Archiv des Autors: Ulli Fetzer

Kann der S-Bahn-Vertrag vorzeitig gekündigt werden?

Der S-Bahn-Vertrag wurde in 2009 zwischen dem Verband Region Stuttgart (VRS) als Aufgabenträger und der DB Regio Baden-Württemberg als Betreiber (EVU) geschlossen und hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Mit den bundeseigenen DB Konzern-Töchtern DB Netz AG und der DB Station&Service AG, dem Infrastrukturbetreiber (EIU) als dem Hauptschuldigen für die Probleme, besteht leider kein Vertrag, Der Durchgriff der innerhalb der DB AG  hierarchisch untergeordneten DB Regio AG auf die DB Netz AG und DB Station&Service AG ist zwangsläufig heikel.

Die Fraktion DIE LINKE beantragte nun von der Geschäftsstelle des Verbands Region Stuttgart die Beantwortung der Frage nach den Möglichkeiten einer vorzeitigen Kündigung des nicht-öffentlichen S-Bahn-Vertrags, insbesondere  in Bezug auf Schlechtleistung. Wenn Sie die Antragsbegründung lesen wollen, klicken Sie bitte zum Aufklappen auf den nachfolgenden grauen Balken.

Antragsbegründung

Im August 2016 registrierte der VVS-Störungsreport laut Stuttgarter Nachrichten insgesamt 24 teils schwerwiegende Verkehrsstörungen allein durch Stellwerks-, Weichen-, Oberleitungs- und Signalstörungen sowie Brandmeldungen, oft mit Einschränkungen und Zugausfällen bis in die Abend- und Nachtstunden.

Bedauerlicherweise ist die August-Bilanz eher Regel als Ausnahme. Das gehäufte Auftreten von technischen Störungen innerhalb der vergangenen Jahre zeigt nur zu deutlich, wie sehr die S-Bahn Stuttgart, wohl auch aufgrund der kulanten Sonderregelungen während der Stuttgart-21-Bauphase, vom Betreiber Deutsche Bahn auf Verschleiß gefahren wird. Trotz vollmundiger Versprechungen auf dem jährlichen „S-Bahn-Gipfel“ fehlt es sehr offensichtlich an technischer Wartung, Innovation und Prävention.

Die störungsgeplagten Pendler, die den jährlich weiter steigenden Preisen hilflos ausgeliefert sind, erhalten als Gegenleistung zu oft Verspätungen, S-Bahn-Chaos und Zugausfälle und zahlen damit für Schlechtleistung. Die Zufriedenheitswerte, die die ÖPNV-Nutzer der DB für die S-Bahn ausstellen, sind dementsprechend niedrig, die wirtschaftlichen und persönlichen Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Ballungsraum Stuttgart gravierend. Durch die anhaltenden Störungen und Verspätungen entsteht ein mutmaßlich hunderte Millionen Euro schwerer volkswirtschaftlicher Schaden.

Als Träger der S-Bahn obliegt der Regionalversammlung und ihren Mitgliedern die Verantwortung für das zuverlässige Funktionieren der S-Bahn. Mit der Aushandlung des nichtöffentlichen S-Bahnvertrags mit der Deutschen Bahn von 2009 wurden die Mehrheitsfraktionen in der Regionalversammlung diesem Anspruch nicht gerecht. Zu geringfügig sind die Entschädigungszahlungen für verspätete und ausgefallene Züge, zu vage die Qualitätskriterien, zu generös die Ausnahmen während der S-21-Bauzeit, zu zahnlos die Sanktionsmöglichkeiten. Mit dem S-Bahnvertrag degradierten sich die Regionalräte in der Misere zu reinen Bittstellern, deren Appelle die Bahnverantwortlichen unbeeindruckt lassen.

Aufgrund der nicht endenden Qualitätsprobleme, die die Zumutbarkeitsgrenzen für die Fahrgäste längst übersteigen, stellt sich für die Fraktion DIE LINKE daher die Frage, ob eine zeitnahe Kündigung des S-Bahnvertrags aufgrund von Schlechtleistung möglich ist.

