Archiv der Kategorie: Verband Region Stgt (VRS)

Kann der S-Bahn-Vertrag vorzeitig gekündigt werden?

Der S-Bahn-Vertrag wurde in 2009 zwischen dem Verband Region Stuttgart (VRS) als Aufgabenträger und der DB Regio Baden-Württemberg als Betreiber (EVU) geschlossen und hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Mit den bundeseigenen DB Konzern-Töchtern DB Netz AG und der DB Station&Service AG, dem Infrastrukturbetreiber (EIU) als dem Hauptschuldigen für die Probleme, besteht leider kein Vertrag, Der Durchgriff der innerhalb der DB AG  hierarchisch untergeordneten DB Regio AG auf die DB Netz AG und DB Station&Service AG ist zwangsläufig heikel.

Die Fraktion DIE LINKE beantragte nun von der Geschäftsstelle des Verbands Region Stuttgart die Beantwortung der Frage nach den Möglichkeiten einer vorzeitigen Kündigung des nicht-öffentlichen S-Bahn-Vertrags, insbesondere  in Bezug auf Schlechtleistung. Wenn Sie die Antragsbegründung lesen wollen, klicken Sie bitte zum Aufklappen auf den nachfolgenden grauen Balken.

[spoiler title=’Antragsbegründung‘ style=’default‘ collapse_link=’false‘]Im August 2016 registrierte der VVS-Störungsreport laut Stuttgarter Nachrichten insgesamt 24 teils schwerwiegende Verkehrsstörungen allein durch Stellwerks-, Weichen-, Oberleitungs- und Signalstörungen sowie Brandmeldungen, oft mit Einschränkungen und Zugausfällen bis in die Abend- und Nachtstunden.

Bedauerlicherweise ist die August-Bilanz eher Regel als Ausnahme. Das gehäufte Auftreten von technischen Störungen innerhalb der vergangenen Jahre zeigt nur zu deutlich, wie sehr die S-Bahn Stuttgart, wohl auch aufgrund der kulanten Sonderregelungen während der Stuttgart-21-Bauphase, vom Betreiber Deutsche Bahn auf Verschleiß gefahren wird. Trotz vollmundiger Versprechungen auf dem jährlichen „S-Bahn-Gipfel“ fehlt es sehr offensichtlich an technischer Wartung, Innovation und Prävention.

Die störungsgeplagten Pendler, die den jährlich weiter steigenden Preisen hilflos ausgeliefert sind, erhalten als Gegenleistung zu oft Verspätungen, S-Bahn-Chaos und Zugausfälle und zahlen damit für Schlechtleistung. Die Zufriedenheitswerte, die die ÖPNV-Nutzer der DB für die S-Bahn ausstellen, sind dementsprechend niedrig, die wirtschaftlichen und persönlichen Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Ballungsraum Stuttgart gravierend. Durch die anhaltenden Störungen und Verspätungen entsteht ein mutmaßlich hunderte Millionen Euro schwerer volkswirtschaftlicher Schaden.

Als Träger der S-Bahn obliegt der Regionalversammlung und ihren Mitgliedern die Verantwortung für das zuverlässige Funktionieren der S-Bahn. Mit der Aushandlung des nichtöffentlichen S-Bahnvertrags mit der Deutschen Bahn von 2009 wurden die Mehrheitsfraktionen in der Regionalversammlung diesem Anspruch nicht gerecht. Zu geringfügig sind die Entschädigungszahlungen für verspätete und ausgefallene Züge, zu vage die Qualitätskriterien, zu generös die Ausnahmen während der S-21-Bauzeit, zu zahnlos die Sanktionsmöglichkeiten. Mit dem S-Bahnvertrag degradierten sich die Regionalräte in der Misere zu reinen Bittstellern, deren Appelle die Bahnverantwortlichen unbeeindruckt lassen.

Aufgrund der nicht endenden Qualitätsprobleme, die die Zumutbarkeitsgrenzen für die Fahrgäste längst übersteigen, stellt sich für die Fraktion DIE LINKE daher die Frage, ob eine zeitnahe Kündigung des S-Bahnvertrags aufgrund von Schlechtleistung möglich ist.[/spoiler]

Die Verwaltung antwortete wie folgt:

Eine vorzeitige ordentliche Kündigung des am 01.07.2009 in Kraft getretenen Verkehrsvertrages ist ausgeschlossen.

