Archiv der Kategorie: Stuttgart 21

Immer mehr Schienenersatzverkehr statt S-Bahnverkehr

Die Realität der Stuttgarter S-Bahn sieht derzeit so aus: Immer schlechtere Pünktlichkeit und, ebenso häufig wie andauernd, irgendwelche Streckensperrungen teilweise mehrfach für die gleichen Streckenabschnitte. Dazu kommt eine geradezu paradoxe Terminsituation: Die Fertigstellung der Stuttgarter Megaprojekte Stuttgart 21 (S21) und Digitaler Knoten Stuttgart (DKS) befinden sich, so wird behauptet, auf der „Zielgerade“, die Deutsche Bahn muss sich aber gleichzeitig mehr als ein halbes Jahr Zeit bis zu einer standfesten Aussage nehmen, ob, wann und in welchen Etappen man das Ziel wirklich erreichen wird. Der aktuell gefühlte Dauerzustand im Stuttgarter S-Bahnnetz ist Schienenersatzverkehr, dessen Abkürzung SEV gute Chancen hätte, in Stuttgart zur Abkürzung des Jahres gewählt zu werden. Und anscheinend wird es 2027 noch erheblich mehr SEV geben wie 2025 oder 2026.

Wenn man etwas genauer auf den SEV schaut, findet man zudem Erstaunliches: Der SEV bei der S-Bahn scheint für den Verband Region Stuttgart (VRS) preisgünstiger zu sein als regulär gefahrener S-Bahnverkehr.

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S-Bahn Stuttgart im Jahr 2025 – Schlimmer geht immer

Vor einem Jahr haben wir über die historisch schlechte Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart im Jahr 2024 berichtet und dabei die Hoffnung geäußert, dass jetzt vielleicht wirklich der Tiefpunkt erreicht wurde und es mit der Pünktlichkeit wieder bergauf geht. Diese Hoffnung wurde im letzten Jahr leider bitter enttäuscht. Fast in jedem Monat gab es Negativrekorde und die Pünktlichkeitswerte stürzten weiter ab. So unpünktlich wie 2025 war die S-Bahn Stuttgart noch nie zuvor.

Verlauf der Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2013-2025

Verlauf der Pünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart 2013-2025 – Gleitender 12-Monate-Mittelwert

Die Zielwerte für die Pünktlichkeit wurden 2025 krachend verfehlt:
3-Minuten-Pünktlichkeit: 68,0 % (-26,5 % ggü. Zielwert 94,5 %)
6-Minuten-Pünktlichkeit: 85,5 % (-12,5 % ggü. Zielwert 98,0 %)

Im Jahr 2025 stechen besonders die Monate März, April, Mai und der Oktober mit historisch schlechter Pünktlichkeit hervor.

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Droht in Stuttgart der S-Bahn Kollaps?

Implodiert die Stuttgarter S-Bahn? Diese kritische und auch bange Frage stellte die renommierte Fachzeitschrift „Eisenbahn-Revue International“ vor gut zehn Jahren in einem Artikel in ihrer Ausgabe 6/2013. Kernaussagen des Artikels waren, dass die Stuttgarter S-Bahn mit steigenden Fahrgastzahlen an ihre Kapazitätsgrenzen stößt und dass Probleme mit neuen Zügen und Netzerweiterungen zu längeren Haltezeiten und mehr Verspätungen führen. Im Artikel wurde davor gewarnt, dass der Bau von Stuttgart 21 voraussichtlich zu weiterem Chaos und längeren Umsteigewegen führen wird. Trotz zunehmender Verspätungen und absehbarem Chaos hatte der Verband Region Stuttgart (VRS), selbst mehrheitlich glühender Verfechter von Stuttgart 21, damals kein Machtwort gegenüber der DB gesprochen, sondern sie gewähren lassen.

Diesen Artikel nahmen wir seinerzeit zum Anlass, die Informationsplattform S-Bahn-Chaos.de zu gründen. Einige Zeit später waren die Fahrzeugprobleme mit den Schiebetritten der damals noch neuen Baureihe 430 behoben und bei jährlichen Konferenzen, den sogenannten S-Bahn Gipfeln, wurden weitere Verbesserungen in Aussicht gestellt.