Die Verwaltung antwortete wie folgt:

Eine vorzeitige ordentliche Kündigung des am 01.07.2009 in Kraft getretenen Verkehrsvertrages ist ausgeschlossen.

Die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung besteht, wenn eine der beiden folgenden
Voraussetzungen gegeben ist:

  1. Die 6-Minutenpünktlichkeit in der Hauptverkehrszeit liegt im Mittel über zwei aufeinanderfolgende Kalenderjahre unter 80 %. Während der Bauzeit von Stuttgart 21 gilt die Regelung nur für die durch das EVU zu vertretenden Verspätungen.
  2. In zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren entfallen mehr als 1% der planmäßigen Zugkilometer ersatzlos. Zugausfälle aufgrund von Baumaßnahmen an der Infrastruktur, Streiks und mehr als zwei Tage andauernde Störungen (sofern nicht durch das EVU verursacht) werden hierbei nicht berücksichtigt.

Es gelten zudem grundsätzlich die Regelungen nach § 314 des BGB.

Beide Voraussetzungen sind derzeit bei weitem nicht erfüllt, und eigentlich kann auch niemand hoffen, dass sie jemals erfüllt werden. Die Fraktion DIE LINKE hat sicherlich nicht ernsthaft erwartet, die Kündigung des S-Bahnvertrages quasi im Handstreich durchzusetzen.

Durch ihren Antrag wurde aber wenigstens öffentlich bekannt, dass die DB Regio nicht das liefern kann, was der Verband Region Stuttgart bestellt hat und teuer bezahlt, und die DB Netz AG vielfach nicht das liefert, was die DB Regio brauchen würde, um ihrerseits vertragsgemäß liefern zu können.

Die DB Netze™ nimmt Trassengebühren (DB Netz AG) und Stationsgebühren (DB Station&Service AG) ein, vernachlässigt aber trotz gegenteiliger Versprechungen ihre Anlagen und Einrichtungen. Durch Ausnahmeregelungen und eine Deckelung der Pönale (Vertragsstrafe) während der Bauzeit von Stuttgart 21 muss sie bei Minderleistungen keine Sanktionen befürchten und – wenn überhaupt – allenfalls auf einen kleinen Teil ihres Umsatzes verzichten.

Umleitung der S-Bahn beim Ausfall der Stammstrecke

Umfahrung für S-Bahn wird gekappt

… lautet ein Artikel des StZ/StN-Redakteurs Konstantin Schwarz, der am 8.11.2016 zeitgleich in den Online-Ausgaben von StZ und StN erschien und den wir hier kommentieren möchten.

Man hätte den Artikel auch mit Stuttgart 21 wirft seine Schatten voraus überschreiben oder zumindest mit diesem Untertitel versehen können.

So ist zu lesen:

Rund ein halbes Jahr vor der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs wird die Bahn AG die bisherigen Gleise der S-Bahn an die neue Haltestelle Mittnachtstraße anschließen.

Bauarbeiten an der zukünftigen Haltestelle Mittnachtstraße

Bauarbeiten an der zukünftigen Haltestelle Mittnachtstraße

Der Anschluss des neuen S-Bahn-Haltepunkts Mittnachtstraße an die bisherigen Gleise wird auf Grund der engen Platzverhältnisse in der Ein-/Ausfahrt zu und von der Stammstrecke vermutlich eine länger dauernde Gleissperrung einzelner Ein-/Ausfahrtsgleise verursachen. Dies wird bei der Zugfolge von 2,5 min selbst bei geringen Verspätungen einzelner Züge mit Sicherheit zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen im gesamten S-Bahn-Netz führen.

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Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart im Oktober 2016

Wie gewohnt veröffentlichen wir zeitnah die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte für den gerade zu Ende gegangenen Monat Oktober 2016, aber wie bereits im entsprechenden September-Beitrag angekündigt ohne die früher von uns ermittelte und veröffentlichte Ausfallstatistik.

Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

So sieht die ermittelte Pünktlichkeit aller Linien im Oktober 2016 als Balkendiagramm aus:

Pünktlichkeit im Oktober 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit im Oktober 2016 als Balkendiagramm

Und hier die Pünktlichkeit im Oktober 2016 in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 82,0 % 94,7 % 70,6 % 91,2 %
Einzelne Linien
S1 78,2 % 93,4 % 65,6 % 89,2 %
S2 81,5 % 94,3 % 67,5 % 88,9 %
S3 79,3 % 93,0 % 64,5 % 88,7 %
S4 84,3 % 95,2 % 74,5 % 92,3 %
S5 81,7 % 95,7 % 74,4 % 93,3 %
S6 88,7 % 97,4 % 79,3 % 95,3 %
S60 88,1 % 97,4 % 79,7 % 95,6 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

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Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart im September 2016

Wie gewohnt veröffentlichen wir zeitnah die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte für den gerade zu Ende gegangenen Monat September 2016. Die in den letzten Monaten von uns ermittelte und veröffentlichte Ausfallstatistik werden wir allerdings zumindest vorerst nicht mehr veröffentlichen. Wenn Sie wissen wollen warum, klicken Sie bitte auf die nachfolgende Spoiler-Zeile.

Spoiler

Die Komplett- und Teilausfälle für unseren Ausfallwarner werden wie in SBahnStgt Warner beschrieben aus den Haltestellentafeln der DB ermittelt. Geplante, d.h. in den Fahrplan eingearbeitete,  Zug- bzw. Haltausfälle sind dort leider nicht sichtbar.

So waren die wegen der Bauarbeiten für Stuttgart 21 über eine Woche andauernden, geplanten Haltausfälle in Stuttgart-Feuerbach, der Entfall aller Zwischentaktzüge der S4 und S5, sowie die generell vorzeitigen Wenden der S6 in Stuttgart-Zuffenhausen zu keiner Zeit sichtbar. Nachdem diese Bauarbeiten unplanmäßig verlängert werden mussten, hat es dann stundenlang gedauert, bis diese Information in die Auskunft eingearbeitet wurde. Die Halte in Stuttgart-Feuerbach und die Züge fielen also fahrplanmäßig nicht mehr aus, obwohl sie in Wirklichkeit eben doch ausfielen.

Auf der anderen Seite wurden alle Teil-Ausfälle wegen des Brückenanfahrschadens über der B14 bei Backnang bedingte Streckensperrung zwischen Burgstall und Backnang ca. 1 Woche  lang komplett gemeldet, aber eben nur so lange, bis auch die  voraussichtlich bis zum Jahresende 2016 andauernde Sperrung in die Fahrplantafel für die S4 eingearbeitet wurde. Danach existierte die S4 zwischen Backnang und Burgstall im Fahrplan nicht mehr. Die bei der Sperrung der Stammstrecke durchgeführten Tunnelumfahrungen (Umleitung über die Panoramastrecke) werden schon seit längerer Zeit so gut wie gar nicht mehr in den Fahrplantafeln dokumentiert.

Da die Ausfallstatistik durch die Abhängigkeit von der Arbeitsweise der Transportleitung bzw. der Pflege des Informationssystems  mehr oder weniger zufällig und damit unzuverlässig ist, werden wir diese Statistik ab sofort nicht mehr in die monatliche Pünktlichkeitsstatistik einfließen lassen.

Der seither in der Seitenleiste untergebrachte, täglich aktualisierte Ausfallzähler entfällt zukünftig aus demselben Grund.

