Archiv der Kategorie: Verband Region Stgt (VRS)

Internet per WLAN in der S-Bahn im Praxistest

Da derzeit nur zwei Züge der S-Bahn Stuttgart testweise mit einem Internetzugang per WLAN ausgestattet sind, dauerte es ein paar Tage, bis wir das Angebot testen könnten. Hier nun unser erster Praxisbericht.

Mit WLAN ausgestattete S-Bahn

Mit WLAN ausgestattete S-Bahn

Technik

Die mit WLAN ausgerüsteten Wagen sind an den Türen und Fenstern auffällig gekennzeichnet. Anscheinend ist immer nur ein Wagen des Zuges mit WLAN ausgestattet. Im Zug wird der kostenlose Internetzugang per WLAN auch auf den Monitoren und in ausgelegten Flyern beworben und erklärt.

Monitor mit Hinweis auf WLAN

Monitor mit Hinweis auf WLAN

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Der Schiebetritt (und das „S“) kommt zurück

Wir haben uns bereits seit Längerem gefragt, ob der Schiebetritt bei den neuen Fahrzeugen der Baureihe ET 430 überhaupt noch wiederkommt, denn es ist mittlerweile sehr ruhig um ihn geworden. Rückfragen bei Insidern nach dem Stand der Tests des neu entwickelten Schiebetritts blieben unbeantwortet oder sehr vage. Erst heute melden die Stuttgarter Nachrichten (StN) in Schiebetritt wird wieder ausgefahren (hoffentlich wird er anschließend auch wieder eingefahren!), dass es ab Montag, den 4.1.2016 so weit sei und der Schiebetritt auch im Fahrplanbetrieb getestet wird:

Seit Oktober werden die ET 430 Zug um Zug im Depot des Museums Eisenbahn-Erlebniswelt in Horb am Neckar umgebaut. Bisher sind acht von 87 fertig, bestätigt Bombardier-Sprecher Andreas Dienemann: „Das Eisenbahnbundesamt hat am 8. Dezember die Zulassung für die Fahrzeuge mit der aktuellen ­Lösung beschieden“, sagt Dienemann. ­Damit kann Bombardier die ersten Züge ins S-Bahn-Netz schicken. „Ab 4. Januar beginnt eine Testphase mit drei Fahrzeugen“, sagt der Mann aus Berlin, diese werden zu Fahrplanzeiten regulär im System unterwegs sein und von den Fahrgästen auf die Probe gestellt.

Die Umrüstung erfolgt im Depot des Museums Eisenbahn-Erlebniswelt in Horb
… so manche S-Bahnfahrt kann tatsächlich zum Erlebnis werden!

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Die Bahn schlampt bei den VVS-Störungsmeldungen

Am Dienstag 22.12.2015 kurz vor 21 Uhr kam es im S-Bahn-Tunnel zwischen den Stationen Schwabstraße und Universität zu einer Signalstörung. Diese Störung sowie die daraus resultierenden Verspätungen wurden von der Bahn im RIS (ReisendenInformationsSystem) vermerkt, dort von unserem Verspätungswarner gefunden und getwittert:

Verspätungswarnung wegen Signalstörung

Verspätungswarnung wegen Signalstörung

Verspätungsgrund Signalstörung

Verspätungsgrund Signalstörung

Von der Signalstörung waren alle Züge der Linien S1, S2 und S3 Richtung Herrenberg bzw. Flughafen/Messe und Filderstadt betroffen. Es kam bis ca. Mitternacht zu teils massiven Verspätungen, die sicher auch zu verpassten Anschlüssen geführt haben. Zwei Züge der S2 wurden über Stuttgart Hbf (oben) und die Gäubahnstrecke bis Stuttgart Vaihingen umgeleitet. Weiterlesen

Was bedeutet die S21-Kompromisslösung „Drittes Gleis“ am Flughafen für die S-Bahn?

