Archiv des Autors: Klaus Wößner

Die erzwungene Evakuierung einer S-Bahn

Am Samstag, 28.09.2019, dem ersten Volksfestsamstag des Jahres 2019, kam um ca. 14:07 Uhr ein S-Bahnzug der Linie S2 nach Schorndorf nach seiner Abfahrt in der S-Bahnstation Stuttgart Hbf (tief) auf der Ausfahrrampe aus dem Tunnel zum Halten, der vordere Teil des Zuges schon im Freien, der hintere noch im Tunnel. Offenbar hat es einen technischen Fehler im Kupplungssystem gegeben, und bei einem solchen sorgt in der Regel schon die Sicherungstechnik dafür, dass der Zug zwangsweise angehalten wird. Der Triebwagenführer bemühte sich natürlich sofort um die Auffindung und Behebung des Fehlers und versuchte den Zug erneut zu starten, was ihm aber nicht gelang. Per Durchsage informierte er die Fahrgäste mehrfach und teilte ihnen mit, dass sie ruhig bleiben sollten, da keinerlei Gefahr für sie bestünde und versuchte weiterhin, selbst bzw. zusammen mit der Einsatzleitung bahnintern eine Lösung zu finden.

Als es noch immer nicht weiter ging, rief ein Fahrgast ca. um 14:27 Uhr über die Notrufnummer die Polizei an. Anscheinend war die Luft in dem gut besetzten Zug etwas stickig geworden. Dass laut Angabe eines Fahrgastes auch noch ein oder mehrere Fahrgäste zu rauchen begannen, tat dazu ein Übriges. Die Bundespolizei war bis zu dem Anruf des Fahrgastes über den Vorfall anscheinend noch nicht informiert. Sie warnte die Fahrgäste dann aber pflichtgemäß vor dem Ausstieg auf freier Strecke, weil dies natürlich mit Lebensgefahr verbunden ist. Denn auf dem unmittelbar daneben liegenden Gleis fuhren noch S-Bahnzüge in entgegengesetzter Richtung zum Hauptbahnhof.

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Sperrung der S-Bahn-Strecke Echterdingen ↔ Bernhausen ist abzulehnen – ein Nachtrag

Wir haben vor kurzem über die von Stuttgart 21 wegen Umbaus im Flughafen-Terminalbahnhof ins Auge gefasste →Totalsperrung der S-Bahnstrecke Echterdingen ↔ Bernhausen berichtet.

S-Bahn-Station Flughafen-Messe

S-Bahn-Station Flughafen-Messe

Darin haben wir heftig gezweifelt, ob diese Sperrung wirklich notwendig ist. Nachdem es mit Umbauten oder Anbauten an bestehende Tunnel – auch im Projekt Stuttgart 21 – durchaus Erfahrungen gibt, haben wir dazu nachgefragt. So hatte es beim vergleichbaren Umbau des Stadtbahntunnels unter der Heilbronner Straße beim Hauptbahnhof keine monatelange Sperrung gegeben. Auch bei der Verlegung des Stadtbahntunnels unter der Willy-Brandt-Straße wird es dies nicht geben. Beim „Hineinhören“ in die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die die Umbauten unter der Heilbronner Straße und Willy-Brandt-Straße verantworten, erfährt man dazu etwas.
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Einjährige Komplettsperrung der S-Bahn-Strecke
Echterdingen ↔ Bernhausen wirklich alternativlos?

Gegen Ende des vergangenen Jahres platzte die Nachricht der Deutschen Bahn herein, dass für den Bau des „Dritten Gleises“ am Flughafen-Terminalbahnhof in einigen Jahren der S-Bahn-Verkehr zwischen Echterdingen, Flughafen/Messe und Filderstadt-Bernhausen über 12-14 Monate komplett eingestellt werden müsse. Wir haben vor kurzem schon →darüber berichtet.