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Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

Hier die ermittelte Pünktlichkeit aller Linien im September 2016 als Balkendiagramm:

Pünktlichkeit im September 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit im September 2016 als Balkendiagramm

Und hier die Pünktlichkeit im September 2016 in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 84,5 % 95,2 % 75,5 % 92,2 %
Einzelne Linien
S1 82,5 % 94,8 % 72,4 % 91,4 %
S2 82,9 % 94,4 % 73,1 % 90,9 %
S3 81,7 % 94,1 % 69,5 % 90,4 %
S4 87,8 % 96,6 % 81,7 % 94,7 %
S5 85,3 % 96,1 % 78,3 % 94,2 %
S6 87,8 % 95,9 % 77,4 % 92,2 %
S60 91,3 % 97,2 % 86,9 % 95,3 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

 

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Gefährdung der Fahrgastsicherheit in Zuffenhausen

Von Sa. 27.8. bis Sa. 3.9.2016, also rund eine Woche lang, konnten wegen Bauarbeiten für Stuttgart 21 keine S-Bahnen im Bahnhof Feuerbach halten. Diese wurden dort stattdessen über die bahnsteiglosen Ferngleise umgeleitet. Leider gibt es zwischen Feuerbach und Zuffenhausen keine Weiche zwischen den Fern- und S-Bahn-Gleisen (zumindest nicht mehr), so dass die S6 erst ab bzw. nur bis Zuffenhausen fuhr und die Linie S4 und S5 in Zuffenhausen an den Ferngleisen halten mussten. Die Bahnsteige sind dort recht schmal und neben den Abgängen zur Unterführung sogar so schmal, dass der Aufenthalt dort aus diesem Grund untersagt ist.

Dazu erreichte uns folgende Zuschrift eines besorgten Pendlers, den er an den Kundendialog der DB-Baden Württemberg (kundendialog.baden-wuerttemberg@deutschebahn.com) und in Kopie an das Eisenbahnbundesamt, die Stuttgarter Zeitung und an uns geschickt hat:

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Pünktlichkeit und Ausfälle im August 2016

Wie gewohnt veröffentlichen wir die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte, sowie seit einiger Zeit auch die von unserem Ausfallzähler ermittelten Ausfälle der Stuttgarter S-Bahn-Linien für den gerade zu Ende gegangenen Monat August 2016.

Auch dieser Monat kann – zumindest was die S1 und S3 betrifft – nicht mit den Vormonaten verglichen werden, da noch bis zur Monatsmitte die durch die Bauarbeiten zwischen Stuttgart-Rohr und Böblingen bedingten Baustellenlinien S13 und S31 fuhren. Ab der Monatsmitte wurden diese Linien wieder aufgegeben und die S1 und S3 fuhren wieder auf dem Regelweg.

Die temporär eingeführten neuen Linien S13, S31 und S61 wurden wegen des nicht vernachlässigbaren Aufwands auch im August 2016 nur teilweise ausgewertet. Sie wurden nur in der Monatsstatistik, den Twittermeldungen  und unserem →S-Bahn-Monitor berücksichtigt.  Sie finden aber weder Eingang in die Pünktlichkeits- und Verspätungsdiagramme noch in die Monatsvergleichsstatistiken. Bitte beachten Sie, dass  insbesondere die ermittelte Pünktlichkeit der Linien S1 und S3 sowieso nicht mit den Vormonaten verglichen werden können, da bis zur Monatsmitte die Mehrzahl der Verkehre auf diesen klassischen Linien teilweise durch S13 und S31 abgewickelt wurden. Die S61 fuhr nur kurzzeitig und geht daher sowieso kaum in die Statistik ein.

Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

Hier die Pünktlichkeit aller Linien im August 2016 als Balkendiagramm:

Pünktlichkeit ALLER Linien im August 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit ALLER Linien im August 2016 als Balkendiagramm

Und hier die Pünktlichkeit aller Linien im August 2016 in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 89,4 % 97,0 % 84,4 % 95,8 %
Einzelne Linien
S1 86,5 % 95,8 % 79,8 % 93,9 %
S13 89,0 % 98,0 % 82,5 % 97,0 %
S2 88,3 % 96,7 % 80,8 % 94,8 %
S3 88,9 % 97,1 % 82,7 % 95,5 %
S31 82,2 % 93,3 % 78,3 % 92,8 %
S4 92,3 % 97,8 % 88,5 % 96,7 %
S5 90,1 % 97,7 % 86,0 % 96,3 %
S6 93,0 % 98,3 % 88,8 % 97,3 %
S60 95,4 % 98,8 % 94,0 % 98,3 %
S61 94,5 % 99,3 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

A priori war klar, dass die  erforderlichen Bauarbeiten auf der Gäubahn erheblichen Einfluss auf die Pünktlichkeit des gesamten Systems haben werden. Dass die Pünktlichkeit gegenüber dem Vormonat besser wurde, ist erstens der Urlaubszeit und zweitens der Tatsache geschuldet, dass ausgefallene Züge nicht in die Statistik eingehen. Ausgefallene Züge gab es jedoch durch Infrastrukturstörungen wie die 4 Brandmelde(fehl)alarme in einer Woche, die fatale Oberleitungsstörung und die geplanten Bauarbeiten jede Menge, so dass sich der gestresste Pendler wundern wird, dass die Pünktlichkeit besser geworden sein soll.

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Ein Oberleitungsschaden und das desaströse Informationsmanagement

Nicht einmal eine Woche nach den 4 Brandmelde-Fehlalarmen im S-Bahn-Tunnel und der damit verbundenen Sperrung der Stammstrecke hat am frühen Dienstagmorgen (23.08.2016) im Berufsverkehr eine altersschwache Oberleitung ihren Geist aufgegeben und hing herunter. Eine stadteinwärtsfahrende S3  Richtung Backnang kollidierte kurz vor der Einfahrt in die Station Schwabstraße mit ihr. Glücklicherweise hielten im Gegensatz zu einem ähnlichen Ereignis am Abend des 18.2.2015 zu diesem Zeitpunkt gerade alle anderen S-Bahnen auf der Stammstrecke und im Hasenbergtunnel in einem Haltepunkt, so dass bis auf die besagte S3 die Fahrgäste die Bahnen sofort verlassen konnten. Nachdem die Fahrdrahtspannung abgeschaltet, die herabhängende Oberleitung gesichert und der Fahrdraht geerdet war, konnte auch die S3 evakuiert und die mehreren hundert Fahrgäste zur Station Schwabstraße eskortiert werden.

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4 Brandmeldealarme im S-Bahn-Tunnel in einer Woche

Es fällt auf, dass in letzter Zeit im S-Bahn-Tunnel an den 5 Haltepunkten von Stuttgart-Hauptbahnhof (tief) und Stuttgart-Universität immer wieder Brandmeldealarme gemeldet wurden, die sich im Endeffekt als Fehlalarme herausstellten. Den Vogel abgeschossen hat die Woche 33/2016, in der an drei aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 4 solcher Alarme gemeldet wurden, Am Dienstag in Stuttgart-Hauptbahnhof (tief), am Mittwoch in Stuttgart-Universität und am Donnerstag gleich zweimal in Stuttgart-Schwabstraße. Die Stuttgarter Nachrichten haben noch vor dem 4. Alarm im Artikel  Schon wieder Bahnchaos wegen falschem Brandalarm darüber berichtet.

Ein solcher Alarm führt zwangsläufig zu einer Einstellung des S-Bahn-Verkehrs und der Evakuierung der betroffenen Haltestelle, einem Einsatz der Feuerwehr, bis der herbeizitierte Notfallmanager vor Ort geklärt hat, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Keine Frage, dass zur Sicherheit der Fahrgäste eine sofortige Evakuierung und Sperrung unumgänglich ist, wenn nicht sofort geklärt werden kann, dass es sich lediglich um einen Fehlalarm handelt. Was aber nicht sein darf, dass in diesen stark frequentierten Stationen außer Stuttgart Hauptbahnhof (tief) überhaupt kein Personal mehr vorhanden ist, das ggf. sofort entscheiden kann, ob der Alarm zu recht erfolgte und akuter Handlungsbedarf besteht. Die beiden Alarme in Stuttgart-Schwabstraße wurden übrigens durch Staubentwicklung bei Bauarbeiten hervorgerufen. Es darf schlichtweg nicht sein, dass die beauftragten Firmen nicht schon bei der Beauftragung auf entsprechende Risiken hingewiesen werden und ihre Arbeit nicht entsprechend vorsichtig ausführen. Bei den beiden anderen Fehlalarmen wurde noch kein Grund publiziert.