Damals wurden wir gefragt, ob es nun nicht an der Zeit wäre, den Namen S-Bahn-Chaos abzulegen und uns entweder umzubenennen oder gleich ganz aufzulösen. Wir haben das damals abgelehnt und der weitere Verlauf der Geschichte sollte uns recht geben. Denn bald darauf ging es mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der S-Bahn Stuttgart wieder bergab. Nur das Corona-Virus und die damit verbundenen Einschränkungen sorgten zwischenzeitlich noch einmal für eine Verschnaufpause. Das vergangene Jahr 2023 war dann schließlich das mit großem Abstand unpünktlichste Jahr der S-Bahn Stuttgart, wie die offiziellen Zahlen der DB Regio jetzt belegen.

Pünktlichkeitsverlauf S-Bahn Stuttgart 2013-2023 (Gleitender 12-Monate-Mittelwert)

Pünktlichkeitsverlauf S-Bahn Stuttgart 2013-2023 (Gleitender 12-Monate-Mittelwert)

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Was die Fahrgäste nach der Stammstreckensperrung 2023 erwartet …

Eine hervorragende Zusammenfassung von Peter Schwarz vom Zeitungsverlag Waiblingen.

Der Zeitungsverlag Waiblingen erteilte unserem Portal freundlicherweise die Genehmigung zur Veröffentlichung des Artikels.


Bahn-Baustellen belasten Pendler: Enorm wichtige Strecke Aalen-Stuttgart gleich dreifach betroffen

https://www.zvw.de/rems-murr-kreis/bahn-baustellen-belasten-pendler-enorm-wichtige-strecke-aalen-stuttgart-gleich-dreifach-betroffen_arid-698800

Von Peter Schwarz (Zeitungsverlag Waiblingen, zvw.de)

Die Deutsche Bahn (DB) hat für die Baustellenzeit im September den nächsten Notplan vorgelegt: Bahnreisende müssen weitere Einschränkungen schlucken. Aber damit ist die Malaise nicht vorbei: Auch zwischen Oktober und Februar stehen Arbeiten an. Was kommt auf uns zu? Die Analyse.

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Ende der Streckensperrung zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt

In der Nacht zum Samstag, den 29.07.2023 soll die 11-wöchige Streckensperrung für den Schienenverkehr laut DB AG zwischen den Bahnhöfen Waiblingen und Bad Cannstatt zu Ende sein. Danach schließt sich unmittelbar die Stammstreckensperrung 2023 an. Das heißt für die S-Bahn weiterhin: nur 30 min Takt, auch in den Hauptverkehrszeiten.

Wir haben bewusst darauf verzichtet, während der Streckensperrung Beiträge oder Kommentare zu veröffentlichen, obwohl uns manches unter den Nägeln brannte. Hier hat insbesondere der Zeitungsverlag Waiblingen immer wieder kritisch von den negativen Beobachtungen der Reisenden berichtet.

Der Hammer: der VVS hat bereits am Mi, 26.7. bei einer Störung der Stadtbahnstrecke zwischen Bad Cannstatt und Fellbach empfohlen, in Fellbach auf die S2 oder S3 umzusteigen. Leider fuhren die S-Bahnen während der Zeit der Streckenvollsperrung zwischen Waiblingen überhaupt nicht und solche womöglich automatischen Textbausteine aus ‚Normalzeiten‘ sollten im Interesse einer zuverlässigen Information der Fahrgäste unbedingt vermieden werden.

Ein Reisendenlenker hat mir gestern ein ‚Herzchen‘ der S-Bahn-Stuttgart resp. der DB überreicht, mit dem sich die S-Bahn bei allen bedankt. Weiterlesen

Pfaffensteigtunnel — wirklich ein Grund zur Freude für die S-Bahn?

Ein Rückblick in die Historie zeigt, dass die S21-Planung auf den Fildern zunächst eine ziemlich mickrige Lösung vorsah: die S-Bahn sollte sich im Flughafen-Terminalbahnhof für beide Richtungen mit einem Gleis begnügen und das heutige zweite Gleis an die Gäubahnzüge abgeben. Auch eine im Jahr 2015 gefundene Kompromisslösung „Drittes Gleis“ bekam in mehreren Gutachten bescheinigt, dass der Mischverkehr von S-Bahn-, Regional- und Fernzügen zwischen Rohr und Flughafen zu Problemen führen würde.