Die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung besteht, wenn eine der beiden folgenden
Voraussetzungen gegeben ist:

  1. Die 6-Minutenpünktlichkeit in der Hauptverkehrszeit liegt im Mittel über zwei aufeinanderfolgende Kalenderjahre unter 80 %. Während der Bauzeit von Stuttgart 21 gilt die Regelung nur für die durch das EVU zu vertretenden Verspätungen.
  2. In zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren entfallen mehr als 1% der planmäßigen Zugkilometer ersatzlos. Zugausfälle aufgrund von Baumaßnahmen an der Infrastruktur, Streiks und mehr als zwei Tage andauernde Störungen (sofern nicht durch das EVU verursacht) werden hierbei nicht berücksichtigt.

Es gelten zudem grundsätzlich die Regelungen nach § 314 des BGB.

Beide Voraussetzungen sind derzeit bei weitem nicht erfüllt, und eigentlich kann auch niemand hoffen, dass sie jemals erfüllt werden. Die Fraktion DIE LINKE hat sicherlich nicht ernsthaft erwartet, die Kündigung des S-Bahnvertrages quasi im Handstreich durchzusetzen.

Durch ihren Antrag wurde aber wenigstens öffentlich bekannt, dass die DB Regio nicht das liefern kann, was der Verband Region Stuttgart bestellt hat und teuer bezahlt, und die DB Netz AG vielfach nicht das liefert, was die DB Regio brauchen würde, um ihrerseits vertragsgemäß liefern zu können.

Die DB Netze™ nimmt Trassengebühren (DB Netz AG) und Stationsgebühren (DB Station&Service AG) ein, vernachlässigt aber trotz gegenteiliger Versprechungen ihre Anlagen und Einrichtungen. Durch Ausnahmeregelungen und eine Deckelung der Pönale (Vertragsstrafe) während der Bauzeit von Stuttgart 21 muss sie bei Minderleistungen keine Sanktionen befürchten und – wenn überhaupt – allenfalls auf einen kleinen Teil ihres Umsatzes verzichten.

S-Bahn ab 2020 tagsüber durchgehend im 15-Minutentakt

In ihrer Sitzung am 28.09.2016 hat die Regionalversammlung der Region Stuttgart beschlossen, den 15-Minutentakt der S-Bahn montags bis freitags gegenüber heute ganz erheblich auszuweiten. Beginnend im Dezember 2017 soll in vier im Jahrestakt aufeinander folgenden Stufen bis Dezember 2020 unter der Woche tagsüber (Betriebsbeginn ca. 5:00 Uhr bis 20:30 Uhr) ein durchgehender 15-Minutentakt realisiert werden. In den Ohren der unzähligen täglichen S-Bahnbenutzer klingt diese Entscheidung verheißungsvoll. Muss man sich die Abfahrtzeiten wirklich noch merken, wenn jede Viertelstunde ein Zug fährt? Allerdings gab und gibt es — auch in der Regionalversammlung — warnende Stimmen, für die die Voraussetzungen für einen gut funktionierenden 15-Minutentakt derzeit weder gegeben noch verlässlich absehbar sind. Dabei sind weniger die einzelnen Stufen zur Ausweitung des 15-Minutentakts, sondern vor allem der 15-Minutentakt von frühmorgens bis ca. 20:30 Uhr im Brennpunkt. Auch der nachfolgende Beitrag hat diesen Fokus und beschränkt sich zunächst auf einen Ausschnitt aus der gesamten Problematik.
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„Test für neuen S-Bahn-Lotsen gefordert“ …

Mit dieser Überschrift hat das European Train Control System (ETCS) für die Stuttgarter S-Bahn am 9.7.2016 wieder den Weg in die Stuttgarter Zeitung gefunden. Prof. Martin von der Universität Stuttgart formulierte deutlich: „Es ist höchste Zeit, das ETCS auf einer S-Bahnstrecke zu testen.“ Für den Redakteur Wolfgang Schulz-Braunschmidt ist es in seinem Kommentar „höchste Eisenbahn“ für ein leistungsfähiges Steuerungssystem für unser wichtigstes Nahverkehrssystem. Allerdings sind Artikel und Kommentar geeignet, eine überhöhte Erwartungshaltung zu erzeugen, die keinen Beitrag zur Lösung liefern würde. Weiterlesen