Nachtrag (02.09.2016):

wie wir aus einer gewöhnlich gut informierten Quelle erfuhren, wurde

  • der Brandmeldealarm im Hbt tief durch einen Mitarbeiter eines Shops ausgelöst, der beim Einräumen im Lager einen Brandmelder beschädigt hat.
  • der Brandmeldealarm in S-Universität durch eine Spinne ausgelöst, die das Netz über den Brandmelder gezogen hat, wodurch dieser ausgelöst hat.

Für die infrastrukturelle Ausrüstung und Betrieb der Stationen ist übrigens die DB Station&Service AG, eine Tochterfirma der DB Netze AG zuständig, die zwar für jeden Halt über das Jahr gerechnet jede Menge Stationsgebühren kassiert, es sich bei der Vielzahl der betroffenen Fahrgäste unserer Meinung nach aber zu einfach macht.

Nur 3 der insgesamt 4 Fehlalarme wurden über den VVS Benachrichtigungsservice per E-Mail gemeldet, beim Alarm am Mittwoch in Universität blieb der E-Mail Service stumm und nur über den @VVS Twitter-Account erfolgte eine Information. Wenn ich mich recht erinnere, gab es zu diesem Zeitpunkt keine sonstige Echtzeitinformation, d.h. die Kunden hatten Mühe sich selbst zu informieren.

Pünktlichkeit und Ausfälle im Juli 2016

Nun ist es mit 3 Tagen Verspätung endlich soweit. Hier nun die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte, sowie seit einiger Zeit auch die von unserem Ausfallzähler ermittelten Ausfälle der Stuttgarter S-Bahn-Linien für den gerade zu Ende gegangenen Monat Juli 2016.

Dieser Monat war der erste mit dem durch die Bauarbeiten zwischen Stuttgart-Rohr und Böblingen bedingten Linientausch der Südäste von S1 und S3. Wir haben uns entschlossen, die nur während der Bauarbeiten temporär eingeführten neuen Linien S13, S31 und S61 wegen des nicht vernachlässigbaren Aufwands nur teilweise auszuwerten. Sie werden nur in der Monatsstatistik, den Twittermeldungen  und unserem →S-Bahn-Monitor berücksichtigt.  Sie finden aber weder Eingang in die Pünktlichkeits- und Verspätungsdiagramme noch in die Monatsvergleichsstatistiken. Bitte beachten Sie, dass  insbesonders die ermittelte Pünktlichkeit der Linien S1 und S3 sowieso nicht mit den Vormonaten verglichen werden können, da die Mehrzahl der Verkehre auf diesen klassischen Linien derzeit durch S13 und S31 abgewickelt werden.

Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

Hier die Pünktlichkeit aller Linien im Juli 2016 als Balkendiagramm:

Pünktlichkeit ALLER Linien im Juli 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit ALLER Linien im Juli 2016 als Balkendiagramm

Die Pünktlichkeit der S31 hat sich zwar gegen Ende des Monats etwas erholt, aber unter 60% bei der 3-Minuten-Pünktlichkeit innerhalb der HVZ ist natürlich ein sehr schlechter Wert.