Vor etwa zwei Jahren wurde für die zukünftige Führung der Gäubahn zwischen Böblingen und Flughafen ein ca. 12 Kilometer langer Tunnel ins Gespräch gebracht – heute unter dem Begriff Pfaffensteigtunnel geführt, benannt nach dem Gewann, nahe dem der Tunnel bei Böblingen-Mönchsbrunnen von der Gäubahnstrecke abzweigen würde. Darauf gab es in den Gemeinden an der S-Bahnstrecke Rohr – Flughafen ein geradezu hörbares Aufatmen. Denn so müsste die S-Bahn auf den Fildern sich nicht die Gleise mit den Regional- und Fernzügen der Gäubahn teilen, und die Anwohner hätten keinen zusätzlichen Schienenlärm durchfahrender Züge zu ertragen.

Plan Pfaffensteigtunnel

aktuelle Planung des Pfaffensteigtunnels (c) DB Engineering & Consulting

Allerdings sind Zweifel anzumelden, ob der Pfaffensteigtunnel tatsächlich die „rettende Idee“ ist und die S-Bahn von den Restriktionen und Engpässen der bisherigen Planung verschont. Weiterlesen

Was wo klemmen wird – Übersicht über sperrungsreiche Monate

In der Sitzung des Verkehrsausschusses der Region Stuttgart vom 15.03.2023 standen neben anderen interessanten Themen die geplanten Sperrungen aufgrund der Installation der Leit- und Sicherungstechnik des digitalen Knotens Stuttgart im BrennpunktKlicken für Folienvortrag der DB. Darüber berichteten neben Rüdiger Weiß von der DB Netz auch Olaf Drescher von der Projektgesellschaft Stuttgart Ulm (DB PSU), die das Sperrkonzept gegen viel Kritik aller Regionalratsfraktionen verteidigen mussten.

In mehreren unmittelbar oder mit nur kurzem Abstand aufeinanderfolgenden Phasen sollen diverse Zulaufstrecken nach Stuttgart teilweise oder komplett gesperrt werden. Besonders betroffen werden ab 21. April zunächst die Achsen nach Waiblingen und Esslingen sein. Über die Bauphasen bis zum Ende der Sommerferien wollen wir hier einen Einblick geben. Nach den Sommerferien soll sich der Schwerpunkt der Bauarbeiten mit Behinderungen und Sperrungen auf den Bereich zwischen S-Vaihingen und Filderstadt sowie Böblingen richten, wodurch auch hier große Auswirkungen auf den Betrieb zu erwarten sind.

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Der Offenbarungseid der DB – Vollsperrung der Rems- und Murrbahn für 4 Wochen

Darf das wirklich wahr sein, eine Vollsperrung der gesamten Bahnstrecke zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen vom 12.5. bis 9.6. also für die Dauer von 4 Wochen? Also bereits in gut fünf Wochen, ohne dass ein konkreter Sperrfahrplan vorliegt und man sich infolgedessen über einen Ersatzverkehr noch gar nicht verständigt haben kann. Dass danach bis zum 29.7. nur noch Teilsperrungen erforderlich sind, beruhigt nicht wirklich.

Gleissperrung

Gleissperrung ©2023 S-Bahn-Chaos

Und für das Spätjahr 2023 sind vergleichbare Sperrungen auch für den Bereich Vaihingen – Böblingen / Flughafen angekündigt. Hierzu werden wir in nächster Zeit einen weiteren Beitrag veröffentlichen, aber uns in diesem Beitrag zunächst nur auf den Raum Bad Cannstatt – Waiblingen konzentrieren.

Hat man etwa erst jetzt bemerkt, dass digitale Stellwerke auch verkabelt werden müssen? Oder geht es in Wirklichkeit nur um die Erneuerung der in die Jahre gekommenen konventionellen Signalisierung? De facto scheint man unverständlicherweise ausgeblendet zu haben, dass die Ausrüstung des Fahrzeugmaterials mit ETCS/ATO auf offenbar so kritischem Weg ist und ernstlich länger dauern wird, sodass man auch nach Dezember 2025 auf konventionelle Signaltechnik nicht verzichten kann. Jetzt besteht der Zugzwang, hunderte Kilometer Kabel für die konventionelle Technik verlegen zu müssen. Anscheinend will man das jetzt — ohne Rücksicht auf Verluste? – über die Bühne peitschen.