Beim S-Bahn-Gipfel des Verbands Region Stuttgart am 15.04. hat der Verkehrsausschuss des Regionalparlaments  der Kompromisslösung „Drittes Gleis“ im S21-Planabschnitt Rohr – Flughafen als Gesamtpaket bei nur zwei Gegenstimmen zugestimmt. Mit dieser Lösung bleibt der bestehende Terminalbahnhof wie heute der S-Bahn vorbehalten, die neue Rohrer Kurve soll ohne niveaugleiche Kreuzungen auskommen und Stuttgart-Vaihingen soll Regionalbahnhof werden. Als weiterer wesentlicher Grund für die Akzeptanz des Kompromisses wurde die Option einer S-Bahnverlängerung ins Neckartal genannt.

Was nicht zu bestreiten ist: Der Kompromiss enthält gewisse Verbesserungen, die die bisher geplante „Antragstrasse“ nicht hatte. Natürlich stellt sich die Frage, ob und was die S-Bahn in Zukunft real von dem Kompromiss hat.

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Vorschau zum S-Bahn-Gipfel am 15.4.2015

Am Mittwoch, den 15.4.2015,  laut Einladungsschreiben um 14:30 (oder um 15:30 wie auf der Einstiegsseite des VRS bei Aktuelle Termine verzeichnet?), findet beim Verband Region Stuttgart, Kronenstraße 25 im Sitzungssaal 5. OG im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses der Region Stuttgart der nächste S-Bahn-Gipfel statt.

Themen des S-Bahn-Gipfels sind laut Einladung:

  1. S-Bahn-Gipfel – Gesamtbericht der DB, Antrag der SPD-Fraktion vom 03.11.2014, Pünktlichkeit der S-Bahn: ÖPNV-Pakt umsetzen, Monitoring aufrechterhalten – Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 31.10.2014.
  2. Notfallmanagement bei der S-Bahn – Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 23.02.2015.
  3. Fahrgastinformation bei Schienenersatzverkehr verbessern – Antrag der SPD-Fraktion vom 03.11.2014.
  4. Notfallsäulen auf S-Bahn/U-Bahnsteigen – Antrag der FDP-Fraktion vom 18.10.2013.
  5. Sicherheit und Sauberkeit bei der S-Bahn – Antrag der SPD-Fraktion vom 02.02.2015.

Man darf gespannt sein, wie man sich nach dem in der Geschichte der S-Bahn-Stuttgart schlechtestem Jahr 2014 trotz der Pünktlichkeits- und Qualitätsoffensive (Programm  4+1) und bereits durchgeführter Maßnahmen – teilweise auch aus dem bereits 2013 entwickelten 15-Punkte Gesundungsprogramm des VCD – aus der Affäre zieht. Es ist zu befürchten, dass behauptet wird, dass 2014 ein bedauerlicher Ausreißer war und man auf einem guten Weg sei, wie die bisherigen Statistiken des Jahres 2015 deutlich zeigten. Die Wahrheit werden die nächsten Monate zeigen.

Einen kleinen Vorgeschmack können Sie sich bei der Stuttgarter Zeitung im Artikel „Die S-Bahnen sind blitzsauber, aber zu oft verspätet“ holen. Immerhin wird auch vom VRS die Pünktlichkeitssituation 2014 als unerfreulich bezeichnet.