Öffentl. Sitzung des VRS Verkehrsausschusses am 22.6.2016

In dieser Sitzung des VRS Verkehrsausschusses waren zwei Themen aus Sicht der S-Bahn besonders interessant:

  1. Einsatzplanung für die 10 neuen S-Bahnfahrzeuge
  2. Fahrplanänderungen wegen Instandhaltungsarbeiten auf der Stammstrecke

Zu den kompletten Sitzungsunterlagen mit allen Detailinformationen kommen Sie über folgenden Link. Im Folgenden wollen wir die anstehenden Änderungen vorstellen und bewerten.

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Gibt es 2016 Änderungen bei der S-Bahn-Linienführung?

Bei S-Bahn-Chaos.de sind schon vermehrt Anfragen angekommen, ob und was für Änderungen es in der Linienführung der Stuttgarter S-Bahn 2016 geben wird bzw. geben könnte. Wir stellen daher nachfolgend beispielhaft die Frage eines Lesers und unsere Antwort dazu dar:

Anfrage Bernd S. vom 10.05.2016:

Sehr geehrte Damen und Herren,

haben Sie Informationen zu einem Wechsel der Endhaltestellen der
S-Bahn-Linien im Laufe des Jahres?
S1-S3 nur noch bis Schwabstraße,
S4-S6 dann bis Flughafen, Filderstadt bzw. Herrenberg?
Welche Vorteile soll das haben?
Gruß Bernd S.

Unsere Antwort dazu vom 10.05.2016:

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich kann Ihnen dazu Folgendes antworten:
Ich vermute, Ihre Frage bezieht sich eigentlich auf eine im Sommer anstehende Baumaßnahme auf der Gäubahnstrecke Rohr – Herrenberg, die den Fahrplan beeinträchtigt:
Vom 13.07. – 15.08.2016 werden die S1 und die S3 auf deren Südast ausgetauscht, weil in diesem Zeitraum zwischen Rohr und Böblingen eingleisig gefahren werden muss und sich die planmäßigen Fahrlagen der S1 mit dem Gegenverkehr kreuzen würden. Dies kann man zusammengefasst aus einer Erklärung der Deutschen Bahn im Rahmen der Fahrplankonferenz 2016 im vergangenen Monat ableiten. Unter folgendem Link sind nähere Angaben zu finden: https://www.s-bahn-stuttgart.de/s-stuttgart/baustellen/s1_Vorankuendigung_Buendel_Gaeubahn.html
(leider nicht mehr online)

Die Änderung der S-Bahnlinien, so wie Sie sie ansprechen, ist allerdings schon seit geraumer Zeit auch im Gespräch und zwar unter dem Begriff „Linientausch“ . Er sieht in der Tat vor, dass die S1 – S3 nur noch bis Schwabstraße fahren und die S4 – S6 die südlichen Außenäste von der S1 – S3 übernehmen bzw. befahren würden. Eine konkrete Planung hierfür gibt es aber nicht, im Gegenteil, der Verband Region Stuttgart lehnt diesen Linientausch bisher deutlich ab. Mit der Stuttgart 21-Planung gewann der Linientausch aber stark an Aufmerksamkeit, insbesondere im Zusammenhang mit dem sogenannten S-Bahn-Notfallkonzept für den Fall, dass die innerstädtische Stuttgarter S-Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße („Stammstrecke“) bzw. Universität gesperrt ist. Leider kommt das viel öfter vor als uns allen lieb ist. Und die Verbindung der S-Bahn auf die Fildern und ins Gäu ist mittlerweile so eminent wichtig, dass man sich zwangsläufig Notfallkonzepte zurecht legen muss.

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Bericht/Kommentar zur VRS-Verkehrsausschuss-Sitzung am 27.4.2016

Entgegen der Ankündigung war die gegenüber dem eigentlichen Hauptthema vorgezogene Besprechung zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) doch öffentlich, wodurch wir Gelegenheit hatten, einem Teil der Besprechung beizuwohnen.