Die Region Stuttgart als politisch Verantwortliche und Betreiberin der S-Bahn musste sich nun zwangsläufig mit dieser schlechten Nachricht auseinandersetzen. In seiner Sitzung am 27.02.2019 beriet der Verkehrsausschuss des Regionalparlaments eine →Vorlage der Verbandsgeschäftsstelle. Im Vortrag dazu sprach Verkehrsdirektor Dr. Wurmthaler versehentlich sogar von einer Sperrung zwischen Rohrer Kurve und Flughafen, hoffentlich keine Freud’sche Fehlleistung. Letzlich empfahl er die Annahme der von der DB geforderten Vollsperrung als das letztlich geringere Übel, wenn auch mit flankierenden Forderungen.

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Automatisierung bei der S-Bahn – Verbesserungspotenzial oder Illusion?

Wer ersetzt den Triebwagenführer bei selbstfahrenden Zügen?

Wer ersetzt den Triebwagenführer bei selbstfahrenden Zügen?

Anlässlich einer Stellungnahme zur Neupositionierung der Einstellung des BUND zu Stuttgart 21 hat sich Regionalpräsident Thomas Bopp auch zum Thema S-Bahn geäußert.

Die Stuttgarter Zeitung vom 25.09.2018 schreibt in S21: Regionalpräsident lehnt Forderung des BUND ab über ihn:

„Als Schlüssel für mehr Kapazität im Nahverkehr sieht er die automatische Zugbeeinflussung der S-Bahn mit dem System ETCS, was dichtere Zugfolge ermöglicht. Das vom Regionalverband in Auftrag gegebene Gutachten werde voraussichtlich ergeben, dass ein automatisiertes Fahren möglich sei. … Eine zweite Stammstrecke für die S-Bahn durch Stuttgart sei kaum bau- noch finanzierbar und werde durch die digitale Steuerung obsolet, …“

ETCS scheint erneut als Strohhalm herhalten zu müssen, an dem die Hoffnung auf Kapazitätsverbesserung der S-Bahn-Stammstrecke festgemacht wird, weil kaum andere Möglichkeiten in Sicht sind.

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Verkehrsausschuss-Sitzung des Verbands Region Stuttgart am 06.06.2018

Ein zentrales Thema der Verkehrsausschusssitzung am 06.06.2018 war die Kapazität der Stuttgarter S-Bahn. Die Verbandsgeschäftsstelle hatte dazu detaillierte Voruntersuchungen durchgeführt. Die in der Sitzungsvorlage (Dokumente siehe unten) zusammengefasst dargestellten Ergebnisse boten einen guten Überblick über die derzeitige Auslastungssituation in den Hauptverkehrszeiten 06:00 – 09:00 und 15:00 – 18:00 Uhr.

Tageszeitliche Verteilung des Verkehrsaufkommens S-Bahn

Tageszeitliche Verteilung des Verkehrsaufkommens S-Bahn. Quelle: VRS, Sitzungsdokument VA-27218

Da die Auslastung als Mittelwert pro Stunde ausgewiesen wurde, waren die tatsächlichen Spitzen nicht mehr erkennbar. Immerhin kann man diese in Detailtabellen nachlesen, in denen je einzelnem Zug die Auslastung dargestellt ist. Man hat den Eindruck, dass sich auf diesem Zahlenwerk eine wirklich vernünftige Entwicklungsplanung aufbauen lässt.

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Notbetrieb bei der S-Bahn

S-Bahn-Einfahrt vom Gleisvorgeld in den Stammtunnel

S-Bahn-Rampe zum Stammtunnel. Auf das Bild klicken, um es zu vergrößern.

Zum mehrfach wiederholten Mal musste am vergangenen Dienstag die Stuttgarter S-Bahn gesamthaft auf Notbetrieb umschalten. Die Stuttgarter Zeitung berichtete am 8.11.2017 in S-21-Arbeiten bringen S-Bahn aus dem Takt u. a. von 14 gravierenden S-Bahnstörungen innerhalb von 24 aufeinanderfolgenden Arbeitstagen.