Kein Thema scheint das Dilemma um die neuen S-Bahn-Züge ET 430 mit den nach wie vor deaktivierten Schiebetritten zu sein. Wenn es stimmt, dass – wie hinter vorgehaltener Hand behauptet – die DB-Regio den Verband Region Stuttgart dringend vor einer Beschaffung der ET 430 mit Schiebetritten gewarnt habe, dann darf eine solche Information wirklich nicht im stillen Kämmerlein abgetan werden. Sie erinnern sich: Der VRS hat als einziger S-Bahn-Aufgabenträger in Deutschland die ET 430 mit Schiebetritt bestellt. Das hatte zur Folge, dass die Fußbodenhöhe der Stuttgarter ET 430-Flotte um ca. 6 cm erhöht werden musste und dadurch zwischen Schiebetritt und Wagenfußboden eine ca. 6 cm hohe Schwelle entstand. Diese ist nach Aussage von Rollstuhlfahrern für schwere Rollstühle selbst bei Bahnsteigen mit 96 cm Höhe nicht überwindbar, ganz abgesehen davon, dass der Schiebetritt eine ziemlich wacklige Angelegenheit ist. Experten sind der Meinung, dass der Schiebetritt und der Ausfahrmechanismus bei einer Einbauhöhe von gerade einmal 5 cm nicht robust genug sei, im harten Dauereinsatz zu bestehen.

Einladung, Anträge usw. zum Download von der Portalseite des VRS.

ETCS kann die Probleme der Stuttgarter S-Bahn nicht lösen!

In den vergangenen Wochen gab es verschiedene Publikationen zu einer Studie des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart GmbH (VWI), in der die Vorteile eines Einsatzes des Systems ETCS (European Train Control System) für die Stuttgarter S-Bahn beleuchtet werden. Das Ergebnis der Untersuchung wurde weithin mit Freude zur Kenntnis genommen und führte verbreitet zu dem Fazit, ETCS könne einen markanten Beitrag zur Lösung der Probleme der Stuttgarter S-Bahn leisten, ja sogar bis zu einem Drittel mehr Züge als heute ermöglichen.

Diese Schlussfolgerung ist falsch, ETCS kann die Probleme nicht lösen. Die errechneten Leistungssteigerungen erscheinen theoretisch. Selbst wenn sie erreicht würden, wären sie nicht ETCS zuzurechnen, sondern infrastrukturellen Veränderungen, die auch ohne ETCS gut genutzt werden können.

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Pressespiegel KW 4 / 2015

Nach dem Schwarzen Montag am 19.1., der den geplagten S-Bahn-Kunden sage und schreibe fast 60 Teil- und Komplettausfälle beschert hat und nach der Veröffentlichung der offiziellen Pünktlichkeitsstatistik für Dezember 2014 (wir berichteten hier und hier) hat die Lokalpresse mit zum Teil sehr drastischen Worten über den Zustand der S-Bahn und deren Verantwortliche berichtet.

Hier ein Auszug aus den Presseartikeln der letzten Tage:

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Kommentar und Alternativen zum Benachrichtigungsservice des VVS

Der VVS ist u.a. für die Information der Fahrgäste bei Störungen und Fahrplanänderungen im Bereich des Verkehrsverbunds zuständig. Er bietet außer der Fahrplanauskunft auch einen kostenfreien Benachrichtigungsservice an, über den man sich nach einer Registrierung, per Email und/oder SMS über Fahrplanänderungen und aktuelle Störungen informieren lassen kann.

Im Prinzip ist das eine schöne Sache, nur in der Praxis kann man sich auf die aktuellen Störungsmeldungen – insbesondere die aus dem Bereich der Bahn – überhaupt nicht verlassen, da kleinere Störungen überhaupt nicht und selbst Großstörungen nicht immer gemeldet werden.
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Pünktlichkeit – quo vadis? (Update)

Es darf darüber spekuliert werden, warum die DB Regio ihre offiziellen monatlichen Pünktlichkeitswerte für den August 2014 erst am 29.9. und nicht wie versprochen in der Mitte des Folgemonats also bereits vor ca. 14 Tagen veröffentlicht hat.

Ist es die Angst der Projektpartner vor der Erörterungsverhandlung des Planfestellungsabschnitts PFA1.3 (Filderbereich mit Flughafenanbindung) für Stuttgart 21 und der damit verbundenen Diskussion um einen Kollaps der S-Bahn auf den Fildern, wie ein bisher unter Verschluss gehaltenes, aber mittlerweile auch öffentlich verfügbares Gutachten der TU Dresden prophezeit?

