Archiv des Autors: Ulli Fetzer

Bericht von der Verkehrsausschusssitzung des VRS am 22.2.2017

In dieser Sitzung gab es 3 Tagesordnungspunkte, die die S-Bahn betrafen.

  • TOP 2: S-Bahn-Qualität 2016
  • TOP 3: Konzept zur beschlossenen Kapazitätsausweitung bei der S-Bahn
  • TOP 4: Zusätzliche Weichen zur Erhöhung der betrieblichen Flexibilität zwischen
    Bad Cannstatt und der Mittnachtstraße

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Bahnsteigerhöhung Gleis 1 Feuerbach vorerst abgesagt

Bereits bei der Verkehrsausschusssitzung des VRS am 25.1.2017 (wir berichteten) wurde die Absage thematisiert.

Gleis 1 Feuerbach

Gleis 1 Feuerbach

Hierzu die damalige Sitzungsvorlage VA-17817 des VRS (ab Seite 2, Feuerbach …)

Klicken um den entsprechenden Ausschnitt aus der Vorlage zu lesen

Für die Station Feuerbach, die ebenfalls für den schrittweise weiteren barrierefreien Ausbau der S-Bahn-Stationen in der Region Stuttgart als vorrangig beschlossen wurde, wurde bereits im Sommer 2014 eine Planungsvereinbarung für die Leistungsphasen 1-4 über einen Betrag von 455 T€ (vorläufiger Wert, zu aktualisieren nach der abschließenden Kostenberechnung aus der Entwurfs- und Genehmigungsplanung) zwischen der Region Stuttgart und der DB Station&Service AG abgeschlossen. Die DB hat die Planungen erstellt und einen Förderantrag nach L-GVFG an das Land gestellt, der noch nicht beschieden ist. Zwischenzeitlich wurde über eine Planungsvereinbarung mit pauschalierten Beträgen für die weiteren ausstehenden Leistungsphasen mit der DB verhandelt. Gemeinsame Grundlage war, dass die Bahnsteigerhöhung parallel zu den Baumaßnahmen für Stuttgart 21 in Feuerbach erfolgen sollte. Während der Verlegung der S-Bahnverkehre auf die Gleise 2 und 3 sollten sukzessive die fahrgastfreien Zeiträume für die Bahnsteigerhöhung genutzt werden. Die DB PSU sollte die bauliche Abwicklung an die für S21 tätige Arge beauftragen.

Dagegen teilte die DB S&S am 22.12.2016 einen neuen Sachverhalt mit. Das Angebot der in Feuerbach für S21 tätigen Arge liege nahezu doppelt so hoch wie die Kostenberechnung, die auch Grundlage des GVFG-Antrags war. Insbesondere die aufwendige Baustellenlogistik und Materialversorgung über Kräne, auf Grund der Insellage der Baustellen, wird vom Bauunternehmen zur Begründung der Mehrkosten herangezogen. Um einen Baubeginn am Hausbahnsteig im Februar 2017 gewährleisten zu können, benötigte die Arge noch vor Weihnachten die Zusage der DB. Diese konnte die DB S&S aufgrund der unerwartet hohen Kosten und der dafür fehlenden Finanzierungsgrundlagen nicht geben.

Eine Realisierung der Bahnsteigaufhöhung (Gleis 1 am Hausbahnsteig) im Rahmen des Baufensters der S21 Maßnahme ist somit nicht möglich. Die DB hat diese abgesagt, sie stellte aber in Aussicht, dass sich die Bahnsteigerhöhung am Gleis 1 nach Fertigstellung von S21 baubetrieblich eintakten lasse, jedoch sei die Finanzierung dann neu zu regeln.

Um so erstaunlicher ist es, dass sich der Bezirksbeirat Feuerbach erst Ende Februar mit dem Thema, das zumindest dem VRS bereits spätestens am 22.12.2016 bekannt war,  beschäftigte, obwohl die Arbeiten wie ursprünglich vereinbart bereits hätten beginnen müssen.

