nicht durchsetzbar. Dazu soll die B10 von Geislingen bis fast nach Pforzheim ausgebaut werden, um die A8 zu entlasten. Es bleibt allerdings ungeklärt, wie man mit dem Nadelöhr der B10/B27 in Feuerbach zurecht kommen will. Der im Bau befindliche Rosensteintunnel wird hier überhaupt nicht helfen.

Schienenprojekte im BVWP

Die Ausbauten der Gäubahn zwischen Rohr und Herrenberg sowie der Remsbahn zwischen Waiblingen und Schorndorf jeweils mit einem durchgängigen dritten Gleis sind nicht im BVWP enthalten, weil der Bund den Nahverkehr als Auslöser dieser Maßnahme sieht und sich somit nicht zuständig fühlt. Diese überaus einseitige Betrachtung von sogenannten Mischverkehrsstrecken kritisiert der Verband zu Recht und will die Aufnahme dieser Projekte in den BVWP verlangen.

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