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gutachten-zur-fildertrasse-s-bahn-nur-noch-drei-sekunden-puffer.446d3c14-1bde-4a04-baac-9339f1feb1cc.html

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.fildertrasse-fuer-stuttgart-21-gutachter-befuerchten-massive-verspaetungen.765f4d99-f6d0-4104-b54b-07768276c368.html

Denn Frohlocken über die Erholung im August 2014 ist bestimmt nicht angesagt! Das dicke Ende kommt noch! Im Interesse der Fahrgäste können wir nur hoffen, dass es nicht noch schlimmer kommt!

Auf jeden Fall zeichnet sich für den September 2014 ein weiterer Tiefpunkt in der Pünktlichkeitsgeschichte der Stuttgarter S-Bahn ab. Wie von uns prognostiziert war die Erholung im August wie in jedem Jahr offensichtlich lediglich den Sommerferien bzw. der Urlaubszeit geschuldet.

Auf den nachfolgenden Diagrammen ist der bisherige Jahresverlauf 2014 der 3- und 6-Minuten-Pünktlichkeiten der einzelnen S-Bahnlinien bis einschließlich Sonntag, 28.09.2014 um 07:00 abzulesen. Bitte beachten Sie, dass sich die dargestellten Werte bzw. Kurven auf die Gesamt-Verkehrszeit (0-24 Uhr) beziehen. Die Pünktlichkeitswerte zu den Hauptverkehrszeiten sind noch einmal spürbar schlechter.

Linienvergleich der 3-Minuten-Pünktlichkeit 2014 (bis 27.9.)

Linienvergleich der 3-Minuten-Pünktlichkeit 2014 (bis 27.9.)

So ist die 3-Minuten-Pünktlichkeit der S3 im Monatsmittel für September bereits auf 75% gesunken und auch die Werte der übrigen Durchmesserlinien S1 und S2 liegen deutlich unter 80%. Wohlgemerkt bei einem Sollwert von 94,5%!

Linienvergleich der 6-Minuten-Pünktlichkeit 2014 (bis 27.9.)

Linienvergleich der 6-Minuten-Pünktlichkeit 2014 (bis 27.9.)

Die S2 und S3 liegen demzufolge bei der 6-Minuten-Pünktlichkeit bei ca. 91%, die S1 bei gut 92%. Zur Erinnerung: der Sollwert liegt bei 98%!

Ein Grund für die Verschlechterung der Pünktlichkeit bei diesen Linien scheint die Umstellung auf die neuen Züge der Baureihe 430 (BR430) zu sein. Die Türen dieser Züge öffnen mit mehreren Sekunden Verzögerung und haben trotz deaktivierter Schiebetritte immer noch mit häufigen Türstörungen zu kämpfen.
Die Linie S1 wurde von Dezember 2013 bis April 2014 schrittweise umgestellt. Bei der Linie S3 erfolgte die Umstellung an einem Wochenende Mitte August 2014. Bei der Linie S2 soll die Umstellung schrittweise bis Ende 2014 erfolgen.
Die Pünktlichkeitskurven oben untermauern die These, dass die neuen Züge einen negativen Einfluss auf die Pünktlichkeit haben. Mit der bis zum Jahr 2017 geplanten Reaktivierung der Schiebetritte in den Zügen steht jetzt schon fest, dass sich die realen Haltezeiten weiter verlängern werden, „beste Voraussetzungen“ für eine chronische Unpünktlichkeit.