Die Stuttgarter Zeitung berichtete:  Stuttgart-Feuerbach: Bahnsteigerhöhung wird verschoben. Thema Barrierefreiheit landet auf dem Abstellgleis

Ein Bezirksbeirat von SÖS wollte eine Erklärung des Bezirksbeirats  erreichen, dass diese einseitige Maßnahme der DB AG missbilligt wird und die Umsetzung der schon 2014 zugesagten Erhöhung kurzfristig erfolgt. Leider war zu dieser Erklärung keine der anderen Fraktionen bereit. Am 28. März wird die DB AG im Bezirksbeirat Feuerbach vortragen. Das reichte allen anderen Fraktionen aus.

Es ist unschwer zu erraten, was dabei herauskommen wird.

Pünktlichkeit der S-Bahn im Januar 2017

Wie gewohnt veröffentlichen wir zeitnah die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte für den gerade zu Ende gegangenen Monat. Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

So sieht die ermittelte Pünktlichkeit aller Linien im Januar 2017 als Balkendiagramm aus:

Pünktlichkeit im Januar 2017 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit im Januar 2017 als Balkendiagramm

Dasselbe in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 87,0 % 96,4 % 77,5 % 94,0 %
Einzelne Linien
S1 85,2 % 96,2 % 75,7 % 93,9 %
S2 85,6 % 95,8 % 74,1 % 92,5 %
S3 84,5 % 95,2 % 73,0 % 92,2 %
S4 90,2 % 97,3 % 82,6 % 95,5 %
S5 88,8 % 97,4 % 80,4 % 95,4 %
S6 90,3 % 97,5 % 81,7 % 95,5 %
S60 90,2 % 97,7 % 82,2 % 95,6 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

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Bericht von der Verkehrs-Ausschuss-Sitzung des VRS am 25.01.2017

Am 25.1,2017 fand die erste Verkehrsausschuss-Sitzung des Verbands in diesem Jahr statt.

Tagesordnungspunkte aus Sicht der S-Bahn bzw. dem SPNV waren

  • TOP 1
    Leistungsbild und weiteres Vorgehen für Untersuchungen zur besseren Anbindung des Filderbereichs an den SPNV und für eine mögliche Ausweitung des SPNV-Angebots im Bereich Korntal/Zuffenhausen/Feuerbach
  • TOP 3 
    Finanzierungsbedarf für einen Halbstundentakt auf der Linie S4 zwischen Marbach a.N.  und Backnang auch am Wochenende
  • TOP 4 
    Bericht zur Barrierefreiheit in der S-Bahn

Der Redakteur Thomas Durchdenwald von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten berichtete unter dem Titel Region untersucht neue Trassen bereits über den TOP 1.

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Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart im Dezember 2016

Wir wünschen heute am Neujahrstag allen unseren Besuchern, der S-Bahn und deren Betreiber, sowie dem Aufgabenträger ein gutes und erfolgreiches neues Jahr.

Wie gewohnt veröffentlichen wir zeitnah die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte für den gerade zu Ende gegangenen Monat. Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

So sieht die ermittelte Pünktlichkeit aller Linien im Dezember 2016 als Balkendiagramm aus:

Pünktlichkeit im Dezember 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit im Dezember 2016 als Balkendiagramm

Dasselbe in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 87,1 % 96,8 % 78,6 % 94,6 %
Einzelne Linien
S1 83,5 % 96,2 % 74,4 % 94,2 %
S2 85,8 % 96,1 % 75,8 % 93,0 %
S3 85,3 % 96,2 % 74,0 % 93,1 %
S4 91,3 % 97,9 % 84,1 % 95,9 %
S5 87,1 % 97,2 % 80,7 % 95,3 %
S6 92,0 % 98,2 % 84,7 % 96,4 %
S60 91,9 % 98,0 % 85,7 % 96,5 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

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RELEX – Der Expressbus für die Region

Zum Fahrplanwechsel am Sonntag, den 11.12.2016 ist der Expressbus RELEX an den Start gegangen. RELEX stellt täglich mindestens stündlich von morgens bis nachts tangentiale Direktverbindungen zwischen den größeren Städten und wichtigen Zielen ohne Umwege mit nur wenigen Zwischenhalten her, die bisher nur recht umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen waren.