Damit verbunden war im Durchschnitt etwa jeden dritten Tag, in der Hauptverkehrszeit vom 15-Minutentakt auf 30-Minutentakt umzustellen, von den weiteren damit verbundenen Zugausfällen, vorzeitigen Wenden einzelner Linien und Verspätungen ganz abgesehen.

Natürlich ist es nie auszuschließen, dass unvorhersehbar Schäden auftreten. Endlich wurde auch erkannt, dass das Alter und der Zustand der S-Bahnanlagen für viele Störungen verantwortlich sind. Um den Zustand zu verbessern, hat man im vergangenen Jahr das wöchentliche sogenannte Wartungsfenster in der Nacht von Montag auf Dienstag eingeführt, in dem ab 22:30 Uhr auf der Stammstrecke nur eingeschränkt gefahren wird. Auch diesen Preis muss man für Verbesserung bezahlen.

Aber jetzt werden während der Woche auch noch in anderen Nächten, die nur ein sehr kurzes Zeitfenster für Arbeiten am Gleis bieten, durch Stuttgart 21 entstandene Arbeiten eingeschoben. Da wird an der wohl sensibelsten Stelle des Gleisvorfelds zum Hauptbahnhof an einer Weiche gearbeitet, wo maximal eine Stunde später wieder mit Höchstlast gefahren werden muss. Die Wiederinbetriebnahme der Weiche misslingt, der Notfall ist da und zwingt während der morgendlichen Spitzenverkehrszeit zum wiederholten Mal zur Halbierung des S-Bahnangebots.

So kann und darf es beim besten Willen nicht weitergehen!

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Umbau der S-Bahnrampe am Hauptbahnhof

Mit Stuttgart 21 soll bekanntlich auf der heutigen S-Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof (tief) und dem Nordbahnhof die neue S-Bahnstation Mittnachtstraße als zusätzlicher Stammstreckenhalt eingefügt werden. Die Strecke von Hauptbahnhof (tief) zur Mittnachtstraße soll durchgängig in einen Tunnel verlegt werden. Dazu sind – und dies natürlich bei laufendem S-Bahnverkehr – umfangreiche Umbauten im Bereich der heutigen Zufahrtrampe der S-Bahnen von Feuerbach und Bad Cannstatt stadteinwärts zur Station Hauptbahnhof (tief) notwendig. Um das Baufeld für den Bau und den Anschluss des neuen Tunnels frei zu machen, soll Anfang 2019 die heutige nördliche Zufahrtrampe zur Station Hauptbahnhof (tief) – im nachfolgenden Bild ist gerade ein S-Bahnzug auf ihr unterwegs – aufgegeben werden.

Nördliche Zufahrrampe

Nördliche Zufahrrampe (auf das Bild klicken um es zu vergrößern)

Heute verlaufen die von Feuerbach und Bad Cannstatt kommenden Zufahrgleise der S-Bahn zunächst getrennt, von Bad Cannstatt kommend auf der nördlichen Rampe (wie der auf dem Bild sichtbare S-Bahnzug), von Feuerbach kommend auf der südlichen Rampe. Erst kurz vor der Station Hauptbahnhof (tief) werden sie unterirdisch in einem Gleis zusammengeführt. Zukünftig sollen die getrennten Zufahrgleise ungefähr 600 Meter früher als heute oberirdisch im von Feuerbach kommenden Gleis zusammengeführt werden, damit die nördliche Rampe nicht mehr befahren werden muss und für die Baumaßnahmen frei wird.

Die Pläne für den Umbau der S-Bahnzufahrt wurden von Dr. Bitzer von der DB-Projektgesellschaft für Stuttgart 21 am 20.09.2017 im Verkehrsausschuss des Regionalparlaments vorgestellt. → Folienvortrag von Dr. Bitzer, PSU als PDF. Er sieht auch während und nach diesem Umbau die Leistungsfähigkeit der Rampe vollumfänglich erhalten. Allerdings haben wir vor Baumaßnahmen für Stuttgart 21 sehr oft überoptimistische und wenig überzeugende Beschwichtigungen im Hinblick auf die Auswirkungen gehört. Daher gibt es schon von daher kaum noch eine Grundlage für den Glauben, es werde schon gut gehen. Wir rechnen damit, dass die schon heute alles andere als üppige Leistungsfähigkeit auf der umgebauten Zufahrtrampe spürbar beeinträchtigt wird.