Das oben erwähnte Gutachten der TU Dresden kommt zu dem Schluss, dass ausgerechnet die auf den Fildern verkehrenden S-Bahnlinien S2 und S3, die eh schon die Schlusslichter bei der Pünktlichkeit sind, unter dem bei Stuttgart 21 geplanten Mischverkehr zwischen der Rohrer Kurve und dem Flughafenbahnhof leiden werden. Langsame S-Bahnen die mehrfach anhalten müssen und schnelle ICEs die durchfahren sollen, passen einfach nicht zusammen auf eine Strecke. Pufferzeiten von teilweise nur wenigen Sekunden zwischen diesen Zuggattungen im störungsfreien Betrieb zeugen von einem Fahrplan, der in der Realität nicht funktionieren kann. Der Gutachter empfiehlt zumindest eine Neuplanung der Rohrer Kurve und die zweigleisige S-Bahn-Station im Flughafen-Terminalbahnhof beizubehalten. Ansonsten seien die erwünschten Taktverdichtungen für die S-Bahnen und auch die Verlängerung der S2 nach Neuhausen/Filder nicht fahrbar. Das passt irgendwie nicht zu einem Jahrhundertprojekt.

Bei der Erörterungsverhandlung zum PFA 1.3 beim Thema Leistungsfähigkeit am Montag und Dienstag (29.9. und 30.9.2014) in der Messehalle 4 der Landesmesse (Beginn jeweils 9:00, Einlass ab 8:30) wird auch dieses Gutachten ein Thema sein.

Rede von Christoph Ozasek bei der 234. Montagsdemo am 18.8.2014 zum S-Bahn-Chaos

Der Regionalrat Christoph Ozasek (DIE LINKE) ist Mitglied des Regionalparlaments der Region Stuttgart, Mitglied im Planungsausschuss und Stv. Mitglied im Verkehrsausschuss. Die direkte Veröffentlichung seines Redemanuskripts auf dieser Seite erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Christoph Ozasek.

Liebe Freundinnen und Freunde schöner Kopfbahnhöfe und einer zuverlässigen S-Bahn,

täglich nutzen fast 400.000 Menschen in der Region die feuerroten Nahverkehrszüge. Auf 6 durchgebundenen Linien verbindet die S-Bahn mit 215 Kilometern Schienenstrecke sternförmig Stuttgart und die Städte und Gemeinden in den vier umliegenden Landkreisen. Für viele Gemeinden ist die S-Bahn die Lebensader ihrer Zukunft.

Und ohne diese leistungsfähigen Bahnen würde die Landeshauptstadt Stuttgart längst im Blechstau und Feinstaub ersticken. Würden die hunderttausenden Pendler auf das Auto umsteigen – es ginge nichts mehr auf den Straßen. Eine ökologische und wirtschaftliche Katastrophe wäre die Folge, wenn die S-Bahn für die Pendler dauerhaft nicht mehr die notwendige Verlässlichkeit bietet.

Doch genau dieses Szenario ist nicht ausgeschlossen. Der zentrale S-Bahn-Tunnel ist längst ein betriebliches Nadelöhr, denn er war nie für diese Betriebslast ausgelegt. In der Hauptverkehrszeit reiht sich heute im S-Bahn-Stammast zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße im 2,5 Minuten-Takt eine S-Bahn an die nächste. Die S-Bahn ist betrieblich an der absoluten Auslastungsgrenze angelangt.

Hier zeigt sich seit vielen Jahren die Schwäche eines tunnelgeführten Schienenverkehrs: Wer öffentlichen Personenverkehr in Tunnels verlagert, der will politisch den öffentlichen Transport begrenzen, abschnüren und Ausbauoptionen zunichte machen. Diese Leistungsbegrenzer sind wesentliche Bestandteile von S21 und dienen nur einem Zweck: Der Verkehrslenkung auf die Straße.

Eine zweite Schwäche der S-Bahn ist der Mischverkehr auf 80 % aller Streckenabschnitte mit dem Regional-, Fern- und Güterverkehr. In Störungssituationen erhält der Fernverkehr Vorrang, schlicht aufgrund der Entschädigungsmodalitäten gegenüber den Fahrgästen. Auch dieses Betriebserschwernis ist in der Infrastruktur von S21, insbesondere auf den Fildern, eingeplant worden.