Und hier die Pünktlichkeit aller Linien im Juli 2016 in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 83,0 % 94,4 % 75,9 % 92,3 %
Einzelne Linien
S1 80,4 % 94,1 % 73,6 % 92,3 %
S13 82,2 % 95,0 % 71,1 % 91,7 %
S2 83,0 % 95,4 % 71,9 % 91,8 %
S3 81,5 % 94,7 % 72,1 % 91,3 %
S31 69,0 % 83,8 % 59,6 % 80,5 %
S4 88,8 % 97,0 % 84,2 % 95,8 %
S5 84,9 % 96,6 % 79,1 % 94,8 %
S6 87,1 % 95,7 % 81,0 % 94,1 %
S60 91,0 % 97,2 % 88,7 % 96,6 %
S61 91,6 % 97,6 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

Es war klar, dass die  erforderlichen Bauarbeiten auf der Gäubahn erheblichen Einfluss auf die Pünktlichkeit der S31 haben werden. Die teilweise riesigen Verspätungen der S31 sind natürlich auch bei den anderen Linien nicht ohne Folgen geblieben, denn auf den nur 2 Gleisen der S-Bahn-Strecke zwischen Vaihingen, Schwabstraße und Hauptbahnhof (tief) können die Züge eben nur hintereinander herfahren und sich nicht überholen.

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Pünktlichkeitstendenz für Juli 2016

Die Instandsetzungsarbeiten auf der Gäubahn vom 13.7. bis 10.9.2016 zwischen Stuttgart-Rohr und Böblingen haben nicht nur die Pendler wegen den ungewohnten Linienbezeichnungen und Fahrplänen verwirrt, sondern auch unsere gewohnten Auswertungen durcheinander gebracht.

Nicht zuletzt deswegen wird es in diesem Monat etwas länger dauern, bis die finalen Werte zur Verfügung stehen. Daher schon vor Monatsende ein Zwischenstand.

Im Balkendiagramm und der dazugehörigen numerischen Tabelle sowie in unserem →Monitor haben wir die neuen Linien (S13, S31 und S61) berücksichtigt, nicht jedoch in unseren Übersichten über mehrere Monate, die daher während den Monaten mit den Bauarbeiten mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht erstellt werden.

Vorläufige Pünktlichkeit Juli 2016 (Stand 26.7.2016 - 20:30)

Zwischenstand der Pünktlichkeit Juli 2016 (Stand 26.7.2016 – 20:30)

Pünktlichkeit in Tabellenform

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 82,5 % 94,2 % 75,7 % 92,4 %
Einzelne Linien
S1 79,8 % 93,8 % 73,2 % 92,0 %
S13 80,4 % 94,5 % 69,4 % 91,5 %
S2 82,6 % 95,2 % 71,3 % 91,3 %
S3 82,0 % 95,0 % 72,3 % 91,6 %
S31 66,5 % 82,1 % 57,5 % 78,8 %
S4 88,3 % 96,9 % 83,6 % 95,5 %
S5 84,1 % 96,4 % 78,7 % 94,8 %
S6 87,3 % 96,0 % 81,7 % 95,1 %
S60 91,3 % 97,4 % 89,1 % 97,2 %
S61

Wie bei einer realistischen Einschätzung eigentlich zu erwarten war, hat die auf der derzeit zwischen Rohr und Böblingen eingleisigen Gäubahnstrecke eingesetzte Linie S31 (Backnang ↔ Herrenberg) zu Zeiten hohen Fahrgastandrangs (HVZ) ganz besonders schlechte Ergebnisse erzielt. Die Linien S1 und S3 fahren auf ihren Südästen bekanntlich derzeit nur bis Schwabstraße bzw. Vaihingen und sind daher von sich aus weniger betroffen. Schon deswegen ist ein Vergleich mit den Vormonats- bzw. Vorjahresergebnissen nicht sinnvoll bzw. nicht aussagekräftig.

Weiterhin muss man auch fairerweise feststellen, dass die Zielwerte während der Bauarbeiten zumindest bei der am meisten betroffenen Linie S31 schlichtweg nicht einzuhalten sind.

Zum Andern gab es auch im Juli wieder sehr viele Infrastrukturstörungen.