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S-Bahn-Gipfel beim regionalen Verkehrsausschuss
Optimismus auf der „Durststrecke“?

Der Verkehrsausschuss des Regionalparlaments zitierte dieses Jahr erneut die DB Regio S-Bahn, die DB Netz und den VVS in seine Sitzung am vergangenen Mittwoch, den 05.07.2017, zum sogenannten S-Bahn-Gipfel.

Podium bei 5. S-Bahn-Gipfel am 5.7.2017

Podium beim 5. S-Bahn-Gipfel am 5.7.2017

Gründe und Themen gab es dafür auch diesmal reichlich. Der Chef der Stuttgarter S-Bahn, Dr. Rothenstein, verstand es, mit seiner Darstellung den Ausschussmitgliedern der einzelnen Fraktionen manches lobende Wort zu entlocken. Ob er dieses Lob erhalten hätte, wenn er im Verkehrsausschuss im gleichen Tenor vorgetragen hätte wie er in einem Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 29.06. wiedergegeben wurde, dessen Überschrift von einer „Durststrecke“ für die S-Bahn sprach?

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Endstation Vaihingen für die Gäubahn-Regionalzüge – für wie lange? Ein Blick in die Zukunft.

Wie schon in unserem Beitrag  Umleitung der S-Bahn bei Ausfall der Stammstrecke – Umfahrung für S-Bahn wird gekappt vom 13.11.2016 angemerkt wurde, sieht die heutige S21-Planung für Gäubahn-Regionalzüge übergangsweise Stuttgart-Vaihingen als Endstation vor, weil die Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart Hbf (oben) und dem Gäubahnviadukt nahe Stuttgart-Nord ca. ein halbes Jahr vor Fertigstellung von Stuttgart 21 wegen des erforderlichen Anschlusses des stadtauswärts führenden S-Bahn-Gleises von der neuen S-Bahn-Station Mittnachtstraße zur Station Nordbahnhof unterbrochen werden soll.

„Übergangsweise“ könnte in diesem Fall 2 ½ Jahre oder mehr bedeuten. Warum?
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Neue Signaltechnik für die S-Bahn in weiter Ferne

Die DB Netz AG hat eine über ein Jahr dauernde Untersuchung zur Modernisierung der Signaltechnik für die Stuttgarter S-Bahn, speziell für die Stammstrecke Hbf – Schwabstraße durchgeführt. Am 19.10.2016 wurden die Ergebnisse dieser Untersuchung in zusammengefasster Form dem Verkehrsausschuss des Regionalparlaments vorgestellt. Es wurde die vom System her der heutigen PZB-Signalisierung entsprechende Ks-Signalisierung mit ETCS Level 2 verglichen. Dabei wurde untersucht, ob und in welchem Umfang sich mit den beiden Alternativen die Zugfolgezeit reduzieren lässt oder, anders gesagt, wie viele S-Bahnzüge pro Stunde mehr auf der Stammstrecke fahren könnten gegenüber heute. Das eher ernüchternde Ergebnis wird unten noch beschrieben. Eine Zusatzinformation wiegt noch schwerer: Beide Techniken benötigen ein neues, elektronisches Stellwerk (EStW), das nach heutiger Planung der DB frühestens 2021/2022 einsatzfähig sein wird. In die jetzt installierte Signaltechnik möchte die Bahn nicht mehr investieren. Heißt dies dann: 5 oder 6 Jahre weiter so wie bisher, mit allen Mängeln und Problemen, die der S-Bahn heute täglich das Leben schwer machen?
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