Der wirkliche Skandal und die Ursache für das S-Bahn-Chaos aber ist, dass die Schienen-Infrastruktur auf den S-Bahnstrecken marode und veraltet ist. Leit- und Sicherungstechnik, Weichen, Relais wurden verschlissen, halten dem Hitzestress im Sommer nicht mehr stand.

Die Schienen sind – genauso wie bundesweit die vielen Bahnbrücken und Bahnhöfe – als Betriebsinfrastruktur der Kannibalisierung zum Opfer gefallen. Die notwendige Wartung wurde unterlassen und die Bahn hat jahrzehntelang erst dann Komponenten ausgetauscht als diese unter der Betriebslast versagten, anstatt notwendige Vorsorge zu betreiben!

Und natürlich fehlt es am Personal, insb. hier vor Ort. So sitzt die Betriebszentrale und damit auch das Entstörungsmanagement für die S-Bahn Stuttgart in Karlsruhe. Bei Störungen blättern dort die Beschäftigten in dicken Leitz-Ordnern. Eine automatisierte Heilung durch computergesteuerte Prozesse gibt es nicht, obwohl wir uns nicht erst seit gestern im 21. Jahrhundert befinden.

Das S-Bahn-Chaos ist also keine Naturkatastrophe, sondern Kalkül! Chaos und Stillstand ist kalkuliertes Betriebsprogramm der Deutschen Bahn!

Zuständig für die S-Bahn ist das Regionalparlament, dem ich nun seit 5 Jahren angehöre und auch in der kommenden Amtszeit angehören werde. Es ist als Aufgabenträger politisch verantwortlich für den reibungslosen Betrieb und die Vertragsbeziehungen zur Deutschen Bahn. 2013 wurde der Betrieb mit dem neuen S-Bahn-Vertrag für weitere 15 Jahre – bis 2028 – an die DB Regio vergeben. Die Details dieses 700-seitigen S-Bahn-Vertrags sind indes geheime Verschlusssache.

Und die Bahn weigert sich, – trotz S-Bahn-Chaos und massivem Vertrauensverlust bei den abertausenden betroffenen VVS-Kunden — diesen Vertrag endlich offen zu legen!

Spätestens seit 2010, als die DB die S-Bahn-Rampe am HBF lahmlegte, strahlt Stuttgart 21 für die Öffentlichkeit negativ auf die S-Bahn aus. Und der hochgeheime S-Bahn-Vertrag bindet dem Regionalparlament die Hände. Er immunisiert die DB gegenüber Regressansprüchen durch schlechte Leistung. Die Region hat bewusst jede Möglichkeit aus der Hand gegeben, die DB durch Vertragsstrafen zu sanktionieren. Angesichts der chaotischen Störungsfälle beim S-Bahn-Betrieb ein unhaltbarer Zustand!

Mit Rücksicht auf „Betriebserschwernisse“ im Zuge des Baus von Stuttgart 21 wurde die jährliche „Höchststrafe“ für Verspätungen auf 62.500 Euro gedeckelt. Das ist ein Skandal! Dieses bescheidene Nasenwasser zahlt die DB aus der Portokasse!

Es gibt für die DB keinen finanziellen Anreiz einen stabilen Betrieb sicherzustellen. Da verwundert es nicht, dass die Pünktlichkeit der S-Bahn vier Jahre nach den chaotischen Zuständen an der S-Bahn-Rampe noch immer deutlich unter den Sollwerten liegt und täglich neue Störungsmeldungen den Zeitungen zu entnehmen sind.

Darüber hinaus fehlt es im neuen S-Bahn-Vertrag an Qualitätsstandards, z.B. zur Ausstattung von Bahnhöfen, der Fahrgastinformation oder beim Störungsmanagement. Und die Region verzichtet auf eine eigenständige Qualitätssicherung beim S-Bahn-Betrieb, überlässt also einseitig der Bahn die Kontrolle der Vertragsbestandteile. Das unterstreicht die Machtlosigkeit der politischen Entscheider! Die Region hat als Aufgabenträger auf Blindflug-Modus geschalten!