BVWP

Der VRS moniert zu Recht, dass die Region Stuttgart mit ihrer Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung (25% bzw. 28% bezogen auf ganz Baden-Württemberg) im BVWP benachteiligt wird: die für die Region vorgesehenen Mittel belaufen sich nur auf 13 – 16% . Die Verteilung der Mittel zu 50% auf Straßenprojekte und nur zu 41% auf Schienenprojekte wären eigentlich auch deutlich zu kritisieren. Das tut der VRS allerdings nicht, sondern schaut weiterhin vorrangig auf die Straßen.

Straßenprojekte im BVWP

Mit Blick auf die Feinstaubbelastung in Stuttgart will die Region die Filderauffahrt zur Entlastung von B14/B27 durch die Stadt und den Nord-Ost-Ring zur Entlastung von B27/B10/B14 in den vordringlichen Bedarf aufnehmen lassen. Diese Projekte, die auf Grund des großen Widerstands der Anliegergemeinden schon totgeglaubt waren, erscheinen genau aus diesem Grund auch in Zukunft nicht durchsetzbar. Dazu soll die B10 von Geislingen bis fast nach Pforzheim ausgebaut werden, um die A8 zu entlasten. Es bleibt allerdings ungeklärt, wie man mit dem Nadelöhr der B10/B27 in Feuerbach zurecht kommen will. Der im Bau befindliche Rosensteintunnel wird hier überhaupt nicht helfen.

Schienenprojekte im BVWP

Die Ausbauten der Gäubahn zwischen Rohr und Herrenberg sowie der Remsbahn zwischen Waiblingen und Schorndorf jeweils mit einem durchgängigen dritten Gleis sind nicht im BVWP enthalten, weil der Bund den Nahverkehr als Auslöser dieser Maßnahme sieht und sich somit nicht zuständig fühlt. Diese überaus einseitige Betrachtung von sogenannten Mischverkehrsstrecken kritisiert der Verband zu Recht und will die Aufnahme dieser Projekte in den BVWP verlangen.

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Bericht vom 4. S-Bahn-Gipfel am 13.4.2016

Am 13.4.2016 fand im Sitzungssaal des Verbands Region Stuttgart in der Kronenstraße im Rahmen einer Verkehrsausschuss-Sitzung der mittlerweile bereits vierte S-Bahn-Gipfel statt. Die DB Regio, DB Netz, DB Station&Service und der VVS berichteten über den Stand der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit und der Fahrgastinformation.

Die gezeigte Präsentation kann bei Interesse von ↓ HIER heruntergeladen werden. Die Presse informierte ebenfalls ausführlich. Die Berichte in StZ und StN sind nach dem Zusammenschluss der beiden Redaktionen praktisch identisch, daher hier stellvertretend nur die Beiträge der StZ:

Die Pünktlichkeit hat sich im Jahr 2015 zwar gegenüber 2014 nicht unwesentlich verbessert, aber nach dem Tiefstand 2014 wäre eine weitere Verschlechterung ein Offenbarungseid gewesen. Insofern ist es verfrüht, bereits jetzt von einer Trendwende zu sprechen, so wie es die DB und das Direktorium des VRS getan hat. Sowohl die Presse als auch die Regionalräte haben praktisch unisono ein solches Resumée abgelehnt. Auch aus unserer Sicht ist es erst mal nur ein Hoffnungsschimmer auf eine hoffentlich nachhaltige und für die Kunden spürbare Verbesserung der Lage in der Zukunft.

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Vorschau auf den S-Bahn-Gipfel am 13.4.2016

Am Mittwoch 13.4.2016 findet um 15:30 im Sitzungssaal des Verband Region Stuttgart (VRS) in der Kronenstraße eine öffentliche Sitzung des VRS-Verkehrsausschusses statt. Dieser trägt dieses Mal wieder den Beinamen S-Bahn-Gipfel, weil er im wesentlichen S-Bahn-Themen behandelt. Die Sitzungsunterlagen stehen auf der Webseite des VRS zum Download bereit.