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Der S-Bahn Fahrplan nach Eröffnung von S21

Am Mittwoch, 21.09., findet eine Sitzung des Verkehrsausschusses der Region Stuttgart statt. Dort soll u.a. der Fahrplan vorgestellt werden, der bei der S-Bahn Stuttgart nach der ersten Inbetriebnahmestufe von Stuttgart 21, also nach derzeitiger Planung ab Dezember 2025, gelten soll. Nun könnte man denken, S21 würde die S-Bahn sowieso nur am Rande tangieren und alles würde beim alten bleiben. Von wegen: obwohl sich grundlegend tatsächlich wenig ändert, wird es deutliche Nachteile für die S-Bahn geben, die wir hier vorstellen möchten.

Doch warum braucht es überhaupt Änderungen im Netz? Aufgrund des neuen Haltes an der Mittnachtstraße brauchen alle Linien (außer die S62) in beide Richtungen zwei Minuten mehr Fahrzeit, die aufgrund von Trassenkonflikten mit dem Regional-/Fernverkehr nicht immer an den Außenästen angehängt werden kann.

S1: Herrenberg – Kirchheim (Teck)
Zwischen Herrenberg und Stuttgart bleiben die bisherigen Fahrzeiten erhalten. Auch der zweistündliche Trassenkonflikt mit dem IC zwischen Böblingen und Herrenberg, der seit dem letzten Fahrplanwechsel am 12.09. durch das Auslassen einiger Zwischenhalte der betroffenen S1-Züge entschärft wird, besteht weiterhin, auch wenn die Züge zukünftig in Vaihingen, Stuttgart-Nord oder Böblingen enden sollen. Zwischen Bad Cannstatt und Kirchheim/Teck verschieben sich die Fahrzeiten um zwei Minuten nach hinten (⇒ Kirchheim) bzw. vorne (⇒ Herrenberg). Dadurch verkürzt sich die Umsteigezeit zur Teckbahn um 2 und die Wendezeit in Kirchheim um 4 Minuten. Die Zwischentaktzüge sollen während der Zeit des 15-Minuten-Taktes dann neu bis Wendlingen verlängert werden, wodurch Wernau und Wendlingen einen Viertelstundentakt erhalten werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen jene Züge dann bis Nürtingen verlängert werden.

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„Fernwanderwege“ im Hauptbahnhof oder „Vom Umsteigen wird abgeraten“

Fortsetzung von
Unser Kommentar zum Gastbeitrag ‚Unzumutbare Wegführung am Hauptbahnhof‘

„Fernwanderwege“ im Hauptbahnhof oder „Vom Umsteigen wird abgeraten“

Bitte beachten: da sich die Bauzustände im Detail fast täglich etwas ändern, können manche Fotos bereits überholt sein.

Wer am Hauptbahnhof von der Stadtbahn, Bussen oder S-Bahn in Regional- oder Fernzüge oder umgekehrt umsteigen möchte, muss gut zu Fuß sein. Wenn man Gepäck bei sich hat und statt im Laufschritt die Treppe zu nehmen auf Aufzug und Rolltreppe angewiesen ist, braucht man mindestens 10 – 12 Minuten, bis man vom S-Bahnsteig seinen Einstiegsplatz auf dem Bahnsteig im Kopfbahnhof erreicht hat. Das ist schon einige Zeit so, wird sich demnächst aber weiter verschlechtern.

2011 war von DB Station und Service Südwest noch hochheilig versprochen werden, immer zwei Übergänge zwischen Bahnhofshalle und Querbahnsteig vorzuhalten. Nach derzeitiger Planung soll im Februar oder März 2022 der einzige noch verbliebene Übergang zwischen dem Querbahnsteig bei Gleis 15-16 und der Wandelhalle abgebaut und durch einen neuen Übergang etwa 100 Meter (!) weiter östlich ersetzt werden. Um den Bauablauf bei S21 nicht zu stören bzw. zu verlängern, sei dies unumgänglich.

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