So jagt ein „S-Bahn-Gipfel“ im regionalen Verkehrsausschuss den nächsten, bei dem die Vertreter der DB mit treuherzigem Augenaufschlag „Besserung“ geloben, während die Regionalräte, die sich selbst mit dem schlechten Vertrag entmachtet haben, in langatmigen Predigten mahnende Worte zum besten geben.

In dieses Bild der Selbstentmachtung passt auch, dass Preiserhöhungen der DB Station und Service für die Nutzung der Schienen Eins zu Eins der Region in Rechnung gestellt werden, ohne dass die Region die Angemessenheit dieser Preissteigerungen prüfen darf. Die Bahn bedient sich also großzügig bei der Region.

Die große Mehrheit des Regionalparlaments hat diese Umstände längst geschluckt. Wir LINKEN waren in den letzten Jahren die einzige Kraft, die in aller Härte diese Missstände angeprangert haben! Alle anderen Fraktionen haben es sich längst auf dem Kuschelsofa der DB bequem gemacht.

Da verwundert es überhaupt nicht, dass quasi alle Initiativen zur Verbesserung der S-Bahn: z.B. die Beseitigung des skandalösen Umstands, dass bis heute nur 1/3 aller S-Bahnhaltepunkte den ohnehin ärmlichen Standards der Barrierefreiheit entsprechen, von übergroßen Mehrheiten abgelehnt wurden!

Und es verwundert auch nicht, dass die jahrelangen Beteuerungen, mit der Neubaustrecke wäre endlich die S-Bahn ins Filstal realisierbar, nun plötzlich wie eine Seifenblase geplatzt sind. Die Göppinger und Geislinger glotzen nun genauso in die Röhre wie die Oberschwaben weitere Jahrzehnte Fürbitten zur Elektrifizierung der Südbahn sprechen müssen.

Liebe Freundinnen und Freude,

leider kann ich euch nicht vermelden, dass es mit der S-Bahn besser wird. Die zehntausenden Pendler, die ihre Anschlüsse verpassen oder zu spät auf der Arbeit ankommen und deswegen Abmahnungen riskieren, sind weiterhin den Versprechungen der Bahn ausgeliefert und müssen sich mit deren Beruhigungsdrops begnügen, z.B. mit prekär beschäftigten Niedriglöhnern die an den Haltestellen Ein- und Aussteigevorgänge optimieren sollen.

Tendenziell wird es für die VVS-Kunden eher schlechter. Der neue „Meilenstein“, die Sperrung des S-Bahn-Abgangs am Hauptbahnhof, beschert den Umsteigern zwischen S-Bahn und dem Regional- und Fernverkehr seit dem 12. August deutliche Erschwernisse. Besonders für Menschen mit schwerem Gepäck, Kinderwagen oder Menschen mit Handicap ist dieser Missstand eine deutliche Zusatzbelastung.

Alle Umsteiger müssen längere Wege zurücklegen und sind mit drangvoller Enge konfrontiert. Das bedeutet Stress und längere Umsteigezeiten denn nur in der großen Schalterhalle sind Rolltreppen vorhanden. Sofern sie denn nicht, wie häufig, durch Störungen ausgefallen sind. Im Extremfall steigt die Umsteigezeit dadurch von 7 auf 13 Minuten, um die um 120 Meter verlegten Bahnsteige zu erreichen.

Liebe Freundinnen und Freunde,

bitte unterstützt und verbreitet unsere Forderung nach einer Nachverhandlung und Offenlegung des S-Bahn-Vertrags, damit die Region endlich mittels Vertragsstrafen die DB Regio zum Handeln verpflichten kann!

Und selbstverständlich gilt: Eine leistungsfähige und verlässliche S-Bahn, ein Ende des S-Bahn-Chaos, gibt es nur mit dem Ende von Stuttgart 21, deshalb – Oben bleiben!