Zunächst wurden 3 Relationen in Betrieb genommen:

Relexlinien

  • X10 Kirchheim (Teck) ⇔ Flughafen/Messe
  • X20 Waiblingen ⇔ Esslingen
  • X60 Leonberg ⇔ Flughafen/Messe

Man zahlt den VVS-Zonentarif, also wie beim VVS üblich nur für die befahrenen Zonen. Daher ist eine RELEX-Fahrt meistens billiger als mit der S-Bahn und/oder Bussen, die fast immer einen Umweg über mehrere zusätzliche Zonen fahren. Das Programm RELEX soll zunächst einmal für 5 Jahre aufrechterhalten werden.

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Überlastung der S-Bahn-Stammstrecke – was tun?

Ein gewichtiger Grund (aber bei weitem nicht der einzige) für die unbefriedigenden Pünktlichkeitswerte der S-Bahn Stuttgart insbesondere in der Hauptverkehrszeit (HVZ), ist bekanntlich die häufig auftretende Überlastung der Stammstrecke, also des Teils des Stuttgarter S-Bahn-Netzes, den alle Linien durchfahren. Von allen Seiten wird gefordert, dass es hier ganz schnell Verbesserungen bzw. Entlastungen geben muss.

In diesem Beitrag sollen Ursachen dieser Überlastungssituation erläutert und bereits beschlossene und denkbare zukünftige Maßnahmen erörtert werden.

Fahrgastwechsel in Stuttgart-Hbf (tief)

Fahrgastwechsel in Stuttgart-Hbf (tief)

Bei einer Zugfolge von 15 Minuten für jede der auf der Stammstrecke verkehrenden 6 Linien in der HVZ beträgt der durchschnittliche nominelle Zugabstand 2,5 Minuten (150 Sekunden). In Wirklichkeit lässt sich dieser Zugabstand, wie man täglich beobachten kann, nur in wenigen Fällen realisieren. Es gibt Verspätungen auf praktisch allen Linien, insbesondere auf den ‚langen‘ Linien S1, S2 und S3.

Die hauptsächlichen Gründe kann man in 2 Kategorien einteilen:

  1. Ankunftsverspätung. Die Züge kommen aus verschiedenen Gründen häufig schon verspätet an der Einfahrt zur Stammstrecke an. Die Verspätungen übertragen sich dann zwangsläufig in der Art einer Kettenreaktion auf ursprünglich pünktliche Züge, die dann in der Folge auch verspätet sind. Häufig gerät die im Fahrplan vorgedachte Reihenfolge der Linien durcheinander.
  2. Haltezeitüberschreitung. Insbesondere in Hauptbahnhof (tief) werden die im Fahrplan laut Bahnrichtlinie vorgesehenen Haltezeiten von 36 Sekunden häufig deutlich überschritten und erreichen nicht selten sogar 90 Sekunden, also das 2,5-fache. Die tatsächliche Haltezeit wirkt sich zwangsläufig auch auf die nachfolgenden Züge aus, die ja erst in die Station einfahren können, wenn der vorausfahrende Zug die Station verlassen hat.
    Anmerkung: Die Haltezeit ist die gesamte Zeitspanne zwischen Stillstand des eingefahrenen und dem Losfahren des abgefertigten Zuges. Sie umfasst also die Türfreigabe, das Türöffnen (ggf. mit vorherigem Ausfahren des Schiebtritts), den Fahrgastwechsel, die Türschließung und –verriegelung (ggf. mit nachfolgendem Einfahren des Schiebtritts) und eine kurze Reaktionszeit des Fahrers bis zum Losfahren.

In diesem Beitrag sollen nur Verbesserungsmöglichkeiten für den zweiten Punkt aufgezeigt werden.

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Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart im November 2016

Wie gewohnt veröffentlichen wir zeitnah die von uns aus den Daten des Live-Fahrplans der S-Bahn Stuttgart ermittelten Pünktlichkeitswerte für den gerade zu Ende gegangenen Monat November 2016. Die Monatsverläufe finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

So sieht die ermittelte Pünktlichkeit aller Linien im November 2016 als Balkendiagramm aus:

Pünktlichkeit im November 2016 als Balkendiagramm

Pünktlichkeit im November 2016 als Balkendiagramm

Dasselbe in Tabellenform:

3-Minuten 6-Minuten 3-Minuten 6-Minuten
(GVZ) (GVZ) (nur HVZ) (nur HVZ)
Ziel-Wert 94,5 % 98,0 % 91,5 % 98,0 %
Ist-Wert (alle Ø) 78,5 % 92,8 % 64,6 % 87,5 %
Einzelne Linien
S1 75,0 % 91,8 % 59,0 % 85,3 %
S2 74,9 % 90,2 % 58,7 % 82,6 %
S3 75,7 % 91,0 % 58,0 % 83,8 %
S4 82,0 % 94,5 % 71,5 % 90,7 %
S5 78,4 % 94,5 % 68,1 % 91,3 %
S6 86,9 % 96,6 % 74,9 % 93,4 %
S60 86,8 % 96,6 % 76,8 % 94,1 %

HVZ = Hauptverkehrszeit (Mo.-Fr. 6:00-9:00 und 15:30-19:30, außer an Feiertagen),
GVZ = Gesamt-Verkehrszeit (alle Tage 0-24 Uhr)

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Der S-Bahn-Check des SWR4

Der SWR4 ist ja nicht gerade für fachlich tiefschürfende Sendungen bekannt. Aber alle Achtung, das haben sie ganz gut gemacht, auch wenn das Format des SWR4 für längere Berichte wegen der laufenden Unterbrechungen für Musikeinblendungen nicht besonders geeignet ist.

Bereits am Samstag, den 19.11. hat sich ein Redakteur des SWR4 mit 2 Vertretern von S-Bahn-Chaos.de getroffen und ein Interview gemacht, das Sie →hier – hoffentlich auch noch nach längerer Zeit – nachhören können.

Im Rahmen der Themenwoche folgte am Donnerstag, den 24.11. eine größere Sendung aus dem S-Bahn-Betriebswerk in Plochingen, bei dem Vertreter der DB Regio (Sven Hantel und Dr. Dirk Rothenstein), des Verband Region Stuttgart (Verkehrsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler), und des Landes Baden-Württemberg (Gerd Hickmann vom MVI), auf Seiten der Kritiker der Fahrgastverband ProBahn sowie ein genervter Pendler des Regionalverkehrs zu Wort kamen. Aus nachvollziehbaren  Gründen hat die DB Regio als Gastgeber der Veranstaltung weitere kritische Teilnehmer verhindern wollen. Die einzelnen Beiträge können Sie →hier anhören.

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Kann der S-Bahn-Vertrag vorzeitig gekündigt werden?

Der S-Bahn-Vertrag wurde in 2009 zwischen dem Verband Region Stuttgart (VRS) als Aufgabenträger und der DB Regio Baden-Württemberg als Betreiber (EVU) geschlossen und hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Mit den bundeseigenen DB Konzern-Töchtern DB Netz AG und der DB Station&Service AG, dem Infrastrukturbetreiber (EIU) als dem Hauptschuldigen für die Probleme, besteht leider kein Vertrag, Der Durchgriff der innerhalb der DB AG  hierarchisch untergeordneten DB Regio AG auf die DB Netz AG und DB Station&Service AG ist zwangsläufig heikel.

Die Fraktion DIE LINKE beantragte nun von der Geschäftsstelle des Verbands Region Stuttgart die Beantwortung der Frage nach den Möglichkeiten einer vorzeitigen Kündigung des nicht-öffentlichen S-Bahn-Vertrags, insbesondere  in Bezug auf Schlechtleistung. Wenn Sie die Antragsbegründung lesen wollen, klicken Sie bitte zum Aufklappen auf den nachfolgenden grauen Balken.

Antragsbegründung

Im August 2016 registrierte der VVS-Störungsreport laut Stuttgarter Nachrichten insgesamt 24 teils schwerwiegende Verkehrsstörungen allein durch Stellwerks-, Weichen-, Oberleitungs- und Signalstörungen sowie Brandmeldungen, oft mit Einschränkungen und Zugausfällen bis in die Abend- und Nachtstunden.

Bedauerlicherweise ist die August-Bilanz eher Regel als Ausnahme. Das gehäufte Auftreten von technischen Störungen innerhalb der vergangenen Jahre zeigt nur zu deutlich, wie sehr die S-Bahn Stuttgart, wohl auch aufgrund der kulanten Sonderregelungen während der Stuttgart-21-Bauphase, vom Betreiber Deutsche Bahn auf Verschleiß gefahren wird. Trotz vollmundiger Versprechungen auf dem jährlichen „S-Bahn-Gipfel“ fehlt es sehr offensichtlich an technischer Wartung, Innovation und Prävention.