Unter anderem sind folgende Tagesordungspunkte vorgesehen:

  1. Qualitätsbericht S-Bahn und Abrechnung des Verkehrsvertrags
  2. Bericht von DB-Regio, DB Netz, DB Station&Service und VVS zur Verbesserung der S-Bahn-Qualität und der Fahrgastinformation

Bericht für 2015 zur Betriebsleistung mit gewährten Ausgleichszahlungen und Beurteilung der Qualität gemäß Verkehrsvertrag:

  • Betriebsleistung: 10,4 Mio. Fahrplankilometer
  • Ausgleichsleistung: 79,1 Mio. Euro

Bonus-Malus-Regelung

Im Verkehrsvertrag ist zwischen Region und der DB Regio AG eine Bonus-Malus-Regelung im Zusammenhang mit den Qualitätsmessungen vereinbart. Für das Jahr 2015 hat die DB Regio AG daraus eine Zahlung in Höhe von 230.716 € (in 2014 222.168 € ) an die Region zu leisten.

Hinweis:
Bemerkenswert ist, dass die aus der Bonus-Malus-Regelung resultierenden Zahlungen während der Bauzeit von Stuttgart 21 grundsätzlich auf die vor Baubeginn erreichten Qualitätswerte festgelegt sind und nicht unmittelbar mit den Ergebnissen der aktuellen Pünktlichkeit korrelieren.

Zusammenfassung der Zahlungen von DB Regio an die Region

Gemäß Sitzungsvorlage beläuft sich die Pönalezahlung für das Jahr 2015 von DB Regio an die Region auf insgesamt 2.445.264 Euro, davon

  • Bonus-Malus-Regelung 230.716 €
  • Zugausfälle 2.214.548 €

Pünktlichkeit 2014/2015 gemäß Sitzungsvorlage

Zielwert 2014 2015
Pünktlichkeit (Gesamt-VZ*)
< 3 Min. verspätet 94,5 % 85,8 % 88,5 %
< 6 Min. verspätet 98,0 % 95,6 % 96,7 %
Pünktlichkeit (HVZ**)
< 3 Min. verspätet 91,5 % 75,2 % 80,8 %
< 6 Min. verspätet 98,0 % 92,8 % 94,7 %
Sauberkeit 92,0 % 94,9 % 95,6 %

* Gesamt-Verkehrszeit, ** Hauptverkehrszeit

Bewertung durch die Fahrgäste (Schulnotensystem) gemäß Sitzungsvorlage

Zielwert 2014 2015
Pünktlichkeit 2,5 3,2 3,2
Sicherheit 2,5 2,0 1,9
Information
…im Regelfall 2,5 2,6 2,6
… bei Verspätungen 2,5 3,1 3,1
Sauberkeit 2,5 2,5 2,4

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Begeisterung über WLAN in S-Bahn hält sich in Grenzen

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten in dieser Woche über den WLAN-Test bei der Stuttgarter S-Bahn. Ein Artikel beschrieb die Erfahrungen einiger Fahrgäste mit dem kostenlosen Angebot, ein anderer lieferte Hintergrundinformationen und eine erste Einschätzung von Jürgen Wurmthaler, dem Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart.
Zum zweiten Artikel habe ich folgende Anmerkungen:

  1. Die WLAN-Router im Zug empfangen zwar Mobilfunksignale, verstärken diese aber nicht, sondern leiten nur die Datenpakete per WLAN weiter. Mobilfunkverstärker werden eingesetzt um den Mobilfunkempfang in Zügen zu verbessern, falls dieser z.B. aufgrund von metallbedampften Fensterscheiben gedämpft ist. Auf diese Technik bauen z.B. die Schweizer Bundesbahnen (SBB), die WLAN im Zug höchstens ergänzend einsetzen wollen.
  2. Das WLAN hat bei den Tests von Herrn Wurmthaler sicher immer funktioniert, es fährt ja schließlich in Form des WLAN-Routers im Zug mit. Was nicht zuverlässig funktionierte war der Internetzugang, welcher vom WLAN-Router über das Mobilfunknetz bereitgestellt wird. Wer im Zug mit dem Smartphone ins Internet geht, kennt dieses Problem. Auf praktisch jeder Strecke gibt es Abschnitte in denen keine brauchbare Verbindung zustande kommt. Der direkte Internetzugang kann u.U. sogar zuverlässiger sein, weil er direkter erfolgt als über den Umweg WLAN:

    Internetzugang über Mobilfunk direkt im Vergleich zum Umweg WLAN

    Internetzugang über Mobilfunk direkt im Vergleich zum Umweg WLAN

  3. Laut CDU-Nachwuchsmann Jan Tielesch fährt die S1 zum Flughafen. Zum Flughafen fahren aber nur die S-Bahnlinien S2 und S3. Die S1 biegt bereits in Stuttgart Rohr nach Herrenberg ab. Außerdem kann man nicht nur mit der analogen Postkarte abstimmen, sondern auch mit einem PDF-Formular per E-Mail. Dies funktioniert jedoch weder einfach noch anonym. Man benötigt einen PDF-Reader, mit dem man ein PDF-Formular ausfüllen und anschließend per E-Mail verschicken kann.
  4. Die geschätzten bis zu 16 Millionen Euro sind nur die initialen Einmalkosten zum Einbau der Technik in die Züge. Hinzu kommen laufende Kosten z.B. an die Mobilfunkprovider. Dass die CDU diese Kosten nicht den Fahrgästen aufbürden will ist zwar löblich, sie sagt aber nicht wer letzlich für die enormen Kosten aufkommen soll. Letztendlich wird es früher oder später entweder direkt auf alle Fahrgäste oder versteckt auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.
  5. Die Politik nötigt die Schienenverkehrsunternehmen Gratis-Internet per WLAN anzubieten, aber die Qualität ist oft bedenklich schlecht. So besteht die Gefahr, dass hier ein teurer, aber schlechter Service vom Fahrgast zu zahlen ist, den er aufgrund eines ohnehin bestehenden Mobilfunkzugangs sowieso schon besitzt und bezahlt.

Heute Nachmittag hatte ich übrigens wieder einmal das seltene Glück, in einem Testzug mitfahren zu können. Nach dem Einsteigen in Feuerbach hat es bis kurz vor Stuttgart Hbf gedauert, bis ich über WLAN ins Internet kam. Nach der Einfahrt in den Tunnel ging dann nichts mehr und das Smartphone schaltete selbstständig auf Mobilfunk um. Danach gelang es mir zwar noch einmal eine Internet-Verbindung über das WLAN aufzubauen, aber kurze Zeit später war auch schon die Endstation Schwabstraße erreicht und ich musste aussteigen.

Somit decken sich meine Erfahrungen weitgehend mit denen von Herrn Wurmthaler. Begeisterung kommt bei der Nutzung von WLAN in der S-Bahn derzeit keine auf.

Ursachenforschung der S-Bahn-Verspätungen

Am 3.2.2016, einen Tag nach einer Pressekonferenz des VCD mit dem Titel VCD-Konzept für den Ausbau des Stuttgarter Eisenbahnnetzes, die StZ und StN berichteten,  fand eine Sitzung des Verkehrsausschusses des Regionalverbands Stuttgart (VRS) statt, bei dem vorrangig S-Bahn-Themen besprochen wurden. Die StZ berichtete.

Bei der VCD-Pressekonferenz war die S-Bahn zwar nicht das Hauptthema, trotzdem wurden einige interessante Punkte auch für die S-Bahn thematisiert. So wurde u.a. das nicht zukunftssichere Konzept der neuen S-Bahn-Station Mittnachtstraße bemängelt, bei dem der Geburtsfehler der Stuttgarter Stammstrecke wider besseres Wissens wiederholt wird. Durch sie wird die bereits schon heute überlastete Stammstrecke durch eine weitere Station mit nur einem Mittelbahnsteig und der bereits vor der Station zusammengeführten Tunnelstrecken von Bad Cannstatt und Feuerbach verlängert, statt dem bewährten Beispiel München zu folgen. Dort wurden die Außenäste nämlich erst nach den Haltepunkten mit dort noch getrennten Gleisen in die Stammstrecke eingefädelt und die besonders stark frequentierten Stationen der Stammstrecke wie zum Beispiel am Hauptbahnhof mit ‚Spanischen Bahnsteigen‘ ausgestattet, d.h. Bahnsteige auf beiden Seiten der Stationen angelegt, um Ein- und Aussteiger voneinander zu trennen.

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