Die störungsgeplagten Pendler, die den jährlich weiter steigenden Preisen hilflos ausgeliefert sind, erhalten als Gegenleistung zu oft Verspätungen, S-Bahn-Chaos und Zugausfälle und zahlen damit für Schlechtleistung. Die Zufriedenheitswerte, die die ÖPNV-Nutzer der DB für die S-Bahn ausstellen, sind dementsprechend niedrig, die wirtschaftlichen und persönlichen Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Ballungsraum Stuttgart gravierend. Durch die anhaltenden Störungen und Verspätungen entsteht ein mutmaßlich hunderte Millionen Euro schwerer volkswirtschaftlicher Schaden.

Als Träger der S-Bahn obliegt der Regionalversammlung und ihren Mitgliedern die Verantwortung für das zuverlässige Funktionieren der S-Bahn. Mit der Aushandlung des nichtöffentlichen S-Bahnvertrags mit der Deutschen Bahn von 2009 wurden die Mehrheitsfraktionen in der Regionalversammlung diesem Anspruch nicht gerecht. Zu geringfügig sind die Entschädigungszahlungen für verspätete und ausgefallene Züge, zu vage die Qualitätskriterien, zu generös die Ausnahmen während der S-21-Bauzeit, zu zahnlos die Sanktionsmöglichkeiten. Mit dem S-Bahnvertrag degradierten sich die Regionalräte in der Misere zu reinen Bittstellern, deren Appelle die Bahnverantwortlichen unbeeindruckt lassen.

Aufgrund der nicht endenden Qualitätsprobleme, die die Zumutbarkeitsgrenzen für die Fahrgäste längst übersteigen, stellt sich für die Fraktion DIE LINKE daher die Frage, ob eine zeitnahe Kündigung des S-Bahnvertrags aufgrund von Schlechtleistung möglich ist.

Die Verwaltung antwortete wie folgt:

Eine vorzeitige ordentliche Kündigung des am 01.07.2009 in Kraft getretenen Verkehrsvertrages ist ausgeschlossen.

Die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung besteht, wenn eine der beiden folgenden
Voraussetzungen gegeben ist:

  1. Die 6-Minutenpünktlichkeit in der Hauptverkehrszeit liegt im Mittel über zwei aufeinanderfolgende Kalenderjahre unter 80 %. Während der Bauzeit von Stuttgart 21 gilt die Regelung nur für die durch das EVU zu vertretenden Verspätungen.
  2. In zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren entfallen mehr als 1% der planmäßigen Zugkilometer ersatzlos. Zugausfälle aufgrund von Baumaßnahmen an der Infrastruktur, Streiks und mehr als zwei Tage andauernde Störungen (sofern nicht durch das EVU verursacht) werden hierbei nicht berücksichtigt.

Es gelten zudem grundsätzlich die Regelungen nach § 314 des BGB.

Beide Voraussetzungen sind derzeit bei weitem nicht erfüllt, und eigentlich kann auch niemand hoffen, dass sie jemals erfüllt werden. Die Fraktion DIE LINKE hat sicherlich nicht ernsthaft erwartet, die Kündigung des S-Bahnvertrages quasi im Handstreich durchzusetzen.

Durch ihren Antrag wurde aber wenigstens öffentlich bekannt, dass die DB Regio nicht das liefern kann, was der Verband Region Stuttgart bestellt hat und teuer bezahlt, und die DB Netz AG vielfach nicht das liefert, was die DB Regio brauchen würde, um ihrerseits vertragsgemäß liefern zu können.

Die DB Netze™ nimmt Trassengebühren (DB Netz AG) und Stationsgebühren (DB Station&Service AG) ein, vernachlässigt aber trotz gegenteiliger Versprechungen ihre Anlagen und Einrichtungen. Durch Ausnahmeregelungen und eine Deckelung der Pönale (Vertragsstrafe) während der Bauzeit von Stuttgart 21 muss sie bei Minderleistungen keine Sanktionen befürchten und – wenn überhaupt – allenfalls auf einen kleinen Teil ihres Umsatzes verzichten.